Wir lösen Probleme, die wir sonst nicht hätten – Sambia

Begrüßt wurden wir an der Grenze mit einem ausgebrannten LKW, der die zweispurige Auffahrt einspurig machte. Wir nutzen den Moment, um unsere letzten tansanischen Schilling in lokale Köstlichkeiten zu verwandeln.

Da die Erfahrungsberichte über diese Grenze bereits vor den Wahlen folgendes aussagten: „Most chaotic border in Africa” und im Schnitt dauerte es fünf Stunden, gönnten wir uns dieses Mal einen “Agenten”. Man fand sehr schnell zueinander. Preis hatte Tony zur Sicherheit nicht besprochen, die Drecksarbeit kann ich dann immer machen. Wir müssen sagen, vielleicht tat es dieser Grenze gut, dass sie ein paar Tage geschlossen war, denn nach dem üblichen Hin und Her und Rumgestempel, waren wir nach zwei Stunden fertig. Der „Agent“, der sich während des Grenzübergangsprozesses verdreifacht hatte, forderte nun sein Gehalt. Ich war bereit, ihm 10US$ zu geben (so wie man es online findet), er wollte aber 30US$ und ich war unsicher, ob er deshalb schon seine beiden halbstarken Kollegen geholt hatte. Plötzlich verstehe ich dann aber einfach kein Englisch mehr, habe einen schönen neuen 10$ Schein in der Hand, lächle nett und steige ins Auto und verriegele sofort die Tür. Wir rollten los und keiner stach uns in die Reifen auf, sodass wir unseren Hühnchen-Bananen-Spieß genießen konnten. 

Überrascht, dass wir so gut durchgekommen sind, schaffen wir es noch bis kurz vor den North Luangwa Nationalpark. Wir standen an einem kleinen Bach, grillten einen Burger und machten uns an die Routenplanung.

Am Morgen standen wir pünktlich um 6 Uhr am Gate, doch wir waren die einzigen – also auch kein Ranger. Irgendwann wurde jemand angerufen, jemand wurde geweckt und dann wurde ein handschriftliches Permit erstellt. 7:10 Uhr rollten wir endlich durchs Tor. Wir schlugen uns entlang der nord-östlichen Route immer am Fluss bzw. was davon übrig war, entlang. 

Wir sahen einige Tiere, aber der North Luangwa ist sehr, sehr remote und wir denken, dass sie deshalb sehr, sehr schüchtern und schreckhaft sind. Wir sahen drei Löwinnen und einen Leoparden, doch ohne Fotobeweis. Die Wege waren recht überwachsen, sodass wir wieder die Axt und die Säge griffbereit im Beifahrerfußraum hatten. 

Circa 30km vor dem Parkausgang am Ponton (könnt ihr euch noch an unsere abenteuerliche „Fährfahrt“ erinnern?!) fiel uns auf, dass wir hinten links – sagen wir mal – fast einen Platten hatten. Wir pumpten erst einmal nach. Es zeigte sich, dass er immer schneller Luft verlor und wir nun alle 5km nachpumpten. Da wir etwas unter Zeitdruck waren, wollten wir den Reifenwechsel vermeiden.

Am Ponton angekommen, war keines mehr da, aber zum Glück auch kein Wasser, sodass wir durch den komplett ausgetrockneten Luangwa fuhren. Wir schlugen unser Camp direkt am „Flussufer“ auf. Tony versuchte den Reifen zu flicken. 

Am Abend wurden wir von zwei Elefanten besucht und als wir am Morgen aufwachten, waren circa 100 Pelikane im Flussbett. 

Unser Weg führte uns heute 280 km offroad entlang des Luangwa. Es gab wenige kleine Dörfer entlang der Sandstraße und dazwischen ein paar Leute zu Fuß oder mit dem Rad. Wir teilten großzügig unser Wasser mit ihnen, denn draußen waren 35 Grad und kein Schatten. 

Kurz danach kamen wir an einem Wasserloch vorbei, in dessen Mitte nur ein klein wenig Schlamm stand, doch es war reges Treiben da – vier Wildhunde. Wir konnten unseren Augen nicht trauen, wir hatten nach all der Zeit in Afrika nur einmal 2021 in der Kalahari Wildhunde gesehen. 

