Best of Afrika und was neues – Botswana, Namibia

Wir schafften den Weg durch den Tiefsand und blieben dieses Mal nicht stecken in der Kalahari!   

Wir nutzten den Rest des Tages, um auf einer Campsite bei Ghanzi etwas Wäsche zu waschen, erfrischten uns im Pool und entspannten. Am nächsten Morgen ging es nur kurz tanken und frische Lebensmittel einkaufen, um dann schon wieder den Reifendruck auf 1,5 bar abzulassen, es lagen noch 135km Tiefsand vor uns.

Wir fuhren kurz vor Sunset nur an den „Wegesrand“ und wollten hier schlafen. Da fast die ganze Strecke durch hohes Gras war, mussten wir den Kühlergrill noch fix ausblasen und montierten den Pollenschutz. 

Da die Sonne schon fast weg war, drängte ich mal wieder, dass Tony jetzt endlich reinkommen soll. Tony saß noch auf dem Dach, als ich nach vorn durch die Windschutzscheibe schaute und mich da eine wunderschöne Braune Hyäne anschaute. „Ähm Tony, Braune Hyäne auf 12 Uhr“, er glaubte es mir erst nicht, aber dann war die Freude riesig. 

Unsere erste richtige Sichtung! Sie schnüffelte einmal um Toyo – vielleicht hatte ich das Wasser aus der Tunfischdose (habe den Feuerwehr-Tunfisch-Aufstrich für den nächsten Tag vorbereitet) hinters Auto gegossen, scheint ihr gefallen zu haben. 

Guter Start! Die Nacht war ruhig und nur noch eine kleine Antilope auf der Wildtierkamera. Es waren nur noch 25km bis zum Gate des Mabuasehube Nationalparks. Pünktlich um 5:30 Uhr waren wir am Gate, jedoch die einzigen – also auch kein Ranger. Wir warteten geduldig 10 Minuten bis wir (leicht übergriffig) ins Angestelltencamp liefen, als wir da auch keinen sahen, haben angefangen, „Good Morning“ zu rufen, klatschten und pfiffen. Plötzlich hörten wir jemanden im Zelt „räuspern“, wir hatten also ein „Opfer“ gefunden. „Good Morning again, we would like to visit your wonderful park“. Wir redeten weiter mit einem verschlossenem Zelt, doch das „Zelt“ versprach uns, dass jemand kommen wird. 

Es dauerte vielleicht weitere 15 Minuten bis der Ranger kam und wir konnten um 6:30 Uhr starten. 

Der viele Regen (wir denken immer noch, dass wir den mitbringen bzw. er uns verfolgt) lässt die Kalahari grün werden und überall blüht es.

Weiter ging es entlang der Pans. Hier begrüßte uns eine Hyäne am Wasserloch, eine große Gruppe von Erdmännchen frühstückte entlang des Weges und im Mpaya Camp erhaschten drei Löwinnen einige Tropfen Wasser aus einer defekten Wasserleitung. 

Aus Motivationsgründen habe ich jetzt durchgesetzt, dass es eine Mittagspause mit optionalem Mittagsschlaf gibt. Zur Mittagszeit liegen sowieso alle Tiere im Schatten. Wir beobachteten also die „Nachbarn“, die sich über unsere Obstabfälle freuten. 

 Und nutzten die Zeit für etwas „Busch-Wellness“. Ich duschte mit Ausblick auf die Pan und dann schnitt ich Tony die Haare (vielleicht hat jeder davor ein Mut-/Motivationsbier gehabt). 

Als die Schatten wieder länger wurden, machten wir uns nochmal auf den Weg. Wir fanden die Löwen nicht mehr, aber bei unserem Sundowner an der Mabuasehube Pan lief erneut eine Braune Hyäne über die Pfanne. 

Die Nacht war ruhig und die Wildtierkamera hat „nur“ die Erdhörnchen aufgezeichnet. Wir fuhren erneut die Pans ab. Die drei Löwinnen lagen auf der Pan und sonnten sich, wir warteten ab, bis es ihnen zu heiß wurde und sie im dichten Gebüsch verschwanden. 

Wir fuhren gegen Mittag weiter nach Tsabong, dem einzigen Städtchen in der Region. Hier machten wir nochmal ein bisschen Wäsche und kauften frische Lebensmittel ein und dann ging es zu unserem Freund Valentin (der mit der Löwin). 

Wir sind zum vierten Mal hier und da wir es letztes Jahr nicht geschafft hatten, war die Wiedersehensfreude umso größer. Aber bei Modisa gibt es immer etwas zu tun. Die Reifen vom Flugzeug mussten gecheckt werden.

Tony lag mal nicht unter Toyo sondern unter einem Flieger. Er hat dieses Mal nichts verschlimmbessert. Dann musste noch gejagt werden, einmal als Populationskontrolle und als Vorrat für Sirga, falls sie mal keine Lust hat, selbst auf die Jagd zu gehen.

Es musste natürlich auch eine Qualitätskontrolle des Pools erfolgen, die Vögel mussten gefüttert werden, Trinkbottiche aufgefüllt und Milch für kleine Katzen angemischt werden. 

Am Abend wurden wir fast schon gewohnt von einem Stachelschwein besucht, das sich über die Küchenabfälle hermacht.

Wir fuhren zum Sunset auf die Düne und feierten ein klein wenig den Geburtstag eines Teammitglieds. 

Am nächsten Morgen, als wir am Wasserloch frühstücken wollten, hörten wir ein Tropfgeräusch. Tony schaute unter die Motorhaube und entdeckte eine nasse Stelle am Motorkühlsystem. Mist – Kühlwasser leer, Motor kurz angemacht und direkt überhitzt. Wir schütteten sechs Liter Wasser in den Kühler und rollten vorsichtig zurück zum Camp. 

So wurde aus einem entspannten Tag ein Busch-Werkstatttag. Die erste Idee war, dass alte Autos immer ein bisschen Kühlwasser verlieren und da wir es nie kontrolliert haben (wussten wir nicht, soll man wohl regelmäßig checken?!) ist es jetzt einfach leer. Diese Idee zerschlug sich zügig, da wir es erneut aktiv tropfen sahen. Es gab ein Loch an einem Messing T-Stück, das die Leitungen des Kühlsystems verbindet. 

Erste Reparaturversuch mit Gummistreifen aus alten Autoreifen (hatten wir ja schon gute Erfahrungen bei der Reparatur der Blattfedern gemacht) und einer Schelle drum. Nee war nicht dicht! Zweiter Reparaturversuch Flüssigmetall – dicht! 

Ach, als Tony so viel wieder am und unterm Auto war, fiel noch auf, dass der Frontstabilisator rechts schon wieder ausgerissen war. Haben wir vom Modisa Team verstärkt schweißen lassen. 

So, aber nun mussten wir nach fünf wunderschönen Tagen weiter, aber wir kommen wieder zu tun, es gibt hier immer etwas zu tun und das große Ziel, Wasser in die Kalahari zu bringen, um damit die Antilopenpopulation zu stärken um damit dem Kalaharilöwen eine Lebensgrundlage zu bieten, muss weiter verfolgt werden. 

Wir fuhren bis 60km vor den Mabuasehube Nationalpark (ja, hier waren wir letzte Woche schon) und schlugen unser Wildcamp in einem verlassenen Steinbruch auf. 

So hatten wir eine gute Ausgangsposition, um zeitig am Eingang des Nationalparks zu sein (und vielleicht ist ja heute schon jemand wach). Doch es gab noch eine tierische „Straßensperre“. 

Ein Rudel Wild Dogs sonnte sich auf der Straße. Hab ich schon erzählt, dass der Wild Dog der seltenste Carnivor ist und stark gefährdet ist?! Umso schöner, dass wir auf dieser Reise gleich zwei Rudel sehen durften. 

Am Parkeingang wieder ein ähnlicher Zauber wie letzte Woche. Dieses Mal konnte der Mitarbeiter kein Permit ausstellen und auch keine Zahlung entgegennehmen. Der Kollege, der das kann, isst heute im Dorf zu Mittag, wir sollen um 17 Uhr wiederkommen. Ähm, was? Wie lange kann man denn Mittag essen?! Also durften wir erstmal reinfahren. 

Wir fuhren die Pans ab, aber fanden nichts Spannendes, auch fanden wir nur Löwenspuren im Sand. Also zurück zum Gate, um unser Permit zu bekommen. Wir wollten sechs Tage bleiben und den Park an der Namibiagrenze verlassen. Der Mabuasehube Nationalpark ist der botswanische Teil des Kgalagadi Transfrontier Nationalparks, der südafrikanisch/namibisch ist. Im Botswana-Teil waren wir komplett allein und auf unsere Reservierungsanfragen gab es nie eine Antwort, deshalb hatte ich vielleicht uns selbst eine Reservierungsbestätigung für die Campsites „ausgestellt“. Scheinbar so gut, dass es keine Nachfragen vom „Lunch-Kollegen“ gab, den ich zusätzlich noch mit Weihnachtsgeschenken überhäufte (Schnaps und Cola für die Boys, T-Shirts, die ich nicht mehr anziehe, für die Girls). 37€ später hatte ich unser Permit für den Nationalpark für sechs Tage mit fünf Übernachtungen auf Public Campsites. 

Wir machten uns auf zum Abend-Drive und da wir allein waren, stellten wir uns auf die für uns schönste Campsite Mpaya 1. Hier gehen nämlich die Löwinnen ein und aus. Wir parkten Toyo strategisch hinter dem Shelter und ließen alle Türen auf, sodass wir, falls sie kommen, ins Auto können. 

Ich war im Auto und machte Salat, und Tony sammelte noch etwas Kleinzeug, um das Lagerfeuer zu starten, als ich plötzlich nur hörte: „Spatz…..kommt vom Bad…..“ Ich dachte: Oh Mist, die Löwen sind im Camp und Tony nicht am Auto, aber es war „nur“ eine Braune Hyäne.

Von unserer weihnachtlichen Dekoration wurden nachdem Essen scheinbar auch die Löwen angelockt. Ihr Gebrüll wurde immer lauter und näherte sich von links. Da es bereits stockdunkel war, drängte ich Tony, dass wir ins Auto gehen, mit Absicht bummelte er dann beim Stuhl und Tisch wegräumen rum, aber wir sahen die Löwen nicht. 

Dafür fanden wir sie am nächsten Morgen wenige Meter entfernt an der defekten Wasserleitung trinkend. 

Es war heute sehr bedeckt und vor uns lagen noch 120 km Tiefsand mit Dünenüberquerung, um in den südafrikanischen Teil des Parks zu fahren. 

Eigentlich braucht man ein spezielles Permit für den Trail, eigentlich soll man mindestens mit zwei Autos fahren – da Toyo ja fast so schwer ist wie zwei und wir die Strecke schon einmal gefahren sind, machten wir es einfach wieder. Wir passierten viele einsame Pans mit etwas irritiert schauenden Antilopen, die heute scheinbar nicht mit Durchfahrtsverkehr gerechnet haben.

Unser Ziel war die Nossob Campsite, denn hier erwartete uns unser Schweizer Freund. Die Wiedersehensfreude war groß und wir brachen zum Abend Drive auf. 

Tolle Landschaft entlang des trockenen Flussbettes, doch heute keine Katzen. 

Am Morgen starteten wir etwas entspannt in den Tag, da es leicht bewölkt war. Die Nacht hatte es auch geregnet, sodass wir nicht allzu großes Gedränge an den Wasserlöchern erwarteten. Der Nossob Fluss enttäuschte nicht, wir fanden eine Gepardenfamilie, die wenige Minuten vorher einen Springbock Kill gemacht hatte. 

Kurz danach erwischten wir ein Löwen-Liebespaar! Es war ein stattlicher Kalahari-Löwe mit schwarzer Mähne. 

So lässt es sich doch gut in Twee Rivieren Camp einfahren. Hier müssen wir lang, da es die einzige Option im Park ist, uns (inklusive Toyo) für Botswana auszustempeln. Südafrika muss man sich nicht einstempeln, man ist dann eher so in einem Gesetz- / Stempellosen Gebiet.

Am Morgen starteten wir um 5:30 Uhr zum Game Drive – die Sonne ging über den Dünen auf. Der Löwe schlich sich gerade im One-Night-Stand-Stil davon, wir erblickten unsere erste African Wild Cat und sahen noch eine Löwin, die mit drei Cups die Düne langhochging. 

Unser Camp-Ziel war heute Mata Mata entlang des Auob-Flussbettes. Wir fanden noch eine weitere African Wild Cat im Baum und waren deshalb vielleicht etwas zu spät im Camp, aber der Ranger verzieh uns bei den Katzenbildern. 

