Wir schafften den Weg durch den Tiefsand und blieben dieses Mal nicht stecken in der Kalahari!

Wir nutzten den Rest des Tages, um auf einer Campsite bei Ghanzi etwas Wäsche zu waschen, erfrischten uns im Pool und entspannten. Am nächsten Morgen ging es nur kurz tanken und frische Lebensmittel einkaufen, um dann schon wieder den Reifendruck auf 1,5 bar abzulassen, es lagen noch 135km Tiefsand vor uns.

Wir fuhren kurz vor Sunset nur an den „Wegesrand“ und wollten hier schlafen. Da fast die ganze Strecke durch hohes Gras war, mussten wir den Kühlergrill noch fix ausblasen und montierten den Pollenschutz.

Da die Sonne schon fast weg war, drängte ich mal wieder, dass Tony jetzt endlich reinkommen soll. Tony saß noch auf dem Dach, als ich nach vorn durch die Windschutzscheibe schaute und mich da eine wunderschöne Braune Hyäne anschaute. „Ähm Tony, Braune Hyäne auf 12 Uhr“, er glaubte es mir erst nicht, aber dann war die Freude riesig.

Unsere erste richtige Sichtung! Sie schnüffelte einmal um Toyo – vielleicht hatte ich das Wasser aus der Tunfischdose (habe den Feuerwehr-Tunfisch-Aufstrich für den nächsten Tag vorbereitet) hinters Auto gegossen, scheint ihr gefallen zu haben.

Guter Start! Die Nacht war ruhig und nur noch eine kleine Antilope auf der Wildtierkamera. Es waren nur noch 25km bis zum Gate des Mabuasehube Nationalparks. Pünktlich um 5:30 Uhr waren wir am Gate, jedoch die einzigen – also auch kein Ranger. Wir warteten geduldig 10 Minuten bis wir (leicht übergriffig) ins Angestelltencamp liefen, als wir da auch keinen sahen, haben angefangen, „Good Morning“ zu rufen, klatschten und pfiffen. Plötzlich hörten wir jemanden im Zelt „räuspern“, wir hatten also ein „Opfer“ gefunden. „Good Morning again, we would like to visit your wonderful park“. Wir redeten weiter mit einem verschlossenem Zelt, doch das „Zelt“ versprach uns, dass jemand kommen wird.

Es dauerte vielleicht weitere 15 Minuten bis der Ranger kam und wir konnten um 6:30 Uhr starten.

Der viele Regen (wir denken immer noch, dass wir den mitbringen bzw. er uns verfolgt) lässt die Kalahari grün werden und überall blüht es.

Weiter ging es entlang der Pans. Hier begrüßte uns eine Hyäne am Wasserloch, eine große Gruppe von Erdmännchen frühstückte entlang des Weges und im Mpaya Camp erhaschten drei Löwinnen einige Tropfen Wasser aus einer defekten Wasserleitung.



Aus Motivationsgründen habe ich jetzt durchgesetzt, dass es eine Mittagspause mit optionalem Mittagsschlaf gibt. Zur Mittagszeit liegen sowieso alle Tiere im Schatten. Wir beobachteten also die „Nachbarn“, die sich über unsere Obstabfälle freuten.

Und nutzten die Zeit für etwas „Busch-Wellness“. Ich duschte mit Ausblick auf die Pan und dann schnitt ich Tony die Haare (vielleicht hat jeder davor ein Mut-/Motivationsbier gehabt).


Als die Schatten wieder länger wurden, machten wir uns nochmal auf den Weg. Wir fanden die Löwen nicht mehr, aber bei unserem Sundowner an der Mabuasehube Pan lief erneut eine Braune Hyäne über die Pfanne.

Die Nacht war ruhig und die Wildtierkamera hat „nur“ die Erdhörnchen aufgezeichnet. Wir fuhren erneut die Pans ab. Die drei Löwinnen lagen auf der Pan und sonnten sich, wir warteten ab, bis es ihnen zu heiß wurde und sie im dichten Gebüsch verschwanden.

Wir fuhren gegen Mittag weiter nach Tsabong, dem einzigen Städtchen in der Region. Hier machten wir nochmal ein bisschen Wäsche und kauften frische Lebensmittel ein und dann ging es zu unserem Freund Valentin (der mit der Löwin).

Wir sind zum vierten Mal hier und da wir es letztes Jahr nicht geschafft hatten, war die Wiedersehensfreude umso größer. Aber bei Modisa gibt es immer etwas zu tun. Die Reifen vom Flugzeug mussten gecheckt werden.

Tony lag mal nicht unter Toyo sondern unter einem Flieger. Er hat dieses Mal nichts verschlimmbessert. Dann musste noch gejagt werden, einmal als Populationskontrolle und als Vorrat für Sirga, falls sie mal keine Lust hat, selbst auf die Jagd zu gehen.