Was kann es für einen besseren Frühstücksspot geben?! Das restliche Rudel gesellte sich dann auch noch dazu, da wurde es schon ziemlich eng. Wir standen da sicher eine Stunde und wollten langsam weiter (Hand war schon an der Zündung), als sich ein junges Kudumännchen leichtsinnig, oder unerfahren oder total erschöpft und durstig dem „Wasserloch“ näherte. Gerade las ich Tony vor, dass Wildhunde im Rudel eine Hetzjagd machen und nur jagen, wenn sie Hunger haben. Scheinbar machte sich spontaner Frühstückshunger breit und sie begannen vor unseren Augen (vielleicht so 15 m) das Kudu zu scheuchen. 

Das Kudu rannte nur im Kreis und schaffte es, den ein oder anderen Wilddog mit einem Kick loszuwerden, aber gegen das Rudel von 18 hatte es keine Chance… Es ging zu Boden und wurde aufgegessen. 

Wir schauten uns währenddessen mehrmals verdutzt an – passiert das gerade wirklich? Hätte man den Kudu retten müssen? Freut man sich für den Jagderfolg der Wildhunde? 

Auf dem restlichen Weg ins legendäre Wildlife Camp am South Luangwa sahen wir auch noch Löwen, Elefanten und sämtliche Antilopen, die aber neben den Wilddogs heute eher „langweilig“ rüberkamen.

Am Camp angekommen ergatterten wir die letzte Campsite und standen natürlich inmitten von Deutschen. Stimmt nicht ganz, jeweils ein Auto mit Holländern, Franzosen und Briten war auch da. Ihr könnt euch vorstellen, da musste viel besprochen werden. 

Auch versuchte Tony erneut unseren Reifen hinten links zu flicken (natürlich wurde unter strenger deutscher Kontrolle, sofort unser unangemessener Reifendruck kommentiert).  

Der Reifen stellte sich als eine Art „Schweizer Käse“ dar, sodass wir beschlossen, den Ersatzreifen anzubauen und das Flicken den Profis im Dorf zu überlassen. Wir legten also einen weiteren Tag im Wildlife Camp ein für kleinere Reparaturen, der Reifen konnte im Dorf auch nicht wirklich mehr gerettet werden und ist nun ein eher „schlechter“ Ersatzreifen. Außerdem warteten wir auf Diesel, denn die eine Tankstelle im Dorf war leer (erinnert ihr euch, dass wir in Tansania fünf Tage festsaßen, so saßen auch sämtliche Dieseltrucks fest, denn Sambia erhält seinen kompletten Diesel aus Tansania). Es gab auch in den angrenzenden Dörfern keinen Diesel mehr, aber es gab ein Gerücht, dass der Dieseltruck unterwegs sei. Wir vertrieben uns die Wartezeit am Pool und mit den neuen Bekanntschaften.

Es hatte die letzten Tage jeden Abend gewittert und die Strecken wurden immer nasser. Wir überlegten, welche Strecke wir nehmen. Unsere Idee war es, die recht wilde Offroad-Strecke quer durch den South Luangwa zu nehmen. Wir machten (ich gebe zu nach vier Bier) eine Vernunftsabwägung.

PRO 1: Dahinter liegt der Highway, wo es sicher schon wieder Diesel gibt. 

PRO 2: Wir wollten dort im Norden noch ein bisschen wandern.

CONTRA 1: Dieseltruck weiter nicht in Sicht (halber Tank für 160 km Offroad).

CONTRA 2: Keinen wirklichen Ersatzreifen.

CONTRA 3: Es hatte nochmal die ganze Nacht geregnet.

CONTRA 4: Lodgebesitzer mit 40 Jahren Afrikaerfahrung meint: „It’s impossible after rain.“ (Camp Lodgemanager meinte: „Give it a try!”)

CONTRA 5: Das zweite Auto, das die Strecke mit uns fahren wollte, traute sich nicht mehr, damit sind wir wieder allein.

CONTRA 6: Kein Handyempfang auf der Strecke.

Ihr kennt uns – natürlich sind wir die Strecke gefahren. Also ging es am Morgen früh zu einem dieselsparendem Game Drive. Wir fanden einen wunderschönen Leoparden im Baum und beobachteten ihn eine Weile, dann frühstückten wir und dann wurde unsere Geduld belohnt.

Er kam elegant vom Baum herunter und wählte Toyo, um sich in Position zu bringen, um eine kleine Impallagruppe zu stalken. 

Er war wirklich so, so schön. Mit diesem tollen Start in den Tag waren wir noch motivierter, die berüchtigte „Strecke 05“ zu fahren.

Wir brauchten für die ersten 80km gut drei Stunden, es war trockener als gedacht, die Flussqueerungen waren noch trocken und die berüchtigte Black Coton Soil war noch fest, sodass wir nicht stecken blieben. Aber nicht, dass jemand denkt, es gab keine Verluste – wir verloren BEIDE Seitenspiegel, einer fiel auf Sand, einer auf Gestein – naja, links haben wir wieder einen und der andere war Totalverlust.