Nächster Morgen um 5:30 Uhr rollten wir wieder los und es wurde zum „Katzentag“ – African Wild Cat (okay, die saß noch im selben Baum), 14 Löwen, eine Gepardin mit drei Cups und zum Sunset einen Leopard.

Unsere letzte Nacht im Nationalpark verbrachten wir im Botswana Wildcamp Rooiputs. 

Auf der Campsite 5 hatten wir Blick auf das Wasserloch, doch da war es ruhig, aber wir hörten dubiose Geräusche aus dem Shelter. Das Shelterdach war sicher einmal ein Wassertanklager, jetzt ein Eulenschlafplatz. 

Wir machten wieder um 5:30 Uhr los, um nochmal nach Leoparden zu suchen, doch wir mussten stoppen, da das Löwenrudel auf dem Weg saß.

Wir beobachteten eine Weile das Spielen der kleinen Löwen und dann traten wir den Weg nach Mata Mata an, zum Grenzübergang nach Namibia.

Wir standen beim namibischen Immigrationsschalter und zeigten unser elektronisches Visum auf dem Handy (elektronisch mit QR Code) – nein, man müsse es ausdrucken, aber sie könne es nicht drucken, da ihr Internet gerade down ist. Also wurden wir zu Fuß zurück nach Südafrika geschickt (durften nicht mit Toyo fahren, da der schon mit einer dubiosen Flüssigkeit gegen Maul-und-Klauen-Seuche eingesprüht wurde). In Südafrika musste man sich dann im Shop einen Voucher für 500 MB kaufen, um die Visa per Mail an die Campsite Rezeption zu schicken, die sie dann ausdruckte. Nebenher musste man das übliche Einreiseformular (exakt dieselben Fragen wie im Visum) ausfüllen. Zurück bei Immigration Namibia gab es dann den Stempel. Dann durchsuchten noch zwei Toyo nach Fleisch und Fleischprodukten, dann noch die Schuhe durch eine ebenfalls dubiose Flüssigkeit ziehen und dann durften wir los! 

Wir fuhren nur wenige Kilometer bis zu einer Farm am Flussbett und genossen ein letztes Wildcamp und grillten ein Springbockfilet. 

Wir waren noch gute 600km von Windhoek entfernt und teilten die Strecke auf und suchten uns dafür eine nette Lodge. Wir verbrachten den Nachmittag am Pool und dann machten wir uns auf die Suche nach den Geparden, die hier leben (alles drei Waisen, Mütter gewildert), und beobachteten sie bei ihrem Laufworkout. 

Wir waren und sind immer noch etwas hin und hergerissen, wie wir dazu stehen, gerade nachdem wir dieses Jahr drei unvergessliche Gepardenmomente in der Wildnis erleben durften. Ich muss mich, glaube ich, nochmal etwas mehr mit Auswilderung, gerade von Geparden, beschäftigen. 

Am Morgen wollten wir uns vor dem letzten 300km noch etwas bewegen und wanderten über die roten Kalahari-Dünen. Wir erspähten Giraffen und Springböcke. 

So, nachdem jetzt wirklich alle unsere Vorräte aufgebraucht sind, müssen wir zurück in urbane Strukturen. Unser Ziel: das Urban Camp in Windhoek – The Place to be! 

Aber jetzt stand der unangenehme Teil der Reise an – waschen (okay, das ging noch, haben wir einfach abgegeben), Toyo putzen, Werkstattbesuch für unsere Rückkehr planen, packen und letzten Biervorräte leeren. 

Wir haben für Toyo einen überdachten Stellplatz zwischen Windhoeck und Flughafen natürlich bei Deutschen gefunden. Der Hallenmanager erwartete uns bereits und wollte die Besonderheiten und Eigenheiten von Toyo wissen: „Oh Schatz, wie lange hast du heute Zeit?!“

Wir hoffen, dass hier gut auf den Kleinen aufgepasst wird und Mäuse eher bei anderen einziehen. 

So, nun aber die ungeschönten Zahlen! 

  • Werkstattbesuche: 14
  • Spare Shop Besuche: 13
  • Tony unter Toyo gelegen: ca. 55 (gefühlt täglich)
  • Polizeikontrollen (davon mit „Lunch Geld“): 7 (2)
  • Überfahrene Tiere: 3 
  • Durchgemachte Erkrankungen: 1xLebensmittelvergiftung, 1xEin-Tages-Schnupfen, 1x abgebrochene Zahnkrone 
  • Insektenstiche: ca. 423
  • Mitfahrer: eine Maus, ein Gekko, zwei Ziegenhirten 
  • Zurückgelegte Kilometer: 15.502 km
  • Kenia: 1714 km
  • Uganda: 1851 km
  • Ruanda: 1165 km
  • Tansania: 2681 km
  • Sambia: 2673 km
  • Botswana: 3912 km 
  • Südafrika: 828 km 
  • Namibia: 678 km

Diese Reise hat oft in Werkstätten stattgefunden, Toyo hat sehr unsere Geduld strapaziert, aber wir wollten unser Vertrauen in ihn nicht verlieren. Wir haben gefühlt die Regenwolken zu zeitig von Ostsafrika mit in den Süden gebracht. Die politischen Unruhen während der Wahlen in Tansania haben uns gezeigt, wie schnell die Sicherheitslage kippen kann und wie froh wir sein können, in einer Demokratie leben zu dürfen. 

Ja, diese Reise hat sich an mehreren Stellen „verflucht“ angefüllt, will uns Afrika loswerden? Aber andererseits hatten wir auf dieser Reise einzigartige, wunderbare und unvergessliche Wildlife Momente. Wir durften tolle andere Reisende kennenlernen, die zu Freunden geworden sind, und wir haben bedingungslose Hilfsbereitschaft in den entlegensten Orten erlebt. 

Wir glauben nicht mehr, dass uns Afrika loswerden will. Viel mehr sollte sich der Kontinent mit der Idee anfreunden, dass Toyo hier vielleicht noch für länger, oder für immer bleibt?! 

Gibt es vielleicht Überlegungen für einen Toyo 2.0?! 

Zukunfts-Tony und Zukunfts-Juli werden die richtigen Entscheidungen treffen, langweilig wird es sicher nicht und irgendwas wird sicher wieder kaputt gehen. 

Eure hoffnungslosen und unbelehrbaren Afrika-Lovers 

Tony&Juli 

Wir sind Kalahari „Mäuse“ – Botswana 

Der Kazungula Grenzübergang ist und bleibt unser Lieblingsgrenzübergang hier in Afrika. Es gibt keine Schlepper, die einen bedrängen, alles kann mit Visa bezahlt werden, also kein dubioses Geldtauschen, man fährt mit einer spektakulären Aussicht über den Chobe River und für uns „Drei“ dauerte alles zusammen nur eine halbe Stunde. 

Um natürlich wirklich „eingereist“ zu sein, musste noch ein erstes lokales Bier her. Das ist, glaube ich, genau so wichtig wie dieser Stempel im Pass. 

Am Morgen dachte ich, dass wir bei Dave‘s Tyre Center verabredet waren, um unseren neuen Reifensatz aufziehen zu lassen. Da zeigte sich, dass Kommunikation alles ist, denn Tony hatte nur gefragt, ob er unsere Reifen „da hätte“, aber nicht, dass wir sie definitiv haben wollen und Montag früh um 8 Uhr auf der Matte stehen – Er hatte sie leider schon am Vortag verkauft. Schnell wurden definitiv fünf Reifen für uns bestellt und mit etwas Glück sollten sie 16 Uhr in Kazungula ankommen. 

Also hatten wir einen „Freizeit“-Tag gewonnen. Es klingt komisch, aber nach Kenia gibt es nun hier in Botswana endlich wieder Supermarktketten (Spar, Choppies, Shoprite) mit besserem Käse, tollem Fleisch und guten südafrikanischen Weinen. Dann „schlenderten“ wir noch durch Auto Spare Shops und nutzten die Gelegenheit im Toyota Autohaus, den neuen „alten“ Landcruiser anzugucken – ja, mit Absicht sollte es Toyo auch sehen, damit er sich ein bisschen besser „benimmt“. 

Nach all der „Shopping“-Aufregung kehrten wir in der Chobe River Lodge ein. Hier musste ebenfalls eine Qualitätskontrolle des lokalen Bieres und des Pools durchgeführt werden. Auch erwarteten uns schon unsere vier deutschen Freunde und Reisegefährten. 

Ahnt ihr es? Natürlich kamen die Reifen heute nicht mehr an, sodass wir auf morgen früh 7:30 vertröstet wurden, aber der Abend hatte noch ein Highlight, denn es gab ein Geburtstagskind in der Runde und wir gingen alle zusammen zum wirklich leckeren Buffet (danke nochmal für die Einladung). 

Am nächsten Morgen hat Toyo dann neue „Schuhe“ bekommen – ja, wir sind jetzt auf Roadcruza 3200 umgestiegen. Sicher ist das allen klar, aber zur Erklärung: Chinesische Kopie vom BFGoodrich und wir wechseln von AllTerrain auf MudTerrain (70% off-road, 30% Tar Road, gröberes und dickeres Profil, verstärkte Seitenwand, etwas höhere Abnutzung aber bessere Traktion im Schlamm, hoffentlich langlebig🤞🏻) und ein Drittel des Preises.

Wow, innerhalb von 1,5h waren alle fünf Reifen neu „besohlt“ und perfekt „ausgewuchtet“. 

Zur artgerechten Haltung ging es direkt in den Chobe Nationalpark. Wir hatten erfahren, dass die Elefanten bereits unterwegs in den südlichen Teil des Parke (Savuti) sind, aber wir mussten einen Abstecher zur Riverfront machen. 

Wir wurden beim Frühstück auf dem Dach mit 14 Elefanten (waren scheinbar spät dran) und zwei Löwen belohnt.

Unser eigentliches Tagesziel war die „wilde“ kaum befahrene Strecke durch den Park in den Savuti – keine anderen Autospuren im Sand, überwuchertes Gebüsch (sorry Lack), aber auch ein Löwenrudel von acht für uns allein. 

Wir fuhren durch überspülte Flussarme und machten die ersten Spuren nach dem letzten Regen, auch fanden wir schlammige Restpfützen, aber die neuen Reifen performen. 

Teilweise war der Track so verwaschen, dass wir drei Karten und gesundem „Offroad“-Verstand brauchten, um die gewünschte Richtung einzuschlagen. Wir hatten auch einige Blicke auf den Savuti (der ein Fluss ist) und freuten uns über das viele Wasser für die Tiere – halt stopp – genau diesen Trocken!-Fluss wollen wir durchqueren. Etwas angespannt fuhren wir die 50km im letzten Sonnenlicht bis zur Flussquerung „Puh, Glück gehabt, hier ist er trocken“. Wir campierten im trockenen Flussbett, doch dann wurden wir nachts von unserem Batteriekontrollsystem geweckt „Piiiiiiep Piiiiiiep Piiiiiiiep“ – was ist denn jetzt schon wieder?! Man kann den Alarm zum Glück einfach wegdrücken. Am Morgen maß Tony die Batterie durch, aber nur 10,4 Volt lagen an. Ich weiß ihr habt alle Ahnung, aber ich habe gelernt, es müssten so 12 bis 12,8 Volt sein. 

Unsere Taktik – wenn wir fahren, Kühlschrank hochdrehen, damit das Bier kalt wird. Doch jetzt waren wir erst einmal im Savuti.

Begrüßt wurden wir mit einem Löwen, der sich auch über sein Frühstück hermachte. 

Es war ein richtig schöner Safari Tag, an den sich eine unruhige Nacht anschloss. Wir hatten uns zum Essen ein Grillwürstchen und etwas Salat gemacht. Wir hatten draußen auf unseren Sandblechen mit dem Gashöcher gegrillt und ja, vielleicht auch etwas Hoffnung, dass nachts eine Hyäne vorbeigeschnüffelt kommt. 

Wir wurden nachts wach, weil wir ein Geräusch hörten – wir leuchteten rum, sahen aber nichts, haben auch nichts ins Gebüsch huschen hören. Kurz danach war das Geräusch wieder da – ein bisschen besorgt waren wir, da wir es nicht sahen und nicht zuordnen konnten. Am Morgen war auch nichts auf der Wildlife Kamera, keine Spuren zu sehen. 

Naja, erstmal mit den ersten Sonnenstrahlen auf Game Drive gehen. Wir wurden mit einer Schakalfamilie belohnt, die dann noch auf Jagd gegangen sind und erfolgreich waren. 