Es musste natürlich auch eine Qualitätskontrolle des Pools erfolgen, die Vögel mussten gefüttert werden, Trinkbottiche aufgefüllt und Milch für kleine Katzen angemischt werden.


Am Abend wurden wir fast schon gewohnt von einem Stachelschwein besucht, das sich über die Küchenabfälle hermacht.

Wir fuhren zum Sunset auf die Düne und feierten ein klein wenig den Geburtstag eines Teammitglieds.


Am nächsten Morgen, als wir am Wasserloch frühstücken wollten, hörten wir ein Tropfgeräusch. Tony schaute unter die Motorhaube und entdeckte eine nasse Stelle am Motorkühlsystem. Mist – Kühlwasser leer, Motor kurz angemacht und direkt überhitzt. Wir schütteten sechs Liter Wasser in den Kühler und rollten vorsichtig zurück zum Camp.

So wurde aus einem entspannten Tag ein Busch-Werkstatttag. Die erste Idee war, dass alte Autos immer ein bisschen Kühlwasser verlieren und da wir es nie kontrolliert haben (wussten wir nicht, soll man wohl regelmäßig checken?!) ist es jetzt einfach leer. Diese Idee zerschlug sich zügig, da wir es erneut aktiv tropfen sahen. Es gab ein Loch an einem Messing T-Stück, das die Leitungen des Kühlsystems verbindet.

Erste Reparaturversuch mit Gummistreifen aus alten Autoreifen (hatten wir ja schon gute Erfahrungen bei der Reparatur der Blattfedern gemacht) und einer Schelle drum. Nee war nicht dicht! Zweiter Reparaturversuch Flüssigmetall – dicht!

Ach, als Tony so viel wieder am und unterm Auto war, fiel noch auf, dass der Frontstabilisator rechts schon wieder ausgerissen war. Haben wir vom Modisa Team verstärkt schweißen lassen.

So, aber nun mussten wir nach fünf wunderschönen Tagen weiter, aber wir kommen wieder zu tun, es gibt hier immer etwas zu tun und das große Ziel, Wasser in die Kalahari zu bringen, um damit die Antilopenpopulation zu stärken um damit dem Kalaharilöwen eine Lebensgrundlage zu bieten, muss weiter verfolgt werden.

Wir fuhren bis 60km vor den Mabuasehube Nationalpark (ja, hier waren wir letzte Woche schon) und schlugen unser Wildcamp in einem verlassenen Steinbruch auf.

So hatten wir eine gute Ausgangsposition, um zeitig am Eingang des Nationalparks zu sein (und vielleicht ist ja heute schon jemand wach). Doch es gab noch eine tierische „Straßensperre“.

Ein Rudel Wild Dogs sonnte sich auf der Straße. Hab ich schon erzählt, dass der Wild Dog der seltenste Carnivor ist und stark gefährdet ist?! Umso schöner, dass wir auf dieser Reise gleich zwei Rudel sehen durften.

Am Parkeingang wieder ein ähnlicher Zauber wie letzte Woche. Dieses Mal konnte der Mitarbeiter kein Permit ausstellen und auch keine Zahlung entgegennehmen. Der Kollege, der das kann, isst heute im Dorf zu Mittag, wir sollen um 17 Uhr wiederkommen. Ähm, was? Wie lange kann man denn Mittag essen?! Also durften wir erstmal reinfahren.

Wir fuhren die Pans ab, aber fanden nichts Spannendes, auch fanden wir nur Löwenspuren im Sand. Also zurück zum Gate, um unser Permit zu bekommen. Wir wollten sechs Tage bleiben und den Park an der Namibiagrenze verlassen. Der Mabuasehube Nationalpark ist der botswanische Teil des Kgalagadi Transfrontier Nationalparks, der südafrikanisch/namibisch ist. Im Botswana-Teil waren wir komplett allein und auf unsere Reservierungsanfragen gab es nie eine Antwort, deshalb hatte ich vielleicht uns selbst eine Reservierungsbestätigung für die Campsites „ausgestellt“. Scheinbar so gut, dass es keine Nachfragen vom „Lunch-Kollegen“ gab, den ich zusätzlich noch mit Weihnachtsgeschenken überhäufte (Schnaps und Cola für die Boys, T-Shirts, die ich nicht mehr anziehe, für die Girls). 37€ später hatte ich unser Permit für den Nationalpark für sechs Tage mit fünf Übernachtungen auf Public Campsites.

Wir machten uns auf zum Abend-Drive und da wir allein waren, stellten wir uns auf die für uns schönste Campsite Mpaya 1. Hier gehen nämlich die Löwinnen ein und aus. Wir parkten Toyo strategisch hinter dem Shelter und ließen alle Türen auf, sodass wir, falls sie kommen, ins Auto können.