Zum späten Nachmittag kamen wir auf der neuen Campsite hinter dem nördlichen Gate an. Angelegt von der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, aber betrieben von der Community und alle Einnahmen gehen in die Community. Aber am wichtigsten, es gab Starlink. 

So konnten wir Bericht über die Road Conditions geben, aber es hat sich keiner mehr getraut, was sicher auch vernünftig war, da es wieder die ganze Nacht gewittert und geregnet hat. Ach, und wenn ihr denkt, dass unsere schlimmste Sorge unser erloschenes Grillfeuer war – nein, Tonys Zahnkrone ist auch noch abgebrochen. Er versuchte mir weis zu machen, dass er den Zahnstumpf / -wurzel desinfizieren muss und das mache man mit Hochprozentigem – denke nicht, dass das evidenzbasiert ist. 

Am Morgen lagen noch einmal 80km offroad Strecke bis zum Highway vor uns, dieses Mal steil und steinig, aber es gelang problemlos und ein südafrikanisches Pärchen schloss sich uns an. Am Highway mussten wir dann 30km in die „falsche“ Richtung fahren, um im Städtchen Mpika endlich Diesel zu bekommen, eine Tankstelle hatte endlich Diesel. 

Vollgetankt war unser Ziel Mutinondo Wilderness, hier warteten unsere Südafrikaner schon auf uns, aber wir konnten sie nicht mehr motivieren, uns auf einen Afternoon Hike zu begleiten. Mutinondo ist bekannt für seine riesigen Granitfelsen. 

Es haben sich auch hier zwei Löwen angesiedelt, deshalb soll man nicht nach 17 Uhr wandern. Um dieses Risiko zu umgehen, waren wir 17 Uhr zum Sundowner mit den Südafrikanern verabredet – rein aus Sicherheitsgründen versteht sich.

Am Morgen nutzten wir das gute Wetter, um natürlich den höchsten Felsen zu besteigen – 35 Grad, gefüllte Luftfeuchtigkeit 99%, 200 Höhenmeter auf 500 m Strecke sind echt ein Morgen-Workout. 

Warum ich das „gute“ Wetter so betone – es regnete zu zeitig und zu viel für die Jahreszeit. Es wütete wohl ein Zyklon vor Afrika und haute hier das ganze Wetter durcheinander. Heute zogen schon gegen Mittag dicke Wolken auf, sodass wir uns auf den Weg Richtung Lusaka machten – 300 chaotische Kilometer. 

Wir sahen am Straßenrand viele Lokals, die riesige Pilze anboten. Da wir gerade Internet hatten, recherchierten wir – Termitomyces titanicus, der größte essbare Pilz der Welt, lebt in Symbiose mit Termiten und wächst jetzt zu Beginn der Regenzeit. Da kam uns die Idee, unser Frühstücksei aufzuedeln. 

Unsere Recherche ergab, dass man sie nur von einem seriösen Verkäufer kaufen soll – ja gut, unserer war ein circa 8-jähriger Junge, aber der weiß schon, was er macht. Es gibt vielleicht einen anderen Pilz, der zum Verwechseln ähnlich aussieht, aber er hatte ihn sicher an einem Termitenhügel geerntet. 

Unsere Freude über das leckere Frühstück wurde kurz getrübt, als uns die Polizei rauszog – zu schnell. Die beiden Damen waren nicht so richtig „schwingungsfähig“, dass es sogar eine Quittung gab. Naja, diese Strafen ziehe ich Tony vom Bierbudget ab. 

Wir erreichten Lusaka und kehrten natürlich in Lukasa ein (hier stand Toyo bereits zweimal, während wir zuhause waren). Es ist ein „nach Hause kommen“ und dieses Mal waren zusätzlich unsere neuen Freunde aus dem South Luangwa da. 

Aber wir hatten Aufgaben: Wir hatten bei Gekes (holländische Chefin von Lukasa) Zahnarzt einen Termin gemacht, sodass das unser erster Stop war. 

Es sah nicht wie eine deutsche Zahnarztpraxis aus, eher wie eine Boutique mit dem Farbkonzept Lila. Wir füllten ein Anmeldeformular aus (wenig zahnärztliche Fragen), aber Beruf und Arbeitgeber, keiner wollte den Pass sehen und keiner hat nach einer Versicherung gefragt (auch noch nicht nach der Visa). 