Wir trafen uns danach wieder mit unseren deutschen Freunden, um den Savuti Channel zu befahren.

Unser Ziel war die Marabu Pan, wo wir einen letzten gemeinsamen Stop machten. Drei Toyota nebeneinander, klar, einer hat die Motorhaube auf – natürlich Toyo.

Die Expertenmeinung nach erneutem Durchmessen unserer Batterie – wohl eher nur eine Zelle kaputt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie erleichtert Tony war, dass es kein „Kriechstrom“ oder irgendwas „Komplexes“ ist, die Bierkühlung nicht wirklich in Gefahr ist und wir „nur“ eine neue Batterie kaufen müssen. 

Es gibt zwei Wege aus dem Savuti: eine Sandstrecke (immer befahrbar, wäre vernünftig) und die Marsh Route entlang der Pfanne (eher nass und schlammig – zur Erinnerung: der Schlamm, in dem wir schon eine ganze Nacht verbracht haben).

Wir wollten uns die Marsch Route mal „angucken“ und standen zwischen hunderten Elefanten. 

Na, wenn das kein gutes Zeichen ist! Es lief lange recht gut, bis wir bis zum Differential im „Black Cotton Soil“ steckten. 

Mitten in der Ebene kein Baum in Sicht, also sofort aufs Dach und die MaxTrax drunter – sie sind zwar dann absolut eingesaut, aber wir haben es raus geschafft. Danach waren wir überzeugt: Heute müssen wir uns mal eine „bessere“ Campsite verdienen – Mababe River Campsite mit eigenem Bad, Strom, Trinkwasser und einem Pool.

Wir haben aber nicht nur im Pool gechillt, sondern MaxTrax sauber gemacht und Wäsche gewaschen. Wir fanden die erste Mäuseködel auf dem Polster – ist vielleicht das nächtliche Geräusch aus dem Savuti eine Maus gewesen?! Erstmal beobachten. Dann erfuhren wir, dass 200 m weiter am Weg zwei Löwinnen liegen. Tony war der Meinung: „Ach, da laufen wir hin“ (er wollte das Dach nicht nochmal runterklappen, die Wäscheleine war an Toyo gespannt). Ich meinte, dass es dumm wäre, wenn wir jetzt wegen so einer leichtsinnigen Aktion drauf gehen. 

Ich konnte ihn überzeugen und wir rollten los, und da lagen die beiden wirklich direkt am Weg. Damit sich das „Wäsche umhängen“ auch gelohnt hat, machten wir noch einen Sunset Drive und wurden mit Hippos und zwei weiteren Löwen belohnt. 

Wir hatten einen unterhaltsamen Abend mit anderen Reisenden mit angeregten Gesprächen, bis dann zwei Angestellte kamen und uns sagten, dass wir JETZT ins Auto gehen sollen, da Löwen in Richtung Campsite laufen. Wir waren eher so: „Uh spannend, wo denn? Wie weit weg? Wie viele?“ Man merkte direkt, dass sie etwas angespannt waren und sagten nochmal mit Nachdruck, dass wir JETZT aber wirklich ins Auto sollen. Nachts wurden wir durch Geräusche an der Campmülltonne (mit passendem Deckel und einem Riegel an der Wand befestigt) wach. Eine riesige Tüpfelhyäne machte sich über die Mülltonne her. 

Sie erschrak bei unserem Licht und ich war kurz besorgt, dass sie noch unsere Wäscheleine mit abräumt und gleich mit meiner Unterwäsche auf dem Kopf durchs Okavango Delta rennt, aber sie hatte einen professionellen Umgang mit Wäsche.

So konnten wir mit kompletten „Kleiderschränken“ weiter in den Khwai fahren und machten mit dem Mokoro eine Tour durch das Delta.

Leider haben wir keine Elefanten gefunden, aber sind richtig nah an Hippos gekommen – ach und gefühlt alles zu Wasserrosen gelernt. Tony meint, das ist nichts für den Blog, eher für Einzelgespräche mit Interessierten. 

Weiter ging es in den Moremi (Okavango Delta) und der was, wie alles aktuell, bereits sehr nass. Jeder (eigentlich auch Tony) weiß, dass man keine unnötigen Wasserdurchfahrten macht, aber dieses Leuchten in Tonys Augen, wenn er durchs Wasser fährt. 

Also auf der Strecke haben wir keine anderen Autos gesehen, warum nur?! 

Klar gab es auch schöne Löwensichtungen und anderes Wildlife. Dann fanden wir viel näher am Hauptweg und komplett unnötig ein im Wasser versenktes Mietauto. Wir fuhren hin, ob man helfen kann, ob noch jemand drin sitzt. 

Keiner mehr da. Wir erfuhren später, dass mit zwei weiteren Autos das Auto geborgen wurde – wohl Totalschaden. Ich hoffe wirklich, dass das Tony etwas sensibilisiert.

Next Stop Maun – im Spare Store kauften wir eine neue Batterie, die Tony selbst wechseln wollte. Das hat nach etwas Fluchen geklappt, jedoch gab es kleinere Kollateralschäden. Ich hatte noch gefragt, ob es relevant ist, in welcher Reihenfolge man ab- und anklemmt… Es zeigte sich, dass es für die Sicherungen schon relevant ist – vor allem aber dass man Plus- und Minuspol nicht verwechselt…

Wir fanden am Morgen weitere Mäuseködel, sodass wir eine Mausefalle brauchten. Es zeigte sich, dass es hier keine Lebendfalle gibt. Damit wollte ich mich nicht abfinden und nach einer kurzen Internetrecherche begann ich, eine Falle zu bauen.

Ach, seit Moremi und dem ganzen Wasser und Schlamm bremste Toyo nicht mehr wirklich – also man musste 2-3 Mal das Bremspedal treten, um eine zarte Verzögerung zu verspüren. Man muss ja auch mal eine Autowerkstatt in Maun kennenlernen.

Bremsen gereinigt- besser, aber noch nicht toll. Der deutsch-französische Chef war nicht zufrieden und so waren wir für den nächsten Morgen im Werkstatt-Recall. Am Morgen gab es dann neue Bremsbacken in der Front und Toyo bremste wieder so gut, wie ein zu schwerer Landcruiser das halt kann… Da es noch nicht so spät war, fuhren wir noch bis zum Boteti Fluss und ließen den Tag am Beobachtungsdeck ausklingen.

Heute starteten wir in den Nxai Pan Nationalpark. Eine wichtige Verbindung zwischen dem Okavango Delta und dem Hwange Nationalpark für Tierwanderungen. Wir fanden direkt eine Familie Löffelhunde und konnten dann in Begleitung mit Elefanten frühstücken.

Nachdem wir die Nxai Pan abgefahren waren, fuhren wir zu Baines Baobabs.

Es gibt hier eine Gruppe von sieben großen Baobabs (Affenbrotbäumen), die sich am Rande der Kudiakam Pan befinden. Diese Bäume sind ca. 1000 Jahre alt und über 20 m hoch. Der „Entdecker“ und Maler Thomas Baines hat diese Baumgruppe 1862 in einem Gemälde festgehalten. Deshalb wurde die Baumgruppe auch nach ihm benannt. 

Da die Baobabs sehr langsam wachsen, nimmt der Stamm im Jahr nur etwa 1mm an Umfang zu, deshalb sehen die heutigen Bilder noch fast genauso aus wie zu Baines Zeiten.

Unser Nachtlager schlugen wir unter einem Baobab auf, bereiteten das Feuer vor und schafften es noch im Trockenen zu essen, bis das Gewitter aufzog. 

Es hat die halbe Nacht gewittert und geregnet, sodass aus der trockenen Salzpfanne eine nasse Salzpfanne wurde. Warten, bis es trockener ist, war keine Option, sodass wir es probierten. Unsere Taktik mit viel Momentum und Gas schnell drüber, damit man ja nicht einsinkt. 

Es war ein ziemliches gerutschte und driften in den Kurven, aber auch spaßig, wir hoffen nur, dass Toyo uns das ganze Salz nicht übel nimmt.

Da wir keine Lust hatten, die Reifen aufzupumpen, ging es weiter offroad zurück entlang des Boteti Flusses. 

Hier war heute ziemlich viel los, sodass wir uns entschlossen hatten, noch einmal hier zu nächtigen. 

Wir hörten mal wieder ein neues, leicht beunruhigendes Geräusch von Toyo, während es durch den Tiefsand ging. Wir überlegten die ganze Nacht hin und her. Unser nächstes Etappenziel sollte die Kalahari sein (viel tiefer Sand). Tony vermutete die hinteren Radlager als Unruhestifter. Also riskieren und hoffen, dass wir es noch durch die Kalahari schaffen, oder zwei Stunden Rückweg nach Maun, um es da wechseln zu lassen. 

Wir entschieden uns für Maun. 

Die Radlager sind ein Verschleißteil und müssen regelmäßig getauscht werden. Durch unsere Spacer zur Spurverbreiterung und das hohe Gewicht auf der Hinterachse waren unsere einfach etwas schneller an ihrem Lebensende angekommen.

Im schlimmsten Falle, kann das Lager aber komplett versagen, was zum Achsschaden und liegen bleiben führt. Also verbrachten wir fast den ganzen Tag in der Werkstatt, sodass wir in Maun blieben und den Abend in der Okavango Brewery ausklingen ließen.

Mit neuen Lagern und ohne Angst mitten im Nirgendwo liegen zu bleiben, geht es jetzt aber in die Kalahari. Kurze Strecke über den Highway und dann 100km entlang der Cutline zum Gate. Hier erzählen wir immer gleiche Geschichte, dass man keine Campsite-Reservierung hat, weil die Website down war und keiner auf meine Mails geantwortet hat. Dabei traurig gucken und ein Anruf vom Ranger später hatten wir unsere Campsites (6€ die Nacht im Nationalpark). Wir lieben die Kalahari einfach. Heute nahmen wir uns den nördlichen Teil vor und fuhren die Wasserlöcher ab. 

Dort stand ein anderes Auto. Ich wollte mit dem Fernglas gucken, wo er hinhaut, und sah, dass er uns mit seinem Fernglas anschaute. Ups, etwas unangenehm, aber er signalisierte, dass wir zu ihm kommen sollten. Ich dachte so: „Na das muss ja ein ganz dickes Ding sein, das er uns zeigen will“, dann sprang er aus dem Auto und ich (Tony dann etwas verzögert auch) erkannte ihn – der Kanadier Kevin, mit dem wir 2021 durch den Kaudum Nationalpark in Namibia gefahren sind und der uns beigebracht hatte, wie man elegant Bäume mit der Winde aus dem Weg zieht. 

Wir konnten es alle nicht glauben und freuten uns riesig. Ach, und einen Löwen hatte er auch noch für uns.

Wir beschlossen, zusammen auf der Sunday Pan Campsite den Abend zu verbringen. 

Davor beobachteten wir den Löwen noch mit seinem Orxy Kill, genossen dabei unseren Sundowner und scheinbar hat das den Löwen auch motiviert, noch etwas zu trinken. Wir begleiteten ihn zum Wasserloch. 

Ich hatte vorher die Berichte zu dieser Campsite gelesen… Es scheint das „Headquarter“ der Kalahari Maus zu sein. Horrorberichte von komplett zerstörter Autoelektrik waren da zu lesen. Ich hoffte, dass Toyo noch nach unseren anderen Mäusen richt und sich deshalb keine neue rantraut. Als weiteres „Ablenkungsmanöver“ stellte ich unsere Bio-Abfälle in einer Schale mit zusätzlichem Wasser etwas entfernt vom Auto auf.

Wow, ich sage euch, die Wildtierkamera ist voll mit Mäuse-Spam gewesen. 

Am nächsten Morgen bewachte der Löwe immer noch seinen Kill und war eher adynam, sodass wir weiterfuhren und von vier weiteren Löwen am Wegesrand überrascht wurden, die sich an eine Herde Orxy ranschlich. 

Naja, zumindest in unserer Sichtweite war es nicht erfolgreich, sicher wird es zum Lunch geklappt haben.

Es ging weiter nach Süden, erst entlang der Deception Pan (2022 haben wir hier im Schlamm festgesteckt und übernachten müssen) bis zur Piper Pan (2021 haben wir uns hier fünf Stunden auf dem Schlamm gegraben), doch dieses Jahr alles trocken. 

Wir fanden mehrere Löffelhundfamilien, Giraffen, Antilopen, einen leicht auffälligen Elefanten, der Spaß daran hatte, Vögel am Wasserloch aufzuscheuchen und dann Springböcke über die Pan jagte. 