Ich war im Auto und machte Salat, und Tony sammelte noch etwas Kleinzeug, um das Lagerfeuer zu starten, als ich plötzlich nur hörte: „Spatz…..kommt vom Bad…..“ Ich dachte: Oh Mist, die Löwen sind im Camp und Tony nicht am Auto, aber es war „nur“ eine Braune Hyäne.

Von unserer weihnachtlichen Dekoration wurden nachdem Essen scheinbar auch die Löwen angelockt. Ihr Gebrüll wurde immer lauter und näherte sich von links. Da es bereits stockdunkel war, drängte ich Tony, dass wir ins Auto gehen, mit Absicht bummelte er dann beim Stuhl und Tisch wegräumen rum, aber wir sahen die Löwen nicht.

Dafür fanden wir sie am nächsten Morgen wenige Meter entfernt an der defekten Wasserleitung trinkend.

Es war heute sehr bedeckt und vor uns lagen noch 120 km Tiefsand mit Dünenüberquerung, um in den südafrikanischen Teil des Parks zu fahren.

Eigentlich braucht man ein spezielles Permit für den Trail, eigentlich soll man mindestens mit zwei Autos fahren – da Toyo ja fast so schwer ist wie zwei und wir die Strecke schon einmal gefahren sind, machten wir es einfach wieder. Wir passierten viele einsame Pans mit etwas irritiert schauenden Antilopen, die heute scheinbar nicht mit Durchfahrtsverkehr gerechnet haben.
Unser Ziel war die Nossob Campsite, denn hier erwartete uns unser Schweizer Freund. Die Wiedersehensfreude war groß und wir brachen zum Abend Drive auf.

Tolle Landschaft entlang des trockenen Flussbettes, doch heute keine Katzen.
Am Morgen starteten wir etwas entspannt in den Tag, da es leicht bewölkt war. Die Nacht hatte es auch geregnet, sodass wir nicht allzu großes Gedränge an den Wasserlöchern erwarteten. Der Nossob Fluss enttäuschte nicht, wir fanden eine Gepardenfamilie, die wenige Minuten vorher einen Springbock Kill gemacht hatte.

Kurz danach erwischten wir ein Löwen-Liebespaar! Es war ein stattlicher Kalahari-Löwe mit schwarzer Mähne.

So lässt es sich doch gut in Twee Rivieren Camp einfahren. Hier müssen wir lang, da es die einzige Option im Park ist, uns (inklusive Toyo) für Botswana auszustempeln. Südafrika muss man sich nicht einstempeln, man ist dann eher so in einem Gesetz- / Stempellosen Gebiet.

Am Morgen starteten wir um 5:30 Uhr zum Game Drive – die Sonne ging über den Dünen auf. Der Löwe schlich sich gerade im One-Night-Stand-Stil davon, wir erblickten unsere erste African Wild Cat und sahen noch eine Löwin, die mit drei Cups die Düne langhochging.


Unser Camp-Ziel war heute Mata Mata entlang des Auob-Flussbettes. Wir fanden noch eine weitere African Wild Cat im Baum und waren deshalb vielleicht etwas zu spät im Camp, aber der Ranger verzieh uns bei den Katzenbildern.

Nächster Morgen um 5:30 Uhr rollten wir wieder los und es wurde zum „Katzentag“ – African Wild Cat (okay, die saß noch im selben Baum), 14 Löwen, eine Gepardin mit drei Cups und zum Sunset einen Leopard.


Unsere letzte Nacht im Nationalpark verbrachten wir im Botswana Wildcamp Rooiputs.



Auf der Campsite 5 hatten wir Blick auf das Wasserloch, doch da war es ruhig, aber wir hörten dubiose Geräusche aus dem Shelter. Das Shelterdach war sicher einmal ein Wassertanklager, jetzt ein Eulenschlafplatz.

Wir machten wieder um 5:30 Uhr los, um nochmal nach Leoparden zu suchen, doch wir mussten stoppen, da das Löwenrudel auf dem Weg saß.

Wir beobachteten eine Weile das Spielen der kleinen Löwen und dann traten wir den Weg nach Mata Mata an, zum Grenzübergang nach Namibia.


Wir standen beim namibischen Immigrationsschalter und zeigten unser elektronisches Visum auf dem Handy (elektronisch mit QR Code) – nein, man müsse es ausdrucken, aber sie könne es nicht drucken, da ihr Internet gerade down ist. Also wurden wir zu Fuß zurück nach Südafrika geschickt (durften nicht mit Toyo fahren, da der schon mit einer dubiosen Flüssigkeit gegen Maul-und-Klauen-Seuche eingesprüht wurde). In Südafrika musste man sich dann im Shop einen Voucher für 500 MB kaufen, um die Visa per Mail an die Campsite Rezeption zu schicken, die sie dann ausdruckte. Nebenher musste man das übliche Einreiseformular (exakt dieselben Fragen wie im Visum) ausfüllen. Zurück bei Immigration Namibia gab es dann den Stempel. Dann durchsuchten noch zwei Toyo nach Fleisch und Fleischprodukten, dann noch die Schuhe durch eine ebenfalls dubiose Flüssigkeit ziehen und dann durften wir los!