Tony ist allein reingegangen. Ach so, die Krone war nicht kaputt und wir hatten sie desinfiziert (nicht in Rum) gelagert. Nach 30 Minuten ist er strahlend rausgekommen. Was er berichtet hat: „Die Dame wirkte kompetent, hat alles sauber gemacht, ein Röntgen und hat die alte Krone mit Zement wieder angeklebt“. Die Röntgenbilder gab es per WhatsApp, die Rechnung war schnell geschrieben und wir schoben die Visa rüber (100€ ist denk ich ist okay?).

So weiter ging es – ein neuer Reifen musste her. Aktuell fahren wir BF Goodrich All Terrain 285/75R16, aber der war hier nicht aufzutreiben?! Listenpreis 350€ fanden wir dann einen Händler, der ihn bestellen wollte und 700€ haben wollte – für einen Reifen! Wir entschieden uns, dass wir den Reifen in Botswana bei „unserem“ Reifenhändler kurz hinter der Grenze von Sambia bestellen.

Aber wir brauchten noch Servolenkungsflüssigkeit, wir sind da wohl etwas undicht… Habe ich gelernt, dass das laute unangenehme Geräusch ist, wenn man lenkt. Aber es gibt so „Zauberflüssigkeit“, die die poröse Dichtung abdichtet (erneute Frage nach der Evidenz). 

Dann musste ein neuer rechter Seitenspiegel her und plötzlich standen wir in Lusaka im Auto Spare Part Viertel und wirklich jeder wollte und „helfen“. Wir fanden einen Herren, der uns einen neuen Seitenspiegel für knapp 20€ verkauft hat und schraubte ihn fröhlich an. 

Lektion „Lehrgeld zahlen“: Der Spiegel ist scheiße, denn erst dann merkten wir, dass ein normaler Seitenspiegel etwas gewölbt ist und das „gewohnte“ Bild macht. Unser Neuer ist aber komplett eben… Naja, sehen kann man damit suboptimal, aber zumindest kann die Polizei nicht mehr meckern.

Selbst in Lusaka war es schwer, Diesel zu bekommen (es war jetzt bereits zwei Wochen nach der Wahl in Tansania). Wir fanden aber außerhalb eine Tankstelle mit Diesel, sodass wir die Strecke nach Livingstone (und dann Grenzübergang nach Botswana) „auflockern“ konnten mit einem Abstecher über den Kafue Nationalpark. 

Hier erwarteten uns schon unsere Freunde (kann man mittlerweile schon so sagen) aus dem Wildlife Camp und wir waren auf einen entspannten Nachmittag am Fluss eingestellt, aber wir haben die Rechnung ohne Toyo gemacht. Wie Männer so sind, wollte man sich gegenseitig unter die Motorhaube gucken (das ist wirklich rein technisch gemeint) und dann stöhnte Tony auf „Ooooor neeee“. Alle versammelten sich um unsere Motorhaube – unsere Aufhängung für die Batterie war abgerissen und schubbelte bereits den Kühlflüssigkeitsbehälter auf. 

Ich dachte, okay, zurück nach Lusaka, hoffentlich ohne Überhitzung und ohne Kühlschrank. Doch ich hatte die Rechnung ohne die Expertise der Deutschen gemacht – plötzlich lagen eine Akku-Bohrmaschine, ein Edelstahlblech und eine Schraubenkiste vor uns – wir fixen das.

Falls ihr mal drei Männer einen Nachmittag beschäftigen wollt/müsst, fragt mich und Toyo, uns fällt da sicher etwas ein. 

Resümee der „Busch-Reparatur“: Vier zerstörte (stumpfe) Bohrer, ein Lobgesang auf die Lidl Bohrmaschine und keine Verletzten. Batterie-Halterung hält jetzt als Provisorium sicher ewig. 

Natürlich regnete es die Nacht wieder und selbst die Campsite stand unter Wasser. 

Doch wir wollten es mal wieder versuchen, durch den Nationalpark nach Süden zu kommen. Wir fuhren auf den Highway (zur Info: Recht häufig führt der länderverbindene Highway mit vielen Trucks hier in Afrika durch einen Nationalpark) und da lag ein überfahrener Leopard auf der Gegenspur – geschockt/traurig/verunsichert fuhren wir wenige hundert Meter weiter zum Gate des Nationalparks und wollten das melden (offizielle Öffnungszeit 6:30, wir waren 7:00 da, waren die einzigen – haben im Nachhinein erfahren, dass bei schlechtem Wetter der Ranger länger schläft). Plötzlich stoppte ein Auto und die Insassen zogen den Leopard am Schwanz in den Graben runter – oh mein Gott, beobachten wir gerade ein Verbrechen? Was stellen sie mit ihm an? Wo ist der verdammte Ranger? 