Doch keine Löwen! Wir fanden bei einer weiteren Löffelhundfamilie einen tollen Platz für den Sunset.

Als wir zur Campsite gefahren sind, war es dann schon dunkel und ich leuchtete ohne jegliche Erwartung über das Wasserloch, da plötzlich mehrere Augenpaare. 

Haben wir doch noch das Löwenrudel der Piper Pan gefunden. Wir beschlossen, sie in Ruhe zu lassen und aßen nur noch schnell Pasta auf der Campsite und schliefen. Doch nicht lange, dass es begann zu gewittern, es hat so laut und unglaublich lange gedonnert, Toyo hat gewackelt. Für alle Besorgten: Es gibt Untersuchungen, dass auch mit hochgeklapptem Dach das Auto ein Faradayscher Käfig ist 🤞🏻. 

Die Auswertung der Wildtierkamera ergab, dass auch erst nach dem das Gewitter vorbei war, ein Leopard sich bei uns vorbeigeschlichen hat. 

Voller Erwartung ging es zum Wasserloch, doch keine Löwen mehr. Wir fanden sie auch nicht noch einmal. 

Ob wir ein drittes Mal in der Kalahari stecken geblieben sind, ob Toyo uns schon wieder etwas übel nimmt, oder wir einfach hier in der Kalahari bleiben, lest ihr im nächsten Blog.

Eure Kalahari-Mäuse 

Tony&Juli 

Wir lösen Probleme, die wir sonst nicht hätten – Sambia

Begrüßt wurden wir an der Grenze mit einem ausgebrannten LKW, der die zweispurige Auffahrt einspurig machte. Wir nutzen den Moment, um unsere letzten tansanischen Schilling in lokale Köstlichkeiten zu verwandeln.

Da die Erfahrungsberichte über diese Grenze bereits vor den Wahlen folgendes aussagten: „Most chaotic border in Africa” und im Schnitt dauerte es fünf Stunden, gönnten wir uns dieses Mal einen “Agenten”. Man fand sehr schnell zueinander. Preis hatte Tony zur Sicherheit nicht besprochen, die Drecksarbeit kann ich dann immer machen. Wir müssen sagen, vielleicht tat es dieser Grenze gut, dass sie ein paar Tage geschlossen war, denn nach dem üblichen Hin und Her und Rumgestempel, waren wir nach zwei Stunden fertig. Der „Agent“, der sich während des Grenzübergangsprozesses verdreifacht hatte, forderte nun sein Gehalt. Ich war bereit, ihm 10US$ zu geben (so wie man es online findet), er wollte aber 30US$ und ich war unsicher, ob er deshalb schon seine beiden halbstarken Kollegen geholt hatte. Plötzlich verstehe ich dann aber einfach kein Englisch mehr, habe einen schönen neuen 10$ Schein in der Hand, lächle nett und steige ins Auto und verriegele sofort die Tür. Wir rollten los und keiner stach uns in die Reifen auf, sodass wir unseren Hühnchen-Bananen-Spieß genießen konnten. 

Überrascht, dass wir so gut durchgekommen sind, schaffen wir es noch bis kurz vor den North Luangwa Nationalpark. Wir standen an einem kleinen Bach, grillten einen Burger und machten uns an die Routenplanung.

Am Morgen standen wir pünktlich um 6 Uhr am Gate, doch wir waren die einzigen – also auch kein Ranger. Irgendwann wurde jemand angerufen, jemand wurde geweckt und dann wurde ein handschriftliches Permit erstellt. 7:10 Uhr rollten wir endlich durchs Tor. Wir schlugen uns entlang der nord-östlichen Route immer am Fluss bzw. was davon übrig war, entlang. 

Wir sahen einige Tiere, aber der North Luangwa ist sehr, sehr remote und wir denken, dass sie deshalb sehr, sehr schüchtern und schreckhaft sind. Wir sahen drei Löwinnen und einen Leoparden, doch ohne Fotobeweis. Die Wege waren recht überwachsen, sodass wir wieder die Axt und die Säge griffbereit im Beifahrerfußraum hatten. 

Circa 30km vor dem Parkausgang am Ponton (könnt ihr euch noch an unsere abenteuerliche „Fährfahrt“ erinnern?!) fiel uns auf, dass wir hinten links – sagen wir mal – fast einen Platten hatten. Wir pumpten erst einmal nach. Es zeigte sich, dass er immer schneller Luft verlor und wir nun alle 5km nachpumpten. Da wir etwas unter Zeitdruck waren, wollten wir den Reifenwechsel vermeiden.

Am Ponton angekommen, war keines mehr da, aber zum Glück auch kein Wasser, sodass wir durch den komplett ausgetrockneten Luangwa fuhren. Wir schlugen unser Camp direkt am „Flussufer“ auf. Tony versuchte den Reifen zu flicken. 

Am Abend wurden wir von zwei Elefanten besucht und als wir am Morgen aufwachten, waren circa 100 Pelikane im Flussbett. 

Unser Weg führte uns heute 280 km offroad entlang des Luangwa. Es gab wenige kleine Dörfer entlang der Sandstraße und dazwischen ein paar Leute zu Fuß oder mit dem Rad. Wir teilten großzügig unser Wasser mit ihnen, denn draußen waren 35 Grad und kein Schatten. 

Kurz danach kamen wir an einem Wasserloch vorbei, in dessen Mitte nur ein klein wenig Schlamm stand, doch es war reges Treiben da – vier Wildhunde. Wir konnten unseren Augen nicht trauen, wir hatten nach all der Zeit in Afrika nur einmal 2021 in der Kalahari Wildhunde gesehen. 

Was kann es für einen besseren Frühstücksspot geben?! Das restliche Rudel gesellte sich dann auch noch dazu, da wurde es schon ziemlich eng. Wir standen da sicher eine Stunde und wollten langsam weiter (Hand war schon an der Zündung), als sich ein junges Kudumännchen leichtsinnig, oder unerfahren oder total erschöpft und durstig dem „Wasserloch“ näherte. Gerade las ich Tony vor, dass Wildhunde im Rudel eine Hetzjagd machen und nur jagen, wenn sie Hunger haben. Scheinbar machte sich spontaner Frühstückshunger breit und sie begannen vor unseren Augen (vielleicht so 15 m) das Kudu zu scheuchen. 

Das Kudu rannte nur im Kreis und schaffte es, den ein oder anderen Wilddog mit einem Kick loszuwerden, aber gegen das Rudel von 18 hatte es keine Chance… Es ging zu Boden und wurde aufgegessen. 

Wir schauten uns währenddessen mehrmals verdutzt an – passiert das gerade wirklich? Hätte man den Kudu retten müssen? Freut man sich für den Jagderfolg der Wildhunde? 

Auf dem restlichen Weg ins legendäre Wildlife Camp am South Luangwa sahen wir auch noch Löwen, Elefanten und sämtliche Antilopen, die aber neben den Wilddogs heute eher „langweilig“ rüberkamen.

Am Camp angekommen ergatterten wir die letzte Campsite und standen natürlich inmitten von Deutschen. Stimmt nicht ganz, jeweils ein Auto mit Holländern, Franzosen und Briten war auch da. Ihr könnt euch vorstellen, da musste viel besprochen werden. 

Auch versuchte Tony erneut unseren Reifen hinten links zu flicken (natürlich wurde unter strenger deutscher Kontrolle, sofort unser unangemessener Reifendruck kommentiert).  

Der Reifen stellte sich als eine Art „Schweizer Käse“ dar, sodass wir beschlossen, den Ersatzreifen anzubauen und das Flicken den Profis im Dorf zu überlassen. Wir legten also einen weiteren Tag im Wildlife Camp ein für kleinere Reparaturen, der Reifen konnte im Dorf auch nicht wirklich mehr gerettet werden und ist nun ein eher „schlechter“ Ersatzreifen. Außerdem warteten wir auf Diesel, denn die eine Tankstelle im Dorf war leer (erinnert ihr euch, dass wir in Tansania fünf Tage festsaßen, so saßen auch sämtliche Dieseltrucks fest, denn Sambia erhält seinen kompletten Diesel aus Tansania). Es gab auch in den angrenzenden Dörfern keinen Diesel mehr, aber es gab ein Gerücht, dass der Dieseltruck unterwegs sei. Wir vertrieben uns die Wartezeit am Pool und mit den neuen Bekanntschaften.

Es hatte die letzten Tage jeden Abend gewittert und die Strecken wurden immer nasser. Wir überlegten, welche Strecke wir nehmen. Unsere Idee war es, die recht wilde Offroad-Strecke quer durch den South Luangwa zu nehmen. Wir machten (ich gebe zu nach vier Bier) eine Vernunftsabwägung.

PRO 1: Dahinter liegt der Highway, wo es sicher schon wieder Diesel gibt. 

PRO 2: Wir wollten dort im Norden noch ein bisschen wandern.

CONTRA 1: Dieseltruck weiter nicht in Sicht (halber Tank für 160 km Offroad).

CONTRA 2: Keinen wirklichen Ersatzreifen.

CONTRA 3: Es hatte nochmal die ganze Nacht geregnet.

CONTRA 4: Lodgebesitzer mit 40 Jahren Afrikaerfahrung meint: „It’s impossible after rain.“ (Camp Lodgemanager meinte: „Give it a try!”)

CONTRA 5: Das zweite Auto, das die Strecke mit uns fahren wollte, traute sich nicht mehr, damit sind wir wieder allein.

CONTRA 6: Kein Handyempfang auf der Strecke.

Ihr kennt uns – natürlich sind wir die Strecke gefahren. Also ging es am Morgen früh zu einem dieselsparendem Game Drive. Wir fanden einen wunderschönen Leoparden im Baum und beobachteten ihn eine Weile, dann frühstückten wir und dann wurde unsere Geduld belohnt.

Er kam elegant vom Baum herunter und wählte Toyo, um sich in Position zu bringen, um eine kleine Impallagruppe zu stalken. 

Er war wirklich so, so schön. Mit diesem tollen Start in den Tag waren wir noch motivierter, die berüchtigte „Strecke 05“ zu fahren.

Wir brauchten für die ersten 80km gut drei Stunden, es war trockener als gedacht, die Flussqueerungen waren noch trocken und die berüchtigte Black Coton Soil war noch fest, sodass wir nicht stecken blieben. Aber nicht, dass jemand denkt, es gab keine Verluste – wir verloren BEIDE Seitenspiegel, einer fiel auf Sand, einer auf Gestein – naja, links haben wir wieder einen und der andere war Totalverlust.

Zum späten Nachmittag kamen wir auf der neuen Campsite hinter dem nördlichen Gate an. Angelegt von der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, aber betrieben von der Community und alle Einnahmen gehen in die Community. Aber am wichtigsten, es gab Starlink. 

So konnten wir Bericht über die Road Conditions geben, aber es hat sich keiner mehr getraut, was sicher auch vernünftig war, da es wieder die ganze Nacht gewittert und geregnet hat. Ach, und wenn ihr denkt, dass unsere schlimmste Sorge unser erloschenes Grillfeuer war – nein, Tonys Zahnkrone ist auch noch abgebrochen. Er versuchte mir weis zu machen, dass er den Zahnstumpf / -wurzel desinfizieren muss und das mache man mit Hochprozentigem – denke nicht, dass das evidenzbasiert ist. 

Am Morgen lagen noch einmal 80km offroad Strecke bis zum Highway vor uns, dieses Mal steil und steinig, aber es gelang problemlos und ein südafrikanisches Pärchen schloss sich uns an. Am Highway mussten wir dann 30km in die „falsche“ Richtung fahren, um im Städtchen Mpika endlich Diesel zu bekommen, eine Tankstelle hatte endlich Diesel. 

Vollgetankt war unser Ziel Mutinondo Wilderness, hier warteten unsere Südafrikaner schon auf uns, aber wir konnten sie nicht mehr motivieren, uns auf einen Afternoon Hike zu begleiten. Mutinondo ist bekannt für seine riesigen Granitfelsen. 

Es haben sich auch hier zwei Löwen angesiedelt, deshalb soll man nicht nach 17 Uhr wandern. Um dieses Risiko zu umgehen, waren wir 17 Uhr zum Sundowner mit den Südafrikanern verabredet – rein aus Sicherheitsgründen versteht sich.

Am Morgen nutzten wir das gute Wetter, um natürlich den höchsten Felsen zu besteigen – 35 Grad, gefüllte Luftfeuchtigkeit 99%, 200 Höhenmeter auf 500 m Strecke sind echt ein Morgen-Workout. 