Wir fuhren nur wenige Kilometer bis zu einer Farm am Flussbett und genossen ein letztes Wildcamp und grillten ein Springbockfilet.


Wir waren noch gute 600km von Windhoek entfernt und teilten die Strecke auf und suchten uns dafür eine nette Lodge. Wir verbrachten den Nachmittag am Pool und dann machten wir uns auf die Suche nach den Geparden, die hier leben (alles drei Waisen, Mütter gewildert), und beobachteten sie bei ihrem Laufworkout.

Wir waren und sind immer noch etwas hin und hergerissen, wie wir dazu stehen, gerade nachdem wir dieses Jahr drei unvergessliche Gepardenmomente in der Wildnis erleben durften. Ich muss mich, glaube ich, nochmal etwas mehr mit Auswilderung, gerade von Geparden, beschäftigen.

Am Morgen wollten wir uns vor dem letzten 300km noch etwas bewegen und wanderten über die roten Kalahari-Dünen. Wir erspähten Giraffen und Springböcke.

So, nachdem jetzt wirklich alle unsere Vorräte aufgebraucht sind, müssen wir zurück in urbane Strukturen. Unser Ziel: das Urban Camp in Windhoek – The Place to be!

Aber jetzt stand der unangenehme Teil der Reise an – waschen (okay, das ging noch, haben wir einfach abgegeben), Toyo putzen, Werkstattbesuch für unsere Rückkehr planen, packen und letzten Biervorräte leeren.


Wir haben für Toyo einen überdachten Stellplatz zwischen Windhoeck und Flughafen natürlich bei Deutschen gefunden. Der Hallenmanager erwartete uns bereits und wollte die Besonderheiten und Eigenheiten von Toyo wissen: „Oh Schatz, wie lange hast du heute Zeit?!“


Wir hoffen, dass hier gut auf den Kleinen aufgepasst wird und Mäuse eher bei anderen einziehen.
So, nun aber die ungeschönten Zahlen!
- Werkstattbesuche: 14
- Spare Shop Besuche: 13
- Tony unter Toyo gelegen: ca. 55 (gefühlt täglich)
- Polizeikontrollen (davon mit „Lunch Geld“): 7 (2)
- Überfahrene Tiere: 3
- Durchgemachte Erkrankungen: 1xLebensmittelvergiftung, 1xEin-Tages-Schnupfen, 1x abgebrochene Zahnkrone
- Insektenstiche: ca. 423
- Mitfahrer: eine Maus, ein Gekko, zwei Ziegenhirten

- Zurückgelegte Kilometer: 15.502 km
- Kenia: 1714 km
- Uganda: 1851 km
- Ruanda: 1165 km
- Tansania: 2681 km
- Sambia: 2673 km
- Botswana: 3912 km
- Südafrika: 828 km
- Namibia: 678 km
Diese Reise hat oft in Werkstätten stattgefunden, Toyo hat sehr unsere Geduld strapaziert, aber wir wollten unser Vertrauen in ihn nicht verlieren. Wir haben gefühlt die Regenwolken zu zeitig von Ostsafrika mit in den Süden gebracht. Die politischen Unruhen während der Wahlen in Tansania haben uns gezeigt, wie schnell die Sicherheitslage kippen kann und wie froh wir sein können, in einer Demokratie leben zu dürfen.
Ja, diese Reise hat sich an mehreren Stellen „verflucht“ angefüllt, will uns Afrika loswerden? Aber andererseits hatten wir auf dieser Reise einzigartige, wunderbare und unvergessliche Wildlife Momente. Wir durften tolle andere Reisende kennenlernen, die zu Freunden geworden sind, und wir haben bedingungslose Hilfsbereitschaft in den entlegensten Orten erlebt.
Wir glauben nicht mehr, dass uns Afrika loswerden will. Viel mehr sollte sich der Kontinent mit der Idee anfreunden, dass Toyo hier vielleicht noch für länger, oder für immer bleibt?!
Gibt es vielleicht Überlegungen für einen Toyo 2.0?!
Zukunfts-Tony und Zukunfts-Juli werden die richtigen Entscheidungen treffen, langweilig wird es sicher nicht und irgendwas wird sicher wieder kaputt gehen.
Eure hoffnungslosen und unbelehrbaren Afrika-Lovers
Tony&Juli

































































































































































































































































































































































































































