Wir wussten uns nicht anders zu helfen und wollten zurück zur Campsite fahren, um Bescheid zu sagen (die, die gerade den Leopardenkadaver in der Straßengraben zogen, fragten uns nach einer großen Plastiktüte, wir fragten im Gegenzug, ob sie Ranger seinen bzw., diese informiert hätten – „no“. In der Campsite versicherte man uns, dass der Ranger informiert wird, wir sollen uns keine Sorgen machen und auf Safari gehen.

Wir fuhren los, aber es war ein mulmiges Gefühl. Am Gate plötzlich das Auto, welches den Leopard in den Straßengraben gezogen hat. Man wuchtete dieses großartige Tier vom Rücksitz des Toyota und ließ es auf den Boden fallen. Es waren wohl Mitarbeiter der Carnivore Conservation und man nehme jetzt Proben zur Untersuchung der Todesursache und Gesundheitszustandes.  Ähm, ich will nicht überheblich klingen, aber schweres offenes Schädelhirntrauma würde ich diagnostizieren. Als ob dies nicht schon schlimm genug gewesen wäre, schockierte uns noch mehr die „Leichtigkeit“ und Gleichgültigkeit der Parkmitarbeiter. 

Ja, wir haben Bilder davon, gerade weil wir dachten, wir sehen ein Verbrechen und wollten Beweise sammeln. Wir haben uns aber dagegen entschieden, diese Bilder zu zeigen, jeder sollte diese wunderbaren Lebewesen unverletzt in Erinnerung haben.

Wir fuhren los, weil wir nach Livingston mussten. Es war ein schöner und überraschend trockener Vormittag, als wir plötzlich ein neues Geräusch hörten –  pff, pff, pff. Wir redeten uns ein, dass das nur ein Steinchen im Reifenprofil sei – aber ist das realistisch offroad im Sand? Das Geräusch wandelte sich in ein „zisch zisch zisch“, okay jetzt konnten wir es nicht weiter ignorieren – hinten rechts hat ein Loch. Erneut redeten wir es uns schön, durch das gleichmäßige Geräusch müsse das Loch ja auf der Lauffläche sein und somit easy zu flicken. Zur Erinnerung: Unser Ersatzreifen auf dem Dach trägt den Spitznamen „Schweizer Käse“, neuer Reifen ist nach Kazungula im Botswana bestellt. Wir stoppten auf einer Lodge und erblickten das ganze Übel. Die Kante war aufgerissen – Spröde? Ast? Kombi aus beidem? Tony versuchte, den Defekt mit acht Flickstreifen zu fixen (normaler Defekt – ein Streifen), doch es gab immer noch einen positiven „Bubbletest“. Wir verloren den Glauben an BF Goodrich und liebäugelten mit der chinesischen Alternative – robuster, einfach zu bekommen und ein Drittel des Preises.

Was tun mitten im Nationalpark – 240 km zurück nach Lusaka fahren, um da einen überteuerten Ersatzreifen zu bekommen, oder 70km weiter durch den Nationalpark und weitere 200 km bis nach Botswana, größtenteils offroad über unbekannte Wege zu fahren, um dann einen neuen Reifensatz zu bekommen?! Klar fuhren wir weiter! Das Einzige, was Trost spendete, war, dass wir unsere Freunde vom Wildlife Camp wieder trafen und wir die Strecke zusammen gefahren sind. 

Zusammen kamen wir gut durch die teilweise recht anspruchsvolle Strecke und schafften es bis nach Livingstone. Wir nutzten das Städtchen, um unsere letzten Kwatcha auszugeben und genossen ein letztes lokales Bier (Mosi) an der Waterfront und schlugen uns den Magen bei Olgas Italien Point mit Pizza voll. 

Danach fuhren wir noch spontan gegen 16 Uhr an einem Sonntag zur Grenze nach Botswana.

Ob man uns so spät noch über die Grenze gelassen hat oder ob wir weiter in Zambia sind… Lest ihr im nächsten Blog. 

Eure Unvernünftigen 

Tony&Juli

Ein Kommentar zu “Wir lösen Probleme, die wir sonst nicht hätten – Sambia

  1. Hallo ihr Unvernünftigen, schön mit euch zu reisen, toller Bericht. Wir wünschen euch weiterhin eine gute, erlebnissreiche, unfallfreie Fahrt mit schönen Begegnungen. Fühlt euch „umärmelt“. Liebe Grüße Roswitha und Jürgen

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