Warum ich das „gute“ Wetter so betone – es regnete zu zeitig und zu viel für die Jahreszeit. Es wütete wohl ein Zyklon vor Afrika und haute hier das ganze Wetter durcheinander. Heute zogen schon gegen Mittag dicke Wolken auf, sodass wir uns auf den Weg Richtung Lusaka machten – 300 chaotische Kilometer. 

Wir sahen am Straßenrand viele Lokals, die riesige Pilze anboten. Da wir gerade Internet hatten, recherchierten wir – Termitomyces titanicus, der größte essbare Pilz der Welt, lebt in Symbiose mit Termiten und wächst jetzt zu Beginn der Regenzeit. Da kam uns die Idee, unser Frühstücksei aufzuedeln. 

Unsere Recherche ergab, dass man sie nur von einem seriösen Verkäufer kaufen soll – ja gut, unserer war ein circa 8-jähriger Junge, aber der weiß schon, was er macht. Es gibt vielleicht einen anderen Pilz, der zum Verwechseln ähnlich aussieht, aber er hatte ihn sicher an einem Termitenhügel geerntet. 

Unsere Freude über das leckere Frühstück wurde kurz getrübt, als uns die Polizei rauszog – zu schnell. Die beiden Damen waren nicht so richtig „schwingungsfähig“, dass es sogar eine Quittung gab. Naja, diese Strafen ziehe ich Tony vom Bierbudget ab. 

Wir erreichten Lusaka und kehrten natürlich in Lukasa ein (hier stand Toyo bereits zweimal, während wir zuhause waren). Es ist ein „nach Hause kommen“ und dieses Mal waren zusätzlich unsere neuen Freunde aus dem South Luangwa da. 

Aber wir hatten Aufgaben: Wir hatten bei Gekes (holländische Chefin von Lukasa) Zahnarzt einen Termin gemacht, sodass das unser erster Stop war. 

Es sah nicht wie eine deutsche Zahnarztpraxis aus, eher wie eine Boutique mit dem Farbkonzept Lila. Wir füllten ein Anmeldeformular aus (wenig zahnärztliche Fragen), aber Beruf und Arbeitgeber, keiner wollte den Pass sehen und keiner hat nach einer Versicherung gefragt (auch noch nicht nach der Visa). 

Tony ist allein reingegangen. Ach so, die Krone war nicht kaputt und wir hatten sie desinfiziert (nicht in Rum) gelagert. Nach 30 Minuten ist er strahlend rausgekommen. Was er berichtet hat: „Die Dame wirkte kompetent, hat alles sauber gemacht, ein Röntgen und hat die alte Krone mit Zement wieder angeklebt“. Die Röntgenbilder gab es per WhatsApp, die Rechnung war schnell geschrieben und wir schoben die Visa rüber (100€ ist denk ich ist okay?).

So weiter ging es – ein neuer Reifen musste her. Aktuell fahren wir BF Goodrich All Terrain 285/75R16, aber der war hier nicht aufzutreiben?! Listenpreis 350€ fanden wir dann einen Händler, der ihn bestellen wollte und 700€ haben wollte – für einen Reifen! Wir entschieden uns, dass wir den Reifen in Botswana bei „unserem“ Reifenhändler kurz hinter der Grenze von Sambia bestellen.

Aber wir brauchten noch Servolenkungsflüssigkeit, wir sind da wohl etwas undicht… Habe ich gelernt, dass das laute unangenehme Geräusch ist, wenn man lenkt. Aber es gibt so „Zauberflüssigkeit“, die die poröse Dichtung abdichtet (erneute Frage nach der Evidenz). 

Dann musste ein neuer rechter Seitenspiegel her und plötzlich standen wir in Lusaka im Auto Spare Part Viertel und wirklich jeder wollte und „helfen“. Wir fanden einen Herren, der uns einen neuen Seitenspiegel für knapp 20€ verkauft hat und schraubte ihn fröhlich an. 

Lektion „Lehrgeld zahlen“: Der Spiegel ist scheiße, denn erst dann merkten wir, dass ein normaler Seitenspiegel etwas gewölbt ist und das „gewohnte“ Bild macht. Unser Neuer ist aber komplett eben… Naja, sehen kann man damit suboptimal, aber zumindest kann die Polizei nicht mehr meckern.

Selbst in Lusaka war es schwer, Diesel zu bekommen (es war jetzt bereits zwei Wochen nach der Wahl in Tansania). Wir fanden aber außerhalb eine Tankstelle mit Diesel, sodass wir die Strecke nach Livingstone (und dann Grenzübergang nach Botswana) „auflockern“ konnten mit einem Abstecher über den Kafue Nationalpark. 

Hier erwarteten uns schon unsere Freunde (kann man mittlerweile schon so sagen) aus dem Wildlife Camp und wir waren auf einen entspannten Nachmittag am Fluss eingestellt, aber wir haben die Rechnung ohne Toyo gemacht. Wie Männer so sind, wollte man sich gegenseitig unter die Motorhaube gucken (das ist wirklich rein technisch gemeint) und dann stöhnte Tony auf „Ooooor neeee“. Alle versammelten sich um unsere Motorhaube – unsere Aufhängung für die Batterie war abgerissen und schubbelte bereits den Kühlflüssigkeitsbehälter auf. 

Ich dachte, okay, zurück nach Lusaka, hoffentlich ohne Überhitzung und ohne Kühlschrank. Doch ich hatte die Rechnung ohne die Expertise der Deutschen gemacht – plötzlich lagen eine Akku-Bohrmaschine, ein Edelstahlblech und eine Schraubenkiste vor uns – wir fixen das.

Falls ihr mal drei Männer einen Nachmittag beschäftigen wollt/müsst, fragt mich und Toyo, uns fällt da sicher etwas ein. 

Resümee der „Busch-Reparatur“: Vier zerstörte (stumpfe) Bohrer, ein Lobgesang auf die Lidl Bohrmaschine und keine Verletzten. Batterie-Halterung hält jetzt als Provisorium sicher ewig. 

Natürlich regnete es die Nacht wieder und selbst die Campsite stand unter Wasser. 

Doch wir wollten es mal wieder versuchen, durch den Nationalpark nach Süden zu kommen. Wir fuhren auf den Highway (zur Info: Recht häufig führt der länderverbindene Highway mit vielen Trucks hier in Afrika durch einen Nationalpark) und da lag ein überfahrener Leopard auf der Gegenspur – geschockt/traurig/verunsichert fuhren wir wenige hundert Meter weiter zum Gate des Nationalparks und wollten das melden (offizielle Öffnungszeit 6:30, wir waren 7:00 da, waren die einzigen – haben im Nachhinein erfahren, dass bei schlechtem Wetter der Ranger länger schläft). Plötzlich stoppte ein Auto und die Insassen zogen den Leopard am Schwanz in den Graben runter – oh mein Gott, beobachten wir gerade ein Verbrechen? Was stellen sie mit ihm an? Wo ist der verdammte Ranger? 

Wir wussten uns nicht anders zu helfen und wollten zurück zur Campsite fahren, um Bescheid zu sagen (die, die gerade den Leopardenkadaver in der Straßengraben zogen, fragten uns nach einer großen Plastiktüte, wir fragten im Gegenzug, ob sie Ranger seinen bzw., diese informiert hätten – „no“. In der Campsite versicherte man uns, dass der Ranger informiert wird, wir sollen uns keine Sorgen machen und auf Safari gehen.

Wir fuhren los, aber es war ein mulmiges Gefühl. Am Gate plötzlich das Auto, welches den Leopard in den Straßengraben gezogen hat. Man wuchtete dieses großartige Tier vom Rücksitz des Toyota und ließ es auf den Boden fallen. Es waren wohl Mitarbeiter der Carnivore Conservation und man nehme jetzt Proben zur Untersuchung der Todesursache und Gesundheitszustandes.  Ähm, ich will nicht überheblich klingen, aber schweres offenes Schädelhirntrauma würde ich diagnostizieren. Als ob dies nicht schon schlimm genug gewesen wäre, schockierte uns noch mehr die „Leichtigkeit“ und Gleichgültigkeit der Parkmitarbeiter. 

Ja, wir haben Bilder davon, gerade weil wir dachten, wir sehen ein Verbrechen und wollten Beweise sammeln. Wir haben uns aber dagegen entschieden, diese Bilder zu zeigen, jeder sollte diese wunderbaren Lebewesen unverletzt in Erinnerung haben.

Wir fuhren los, weil wir nach Livingston mussten. Es war ein schöner und überraschend trockener Vormittag, als wir plötzlich ein neues Geräusch hörten –  pff, pff, pff. Wir redeten uns ein, dass das nur ein Steinchen im Reifenprofil sei – aber ist das realistisch offroad im Sand? Das Geräusch wandelte sich in ein „zisch zisch zisch“, okay jetzt konnten wir es nicht weiter ignorieren – hinten rechts hat ein Loch. Erneut redeten wir es uns schön, durch das gleichmäßige Geräusch müsse das Loch ja auf der Lauffläche sein und somit easy zu flicken. Zur Erinnerung: Unser Ersatzreifen auf dem Dach trägt den Spitznamen „Schweizer Käse“, neuer Reifen ist nach Kazungula im Botswana bestellt. Wir stoppten auf einer Lodge und erblickten das ganze Übel. Die Kante war aufgerissen – Spröde? Ast? Kombi aus beidem? Tony versuchte, den Defekt mit acht Flickstreifen zu fixen (normaler Defekt – ein Streifen), doch es gab immer noch einen positiven „Bubbletest“. Wir verloren den Glauben an BF Goodrich und liebäugelten mit der chinesischen Alternative – robuster, einfach zu bekommen und ein Drittel des Preises.

Was tun mitten im Nationalpark – 240 km zurück nach Lusaka fahren, um da einen überteuerten Ersatzreifen zu bekommen, oder 70km weiter durch den Nationalpark und weitere 200 km bis nach Botswana, größtenteils offroad über unbekannte Wege zu fahren, um dann einen neuen Reifensatz zu bekommen?! Klar fuhren wir weiter! Das Einzige, was Trost spendete, war, dass wir unsere Freunde vom Wildlife Camp wieder trafen und wir die Strecke zusammen gefahren sind. 

Zusammen kamen wir gut durch die teilweise recht anspruchsvolle Strecke und schafften es bis nach Livingstone. Wir nutzten das Städtchen, um unsere letzten Kwatcha auszugeben und genossen ein letztes lokales Bier (Mosi) an der Waterfront und schlugen uns den Magen bei Olgas Italien Point mit Pizza voll. 

Danach fuhren wir noch spontan gegen 16 Uhr an einem Sonntag zur Grenze nach Botswana.

Ob man uns so spät noch über die Grenze gelassen hat oder ob wir weiter in Zambia sind… Lest ihr im nächsten Blog. 

Eure Unvernünftigen 

Tony&Juli

Irgendwann ist es eine gute Geschichte – Tansania

Es stand ein weiterer Grenzübergang an – auf nach Tansania, schließlich warten hier unsere neuen Blattfedern auf uns. Die Grenzstadt war Rusumo. Wir lehnten wieder Schlepper und Geldwechsler ab, da wir uns gut vorbereitet fühlen. Man fährt direkt über eine Brücke nach Tansania, dort passiert auch der Wechsel in den Linksverkehr. 

Bevor wir in Ruanda ausgestempelt werden konnten, mussten wir unsere Gelbfieberimpfung vorweisen, dann mussten wir umgerechnet 5€ am Bankschalter einzahlen, um einen Zettel zu bekommen, dass Toyo keine Affenpocken und/oder Ebola hat?! Dann wurden wir für Ruanda ausgestempelt, nächster Schalter Tansania Visa-on-arrival (50 US$ pro Person). Jetzt musste nur noch Toyo bearbeitet werden – Ruanda hat das Carnet ausgestempelt, der Tansania Customs Kollege hat da etwas länger gebraucht, wir haben 20 US$ Road Fee bezahlt und nach zwei Stunden waren wir alle drei drin. 

Wir waren sofort von der unglaublich schlechten Straße schockiert. Es stand ein PKW auf der Straße mit einer Panne und da wir ja nur allzu gut wissen, wie es sich anfühlt, fragte Tony, ob Hilfe benötigt wird. Es war ein Auto aus der Demokratischen Republik Kongo und ich glaube, sie waren im ersten Moment auch irritiert, dass der „Muzungu“ helfen will. Wir schleppten ihn in das nächste Dorf zu einer Werkstatt und haben einen afrikanischen Freund mehr.

Die Straßenverhältnisse wurden die nächsten 100km auch nicht besser, sodass wir es natürlich nicht so weit schafften, wie wir erhofft hatten, und stellten uns schon auf eine wilde Nacht ein. Im ersten Dorf kauften wir eine SIM-Karte und lokales Bier und dann stellten wir uns hinter einen Hügel an den Highway (also eigentlich eine normale einspurige Straße, nachts zum Glück wenig befahren). Wir waren nicht von der Straße zu sehen, kochten schnell Nudel und schliefen dann schnell.

Die Nacht verlief ruhig und wir machten nach Sonnenaufgang weiter. Unser Ziel war die Stadt Mwanza am Viktoriasee – der größte See des ostafrikanischen Grabenbruchs und zweitgrößter Süßwassersee der Welt. Aber vor allem „Quelle des Nils“, aus ihm fließt der Viktoria-Nil (da wo wir White Water Rafting gemacht haben) und der speist den Weißen Nil. Die Stadt wird auch „Rock City“ genannt, wegen der unzähligen bizarren Ganitfelsen. 

Ich würde gerne sagen, dass man an der Lakefront Promenade den Bismarck-Felsen findet – Felsen ja, Promenade nein. Auch den Charme einer alten deutschen Kolonialstadt haben wir vergebens gesucht. Aber zum Felsen, er verdankt seinem Namen einer Statue, die während der deutschen Kolonialzeit zu Ehren von Otto von Bismarck angeblich hier gestanden haben soll. 


Es hatte auch noch geregnet und so war eine Brücke weg bzw. überspült und es herrschte noch mehr Verkehrschaos – so verlängerte sich unser Shopping Stop, sodass wir erst zum Sonnenuntergang in der wirklich schönen Campsite am See ankamen. Wir gönnten uns den Sundowner und Dinner (endlich Fisch) auf dem Deck mit Blick über den See. 

Nun war es aber Zeit, den Weg Richtung Serengeti ähm natürlich Arusha anzutreten, da dort unsere neuen Blattfedern auf uns warten. Unsere sehr erwachsene Überlegung war, wenn wir durch die Serengeti nach Arusha fahren (anstatt südlich drumherum), sparen wir 100km Strecke, die ist aber vielleicht statt 900km asphaltierter Highway komplett offroad – klare Entscheidung: Serengeti mit kaputten Blattfedern. 

Wir trafen direkt die nächste sehr erwachsene Entscheidung, da wir zwei Kostenvoranschläge in Arusha für Blattfedern bekommen haben und der eine 800 US$ günstiger war, haben wir ja eigentlich 800 US$ „gespart“. Diese haben wir vielleicht in eine Balloon Safari in der Serengeti „investiert“, zusätzlich haben wir ja auch 100km Strecke gespart, das darf man nicht vergessen. 

Wir fuhren durch die Serengeti und ja, sie ist toll. Endlose Weite, große Tierherden – wir fanden drei Löwen, die recht faul herumlagen, eine Gruppe Hyänen, die am Tage herumliefen. Wir glauben, dass ihr Bau während des kurzen Gewitterschauers geflutet wurde und sie deshalb die Flucht ergreifen mussten. 

Wir kamen nach Sonnenuntergang auf der Public Campsite DikDik an und waren initial erschrocken über die ganzen Safarizelte, die Gruppenreisen. Die Guides/Köche blockierten den gesamten Küchenbereich und die Safari-Touristen saßen aufgereiht im Aufenthaltsraum – mega laut, unangemessene Gespräche – sehr unangenehm. Wir suchten uns eine ruhige Ecke, grillten schnell und schliefen, da wir bereits 5:10 am nächsten Morgen für die Balloon Safari abgeholt wurden. Wir hörten nachts sehr laut und nah Hyänen und Löwen, nach Sichtung der Wildtierkamera wussten wir, dass eine Hyäne mehrmals am Auto vorbei gelaufen ist.

Am Morgen ging es dann im Dunkeln zum Startplatz der Balloons. Man wurde nach Gewicht verteilt und bekam einen Sicherheitsgurt. Es sah wieder toll aus, als die Balloons gefüllt wurden.

Wir waren eine Stunde in der Luft, haben einige Antilopen gesehen, sind über mehrere Hippo-Pools „gefahren“ und haben die Sonne (leider hinter mystischen Wolken) aufgehen sehen.

Es war schon schön, aber in Namibia war es beeindruckender, vielleicht auch weil da der Zauber des ersten Mals dabei war. 

Aber dann kam ja noch das Champagner Busch-Frühstück. Wir erhielten unser Balloon Zertifikat und dazu wurde mit (haltet euch fest) alkoholfreiem Freixenet Sekt angestoßen. Das Bild gibt unser aller Entsetzen / Enttäuschung bestens wieder.

Das Frühstück war okay, aber nichts, wo man länger sitzt und so machten wir uns auf den Weg zum nordöstlichen Gate. Wir fuhren durch weite Pfannen und sahen die riesigen Gnu- und Zebraherden der „Großen Migration“.  

Und wo so viel „Futter“ rumläuft, muss es doch auch Katzen geben – ein paar Meter weiter fanden wir an der Straße eine Löwin.

Aber es wäre nicht DIE Serengeti, wenn sie nicht noch einen draufsetzen würde. Im rechten Augenwinkel entdeckte ich etwas, rief leise „stop“ und wir rollten zurück.

Das glaub ich doch nicht, eine wunderschöne Gepardenmutter mit fünf kleinen Spätzen. Sie überquerten direkt hinter uns die Straße, spielten dabei und kuschelten mit der Mutter. 

Wir waren das einzige Auto und es war magisch, aber irgendwann mussten wir weiter, da noch die Strecke bis zum Lake Natron vor uns lag. 

Wir nutzen die Strecke nur, um nach Arusha zu kommen, aber sie war auch landschaftlich wunderschön. Wir schliefen auf einer Campsite mit Blick auf den See. Sundowner im Pool mit Blick auf den See mit Flamingos geht schon. 

Am Morgen ging es weiter durch trockene Flussbetten, entlang erloschener Vulkane (Ol Doinyo ist zuletzt 2008 ausgebrochen und ist der heilige Berg für die Maasai).

Es zogen viele Maasai mit ihren Kuh- oder Ziegenherden durch die Steppe, dazwischen mischten sich Zebras und Springböcke. Wegen den ganzen Gebühren, die für die Strecke zu zahlen sind, und den Maasai, die die Wasserflaschen, die sie von Touristen bekommen, einfach neben die Straße werfen, würden wir die Strecke aber wohl nicht noch einmal fahren…

Wir erreichten Arusha und konnten Toyo pünktlich Montagmorgen in der Werkstatt abgeben. Wir waren vorbereitet, dass es nicht an einem Tag fertig wird, sodass ich in 3km Entfernung ein Hotelzimmer reserviert hatte. Tony wollte den Einbau beobachten und ich entschied, zum Hotel zu laufen. 

Es war okay, circa zehn Herren fragten, ob sie mich mitnehmen sollen, aber eigentlich alles safe und ich gab all unsere Dreckwäsche im Hotel ab. 

Tony hatte eine gute Zeit in der Werkstatt, die Besitzer sind Sikh und Rallyfahrer. Diese Herren haben dann auch die Probefahrten gemacht und seitdem hat auch Tony im Gelände auch etwas vom Rallyfahrer. 

Am nächsten Mittag holten wir Toyo ab und wir feierten die neuen Federn. Es ist ein neues Auto (aber irgendwie fehlt mir das ein oder andere Quitschgeräusch) und ich weiß nicht, wie oft Tony in letzter Zeit gesagt hat: „Also, das wäre mit den alten Federn nicht gegangen“ 🤪

Wir waren so froh, dass Toyo rechtzeitig fertig geworden ist, denn am Folgetag waren Präsidentschaftswahlen hier in Tansania und wir bekamen die Empfehlung, nicht in größeren Städten zu sein, da es zu Protesten kommen kann. Wir deckten uns also in Arusha nochmal mit Lebensmitteln und Bier ein und fuhren Richtung Süden. Wir schliefen wild neben dem Highway und fuhren dann am Tag der Wahl (Mittwoch) in das Städtchen Iringa. Hier wollten wir die beste Pizza Afrikas essen, bevor wir in den Ruaha Nationalpark starten wollten. Aber bei Mama Iringa war alles verschlossen, alle waren weg wegen den Wahlen. Wir wollten eine anderen Campsite anfragen, aber irgendwie ist die WhatsApp-Nachricht nicht rausgegangen? Mh, alles komisch… Wir fanden noch eine Tankstelle, wo unsere Visa-Card funktionierte, und dann rollten wir weiter.

Am Morgen (Donnerstag, einen Tag nach der Wahl) fuhren wir zum Gate des Ruaha Nationalparks. Hier sagte man uns, dass es einen Network-Breakdown gibt (hat aber nichts mit der Wahl zu tun), wir bekamen also erstmal nur eine Rechnung (Nationalparks sind alle cashless, um die Korruption zu verhindern), und sollten morgen, wenn wir rausfahren, bezahlen, da gehe das Internet sicher wieder. Tony ging schon zum Auto und schrie plötzlich auf „Orrr nee“, aber wir hatten nur unser hinteres Nummernschild verloren. 

Also erstmal Safari. Wir mochten diesen Nationalpark schon letztes Jahr und fuhren entlang des fast trockenen Ruaha-Flussbettes.

Kurz danach hatten wir unseren „deutschen“ Moment des Tages. Wir sind an eine kleine Brücke gefahren und auf beiden Seiten war eindeutig derselbe Defekt – wir guckten uns an „ganz klar Konstruktionsfehler“ und in dem Moment sprang ein Leopard unter der Brücke hervor. Wir waren so überrascht, dass wir natürlich kein Bild machen konnten.

Aber wir haben noch Löffelhunde gefunden und dann sind wir zur Tembo Campsite.

Hier warteten „unser“ Hippos und eine Gruppe Elefanten auf uns. Ich bereitete das Abendessen vor und Tony hatte ich duschen geschickt. Er kam ungeduscht zurück und meinte, es sei eine „Duschschlange“. 

Wir dachten zu erst an eine grüne Mamba, entschieden uns dann doch für eine grüne Baumschlange und sie schlängelte sich Richtung Abfluss weg. Wir gingen trotzdem in die andere Dusche. Danach grillten wir lecker und wurden von einer Genet Katze besucht. Als wir im Bett lagen, stapfte unser Hippo in, ich glaube, weiblicher Begleitung vorbei.

Als wir am Morgen den Park verließen, ging das Internet immer noch nicht und wir bezahlten cash in US$.

Wir suchten die ersten Kilometer ganz aufmerksam nach unserem Nummernschild. Dann mussten wir uns entscheiden – nach links um weiterzusuchen und dann durch Iringa auf den Highway zu fahren – nach rechts, direktere offroad Strecke zum Highway. Da wir keine Hoffnung auf unser Nummernschild hatten, entschieden wir uns für offroad. 

Es dauerte dann noch einige Kilometer auf dem Highway, bis wir durch eine erste „Stadt“ fuhren. Davor war uns schon aufgefallen, dass wir die einzigen auf der Straße waren und nicht einmal die unzähligen Obst- und Gemüsestände offen waren. 

In der Stadt Mafinga wurden wir vom Militär angehalten. Er wollte wissen, wo wir herkamen und wo wir hin wollten. Er sah besorgt und skeptisch aus und meinte dann nur: „be careful”. Ich fragte vor was oder wem ich mich denn in Acht nehmen soll, aber das könne er nicht sagen und wiederholte nur: “be careful”… Wenig später sahen wir eine lichterloh brennende Tankstelle und die Überreste von brennenden Straßenbarrikaden. 

Wir entschieden trotzdem weiterzufahren und ohne LKW’s und Busse kamen wir auch schnell voran. 

Es gab auch die “normalen” Polizeicheckpoints, hier entspannte Polizisten, die nichts von uns wollten – komisch. 

Kurz vor Mbeya in Uyole wurden wir wieder vom Militär (noch mehr bewaffnet und in Schutzausrüstung mit Helm) angehalten. Die gleichen Fragen, und sie meinten, wir sollen umdrehen und zurückfahren – „ja, aber wohin? Was ist hier los“, aber wir bekamen keine Antworten. Ich glaube, weil sie nicht wussten, was sie mit uns machen sollen, schickten sie uns weiter mit den Worten: „You can try it. Good luck“. Wir kamen dann noch in eine dritte Militärkontrolle….

Wir haben uns entschieden, die Details dieser unruhigen Tage nicht zu posten. Wir sind uns sehr sicher, dass die Handys abgehört wurden, GPS war gestört und alle haben eine Nachricht von der Regierung aufs Handy bekommen, dass man keine Bilder posten und „Fake News“ verbreiten darf, da sonst Strafen drohen.

Wir schafften es bis in die Utengule Coffee Farm bei Mbeya. Hier wurden wir von überraschten Gesichtern begrüßt – wie habt ihr es hierher geschafft, es ist Ausgangssperre.

Wir verbrachten hier vier Tage Ausgangssperre und wir hätten an keinem anderen Ort mit keinen anderen wunderbaren Menschen diese wilden unruhigen Tage verbringen wollen. 

Es gab lecker Essen, köstlichen Espresso Martini, kaltes Bier, großen Pool, wir haben Uno und Wikinger Schach gespielt, ich bastelte ein neues Nummernschild, wir wuschen wirklich alles, putzen Toyo und ja, haben auch Schüsse und Explosionen gehört…

Ach, aber so vier Tage auf der Coffee Farm haben selbst mich zum Kaffee trinken gebracht (weiß noch nicht, ob ich auch in Europa Kaffee trinken werde).

Es gab unterschiedliche Informationen, wie die Situation an den Grenzübergängen ist, da Tony einen beginnenden Lagerkoller erlitt, probierten wir am Dienstagmorgen, zur Grenze nach Sambia zu fahren. 

Ob wir noch vor verschlossenen Türen standen oder es hier raus geschafft haben, lest ihr im nächsten Blog.

Eure Unversehrten 

Tony&Juli 

Same same, but dieses Mal wirklich different – Ruanda

Wir machten uns auf zur Grenzstadt Cyanika, davor führte uns der Weg entlang des Lake Bunyonyi und über mehrere Bergpässe. Wir versuchten hier bei schöner Aussicht zu frühstücken, doch selbst, wenn man initial niemanden sah, kam dann schnell das halbe Dorf und starrte uns an, bettelte oder gestikulierte wild. 

Wir schafften es aber, unsere letzten Schilling in Gemüse und Diesel loszuwerden und rollten zur Grenze. Und zwar noch hungrig – ich weiß, die Vergangenheit sollte uns gelehrt haben, nie hungrig einen Grenzübergang anzustreben, aber es sollte ein „einfacher“ Übergang sein. Nachdem wir zwei Schlepper und Geldtauscher souverän abgewimmelt hatten, wurde im ugandischen Customs-Häuschen Toyo ausgestempelt. Im Nebengebäude erhielt man einen „Gate Pass“ (keiner weiß wieso), den man am Sicherheitshäuschen davor direkt wieder abgegeben hat. Dann fuhren wir nach Ruanda. Hier fährt man wieder auf der rechten Seite und das passiert irgendwie wieder im Grenzgelände. Am nächsten Häuschen wurden wir am ersten Schalter im Pass für Uganda ausgestempelt und am nächsten Schalter in Ruanda eingestempelt (haben ja das East Africa Visa) und am dritten Schalter ist Toyo in Ruanda (kostenlos) eingestempelt worden. 

Und das war es schon! Hunger hatten wir immer noch. Wir fanden wenige Kilometer hinter der Grenze einen Viewpoint auf den See und wollten da jetzt endlich brunchen. Die Aussicht war toll, wir standen gerade und waren initial allein, doch ich schaffte nicht einmal Kaffee zu kochen, bis das halbe Dorf sich um unser Auto versammelt hatte – nichts sagend – sie starrten uns nur an. Es wurde eine schnelle Eierstulle mit Avocado im Auto und dann ging es weiter. 

Das erste Städtchen war Musanze – hier holten wir uns eine neue SIM Card (SIM kostenlos 30GB für 6€), deckten uns mit lokalem Geld ein (1€ – 1620 Ruanda Franc) und kauften lokales Bier – also erst jetzt waren wir wirklich eingereist. In Musanze gibt es nur einen Ort, wo man als Overlander einkehren kann. Das ist Susa´s Garden unter niederländischer Führung mit einer schönen Grünfläche im Garten und modernem Bad. Wir nutzten die Gelegenheit und aßen im Restaurant zu Abend. Tony probierte den gegrillten Hasen und ich hatte den lokalen Eintopf – beides lecker.

Am nächsten Morgen ging es in den Ellen DeGeneres Campus of the Dian Fossey Gorilla Fund. Wir haben ja wirklich keine Erwartungen an ein afrikanisches Museum. Was haben wir da schon alles erlebt – defekte oder flackernde Leuchtstoffröhren in Schaukästen, fehlende Boden- und / oder Deckenplatten, keine englische Beschilderung, … Jetzt das – okay eindeutig westlich designed – ein unglaublich tolles Informationszentrum: fachlich toll und persönliche Geschichten von Dian Fossey z.B. ihre Original-Dissertation.

Multimedial – es gab ein 360° Kino, in dem man einen Tag mit einem kleinen Gorillajungen verbringt, eine VR-Brille, bei der man die Arbeit der Biologen begleitet, man konnte „gorillaisch“ lernen und vieles mehr. 

Man erfährt auch sehr viel darüber, dass Umweltschutz/Artenschutz nur mit den angrenzenden Communities funktionieren kann – ehemalige Wilderer sind nun Tracker und Porter, es gibt viele Woman Empowerment Projekte, Ranger, die in Schulen Unterricht geben bzw. die Stiftung, die den Zugang zu Schulen ermöglicht. 

Danach dachten wir, dass wir zum Volcano Nationalpark Office fahren und noch spontan zum Dian Fossey Grab spazieren können. Stellte es sich doch heraus, man wartet nicht überall auf der Welt auf uns. Wir wurden auf den nächsten Tag vertröstet, wählten da aber den anspruchsvollen Hike zum Vulkan Bisoke (3710m). 

Mh? Was stellen wir nun mit dem Nachmittag an? Besichtigung der lokalen Destillery? Besuch der Lavahöhlen? Aber das Schicksal hatte etwas anderes für uns vorbereitet. Wir fuhren in langsamer Geschwindigkeit durch ein Dorf mit mehreren Läden, blinkten und fuhren rechts ran. Ich schwöre, es gab keinen physischen Kontakt, aber circa 10 m weiter stürzte einer, der hier viel zu schwer beladenen und viel zu schnell fahrenden Fahrradfahrer. Er hatte 150kg Samen geladen, die sich überall verteilt hatten, der Fahrer setzte sich sofort allein auf. Plötzlich war das ganze Dorf (circa 60 Männer um unser Auto). Ich stieg aus und wollte helfen. Er verstand kein Englisch, aber plötzlich waren alle sein „Bruder“, „Freund“, „Chef“. Er hatte eine Schürfwunde an der Stirn, Schulter und Knie. Wir halfen ihm hoch und wir fuhren ihn in das 5 Minuten entfernte Krankenhaus (ein Teil des Dorfes kam mit Motorrädern hinterher). Jedes Land hat eine andere medizinische Sichtweise und Ressourcen – ihm wurde der Blutdruck gemessen und er wurde gewogen. Alles spielte sich im Wartebereich ab ohne jegliche Privatsphäre. Ich wollte mich nicht aufdrängen, bot aber an, mit meinen Utensilien die Wunden zu säubern und zu versorgen. In der Zeit begann das „Dorf“ mit Tony die „Schmerzensgeld“-Verhandlungen zu führen. 

Nachdem im Krankenhaus nicht weiter passiert ist, bot ich meine Hilfe erneut an – ich desinfizierte die Wunden (nichts zum Nähen), versorgte sie mit Pflastern, erklärte, wie damit weiter umgegangen werden soll, gab ihm weiteres Verbandsmaterial mit und gab ihm Ibuprofen. 

In der Zeit führte Tony die Verhandlungen (ach so, Polizei und/oder Versicherung wollte keiner). Wir wollten gern den Sack Samen bezahlen, plötzlich war auch das Fahrrad wohl ein „Totalschaden“. Wir betonten noch einmal, dass wir ihn ja nicht angefahren haben, er ist überladen gestürzt. Ein zweiter Radfahrer, dessen Sack kaputt gegangen sei, haben wir direkt abgewimmelt. Ich wollte schon, dass der Junge etwas bekommt, da es sehr schwere Arbeit ist. Und ich wollte vor allem, dass wir nicht den Zorn des ganzen Dorfes auf uns ziehen, da wir mit Toyo auch recht auffällig sind. Wir, also ich, waren so kurz nachdem der Grenzübergang noch mit den Umrechnungskursen unsicher war und die Diskussionen in US $, Ruanda Franc waren und es nur „Satzfetzen“ uns an den Kopf geworfen wurden „200!“ – ja, was US$ oder 200k Ruanda Franc? Wir einigten uns auf etwas dazwischen, ich legte Wert darauf, dass das auch der Junge bekommt und nicht der dubiose „Chef“. Offensichtlich waren sie damit dann durchaus zufrieden…

Bei uns war die Stimmung nach all dem trotzdem im Keller und wir nutzten dann den Nachmittag, um unsere nicht funktionierende Hupe zu reparieren. Also, es war ein Versuch. Tony war wirklich sehr akkurat beim Durchmessen, aber fand den Fehler nicht. Der Chef von Susa´s Garden bot uns seinen Mechaniker an. Dieser macht auch Hausbesuche. 

Könnt ihr euch vorstellen, dass so eine Hupe vom Lenkrad bis zum Horn vorn am Kühlergrill 3! Probleme haben kann – Relais defekt, ein Kabel, das Strom führen sollte, tat dies nicht, und ein Wackelkontakt direkt am Lenkrad.

Wir haben diesem armen Mann safe seinen Feierabend versaut, aber er wollte auch nicht aufgeben und werkelte bis lange nach Sonnenuntergang – Resümee: Wir hupen wieder uns das alles für 7€. Weil es jetzt so spät war, aßen wir noch einmal im Restaurant und hatten heute den gegrillten Fisch – wieder so so lecker. 

Am nächsten Morgen klingelte 5:50 Uhr der Wecker, wir zogen unsere Wandersachen an und mussten um 7 Uhr am Headquarters des Volcano Nationalparks sein für unsere Wanderung. Wir waren heute die einzigen, die den Bisoke besteigen wollten. Unser Guide stellte sich vor und dann ging es los. Man musste den Guide im eigenen Auto circa 40 Minuten bis zum Startpunkt der Wanderung mitnehmen. Dann nahm sich der Guide einen Porter (ich habe ja Tony) und es ging los. Irgendwie beginnen hier alle Wanderungen damit, dass man durch irgendwelche Felder laufen muss. 

Danach begann dann endlich der Nationalpark mit dichtem Primärwald – bis zum Gipfel mussten wir eine Wegstrecke von nur 4,5km, aber 1000 Höhenmeter zurücklegen. Es ging schon gut steil bergauf, leider sahen wir keine Tiere (ja, ein klein bisschen Hoffnung hatte ich, dass wir zufällig Gorillas bei dem Hike sehen). Wir waren gerade so in einer Wolkenlücke am Gipfel. 

Wir aßen gerade unsere Käsestulle (ach, habe ich noch nicht erzählt, ich habe hier 500 g Gauda für 3,50€ gekauft und er schmeckt wie Käse – das gibt es nicht oft in Afrika) als die Wolken über den Kraterrand zogen und man nicht einmal mehr den Kratersee sehen konnte (der ist wohl 100 m tief). Es wurde spürbar feucht und wir dachten erst, dass das nur die Wolke war, ja, aber es begann auch auf schlimmste Art und Weise zu regnen. 

Tony, der sonst ja IMMER den Wanderstock ablehnt, war so froh, dass er ihn heute genommen hat. Es war ein reines Gerutsche nach unten. Es war eher verwunderlich, dass wir uns nichts getan haben. Kennt ihr das, wenn von oben Wasser in die Schuhe und Hose läuft und dann eh alles egal ist – dieses Level hatten wir erreicht und sind wir mal ganz ehrlich, es macht schon Spaß, sich mal so richtig dreckig zu machen. Die Stimmung war ausgelassen (wir glauben, dass die Guides nicht verstehen konnten, was wir die ganze Zeit so lustig finden). Fazit: Wir hatten die komplette Regenwald-Experience. 

Eigentlich wollten wir noch zum Lake Kiyu fahren, doch einmal an uns heruntergeschaut, beschlossen wir, noch einmal bei Susa’s Garden einzukehren. Alle waren so besorgt um uns, es wurde ein Lagerfeuer gemacht, wir trockneten die Schuhe, hatten eine heiße Dusche und kuschelten uns unter einer Decke ans Feuer. Und weil wir etwas faul waren und es hier so gut schmeckt, sind wir nochmal ins Restaurant zum Dinner gegangen. Es gab Fish und Beef Platte.

Am Morgen wollten wir dann aber wirklich weiter, sollten von der Wiese als uns der Guard auf unserer Platten rechts vorn hin – was ist denn nun schon wieder? Ich stand sofort mit meiner Putzsprühflasche bereit und wollte auf Lochsuche gehen. Da stöhnte Tony auf „ or nee, dass sollte eigentlich nicht so runterhängen“. Ich verstand nicht was er meinte, aber dann zeigte er mir, dass der Frontstabilisator ausgerissen war uns herunterhing. Die Jungs schickten uns zu ihrer Werkstatt des Vertrauens. Wir waren ganz verzaubert, es lagen keine Werkzeuge oder Ersatzteile rum, alle trugen die selben sauberen Blaumänner und man füllte ein Formular aus.

Es gab die Option unseren Frontstabilisator zu schweißen, dass bis zum ersten Off-road gehalten hätte, oder das Teil ersetzen. Jetzt war das Teil nicht auf Lager, aber ein neuer Landcruiser stand neben uns zum Service (von der Ambulanz des hiesigen Krankenhauses), dort wurde es ausgebaut und hat in Toyo ein neues Zuhause gefunden – bleibt ja irgendwie in der Familie. Weil wir gerade in der Arbeitsgrube standen reparierten wir noch den tropfenden Dieselschlauch vom Zugangstank und nutzen die Option unseren tropfenden Wassertank neu abzudichten.

Mit all den Jungs um mich herum musste ich noch fragen, wo der nächste Barbier ist, denn sicher erinnert ihr euch, dass es den Deal gibt, dass Tony sich zu jedem Grenzübergang rasiert. Er hat zwei Grenzübergänge ausgesetzt. Der Chef (er erkannte sicher auch die Dringlichkeit) brachte uns persönlich zum Barbier. Der war etwas irritiert und wollte Tonys Bart nur trimmen, aber ich drängte auf ganz ab. Dann wollte er ihm einen Super Mario Bart stehen lassen – alles ab!

So jetzt ging es aber wirklich los. Unser Ziel war der Gishwati Forest Reserve, genauer in den Forest of Hope. Hier gibt es eine Campsite, tolle Aussicht über den Wald, und am nächsten Tag machten wir mit dem Ranger eine Wanderung. Toll ist hier, dass nicht nur die Besucherzahl auf 12 begrenzt ist, sondern dass man den Hike individuell anpasst – wir wollten Wasserfall und Primaten. Hier leben Schimpansen und die seltenen Golden Monkeys. 

Wir schlugen uns erst zum Wasserfall durch und da saß ein Drei-Horn-Chamäleon. Unser Guide meinte, dass er schon seit drei Tagen da sitzt und wahrscheinlich vom Regen dahin gespült wurde und nun nicht mehr wegkommt. Wir wurden also zu Helden des Waldes und retteten das Chamäleon. 

Dann die Info von den Trackern, dass die Golden Monkeys gesichtet wurden. Also schlugen wir uns einen Schimpansenweg den Berg lang hoch und fanden sie. 

Eine Gruppe von 20, die wir eine ganze Weile beobachten und begleiten konnten. Es wurde gefuttert, geklettert, vielleicht sich etwas gestritten, aber dann zog man gemeinsam weiter. 

Wir waren gegen Mittag zurück bei Toyo und entschieden noch bis zum Lake Kivu zu rollen. Hier gefiel uns die erste Campsite nicht (hinter einem großen Hotel mit Partyzelt) und wir wurden von einem lokalen Guide, der uns direkt eine Bootstour anbot, zur Community Campsite geschickt. Wir standen vor verschlossenem Tor, da der Schlüssel vom Vorhängeschloss nicht auffindbar war. Die Jungs fackelten nicht lange und mit zwei Steinen wurde die Kette aufgebrochen. Wir hatten Zeit, schon durchs Tor zu lunschen und da stand ein anderer Overlander, natürlich mit deutschem Kennzeichen. 

Wir öffneten ein Bier und erzählten bis zum Sonnenuntergang. Der Tobi ist die Westküste heruntergefahren und da gibt es viel zu erzählen. Wir entschlossen alle, nicht mehr zu kochen, sondern das Dorf unsicher zu machen. Wir zogen mit Stirnlampe los und kehrten im ersten Laden, der nach Essen roch, ein. Es herrschte Aufregung/Freude/Verunsicherung. Wegen einer Sprachbarriere durften wir direkt in die Töpfe gucken und nahmen einmal alles. Aus der Nachbarkneipe wurden noch drei Bier organisiert. 

Es war super lecker, alle haben sich gefreut und wir sind sehr satt geworden (drei Essen haben 2,60€ gekostet). Am Morgen entschieden wir spontan, doch den Bootsausflug zu machen und wurden direkt an der Campsite abgeholt, Tobi nahmen wir auch mit. 

Ja, es wurde erzählt, dass man zu einer Insel fährt, wo Flughunde leben und dann noch zu zwei weiteren Inseln, aber wirkliche Erwartungen hatten wir alle drei nicht. 

Doch dann standen wir IN den Flughunden. Es war so unglaublich, das Geschnatter, ihr Rumgekuschel, die Klettereien, die Mimik. Wir waren keinen halben Meter von ihnen entfernt. 

Wusstet ihr, dass Flughunde in ihren Beinen eine spezielle Sehne haben, die mit einem Widerhaken versehen ist? Sobald ein Flughund seine Krallen beugt, rastet die Sehne ein und sie kann ohne Kraft hängen. 

Ähm, und wisst ihr was ich erst danach recherchiert habe? Der Marburg-Virus-Ausbruch letztes Jahr begann vielleicht in Ruanda, übertragen von Flughunden… Aber unsere sahen alle fit aus.

Nachdem wir zum Aussichtspunkt gegangen waren, ging es zur nächsten Insel, wo wir Äffchen beobachteten, okay, vielleicht wurden sie mit einer Banane motiviert?!

Auf zum Badestopp (wir dachten vielleicht, mitten im See um das Bilharzioserisiko zu minimieren), aber es war natürlich an einer Insel. Experte Tony schaute einmal vom Boot ins Wasser, sah keine Schnecken und gab den Strand für uns drei frei. 

Der letzte Stop der Tour war eine unbewohnte Insel, die aber für Landwirtschaft genutzt wird. Nachdem wir durch Bananen- und Kaffesträucher gegangen sind, ernteten wir noch frische Macadamianüsse und öffneten sie auf dem Stein – es eskalierte kurz, wer am besten und schnellsten die Nüsse öffnete… Zum Glück hat sich keiner verletzt.

Wir entschieden, dem See noch bis zu seiner Südspitze zu folgen und fanden dort einen schönen Ort, um den Nachmittag und Abend zu verbringen. Auch der lokale Fisch wurde erneut verkostet.

Dann ging es durch den Nyungwe Forest Nationalpark. Weil unsere Schuhe gerade trocken waren, entschieden wir uns gegen eine erneute Regenwaldwanderung und fuhren nur durch. Dabei gab es tolle Landschaft mit dichtem Wald zu bewundern und es trauten sich auch ein paar Äffchen an den Weg. 

Aber unser eigentliches Ziel war heute der Königspalast. Ruanda war seitdem 15. Jahrhundert ein Königreich, welches sich über die Zeit bis in den heutigen Kongo und Uganda ausbreitete. Die Monarchie endete 1961 durch einen Volksentscheid, der Ruanda zur Republik machte – der letzte König, Kigeli V Ndahindurwa, floh ins Exil. 

Man kann sich eine Rekonstruktion des traditionellen Palastes (bis ins 19. Jahrhundert) mit diesem bienenstockförmigen Gebäude aus Stroh und Holz und den modernen Palast von 1931 anschauen. 

Tony durfte sich dann noch auf den „Thron“ setzen und wir schauten beim eigenen Bier-„Gebäude“ vorbei. 

Besonders beeindruckend waren die königlichen Rinder. Inyambo – heilige Ankole-Rinder mit enormen Hörnern, die als Symbol königlicher Macht galten und traditionell geschmückt wurden. Man kann sie auch heute noch für eigene „Zeremonien“ mieten. Ach so, man isst die heilige Kuh natürlich nicht. 

Es war noch nicht so spät und in der Region gab es nicht so wirklich etwas zum Schlafen (einzige Option: der Parkplatz des Palastmuseums – eher unsexy), sodass wir noch 80km bis nach Kigali rollten. 

Da gibt es sogar eine Free Walking Tour und die probierten wir aus! Treffpunkt: Sonntag 10 Uhr am Kreisel beim Conference Center. Wir fuhren mit Toyo in die City und überall waren Straßensperren und sehr bewaffnete Herren – Mh, was ist denn hier schon wieder los?! Wir parkten Toyo (Sichtweite zum Soldaten) und wunderten uns dann, dass Aberhunderte auf dem „Kreisel“ Sport machten. Wir erfuhren, dass der erste und dritte Sonntag im Monat „car-free“ ist und man sich zum Sport machen trifft. Und der Präsident hat mitgemacht, daher das Sicherheitsaufgebot.

Habe ich schon erwähnt, dass Ruanda mega sauber ist?! Plastiktüten wurden 2008 per Gesetz verboten, der letzte Samstag im Monat ist „Putztag“, von 7-10 Uhr muss jeder putzen, Unkraut am Gehweg wegmachen, das Haus streichen, usw.

Wir waren nur zu zweit auf der Tour und zu erst probierten wir das Haupttransportmittel, die Moto-Taxis aus – immer mit Helm und auch die werden auf Elektro umgestellt. 

Wir tingelten durch die Street-Art-Straße in Oldtown, passierten das Food Area (Streetfood gibt es hier nicht, es schickt sich nämlich nicht mit Essen rumzulaufen). 

Dann machten wir einen Geschichtsstop im Belgischen Viertel – prägender Ort vom Beginn des Genozids 1994.

Aber unser Resümee: Kigali und Ruanda sind modern, haben Ambitionen, tolles Umweltbewusstsein und hegen keinen Groll auf die Vergangenheit. 

Unser letztes Ziel in Ruanda war der Akagera Nationalpark, wegen seines Tierreichtums wurde dieses Gebiet bereits 1934 von den Belgiern zum Schutzgebiet erklärt. 

Es gibt hier großartige Landschaft – zehn Seen, weite Sumpfgebiete, Gras- und Buschsavannen und Berge. Und es ist ein Park, in dem man die Big 5 finden kann. Wir waren Punkt 6 Uhr am Gate und hochmotiviert, aber bis zum Mittag zeigten sich nur ein paar Antilopen. Aber dann lag ein Nashorn im Schlamm – gefolgt von einem weiteren Nashornpärchen. 

Okay, zu erst ein Nashorn, das hatten wir auch noch nicht, aber so können wir arbeiten. Danach zeigten sich die üblichen Verdächtigen, auch gab es noch Büffel, aber keine Katzen. 

Wir entschieden uns, in den Bergen auf der Campsite zu schlafen, um hier vielleicht einen Leoparden zu sichten, doch außer einer tollen Aussicht über den Park gab es an Wildlife wenig. 

Früh um 6 Uhr fuhren wir wieder los und machten zu erst den Loop, wo wir am Vortag die Nashörner gefunden hatten, und wir haben sie wirklich wiedergefunden und noch weitere. Dann ein komisches blechendes Geräusch an und in Toyo. Wir stoppten und schauten uns entsetzt an. Waren nun doch die Federn ausgerissen und die Hinterachse beschädigt?! Müssen wir nun abgeschleppt werden? Hier im Busch?! Wir sprangen aus dem Auto und guckten unter Toyo – Federn waren noch da, wo sie hingehörten, aber es lag etwas Komisches Rundes auf dem Boden. Tony guckte unter die Motorhaube und fand den Übeltäter schnell, es war der Spanner vom Riemen der Klimaanlage. 

Wir haben eine neue Skala eingeführt für Toyos Defekte: 0 (ohne Einschränkungen weiterfahren – 10 abgeschleppt werden). Da nur die Klimaanlage nicht mehr geht, eine 2. Mit Option zur 3, da wir kurz danach durch den Tse-Tse-Fliegen Bereich gefahren sind und mit geschossenen Fenstern wird es super schnell unerträglich warm im Auto.

Wir trafen das erste andere Safariauto, das aus Norden kam, und dachten, wir können mit unseren Nashörnern (natürlich mit GPS-Koordinaten) „handeln“ und so erfahren, wo vielleicht Löwen zu sehen sind. Doch uns verwunderte, dass sie so gar nicht an unseren Nashörnern interessiert waren. Wir probierten es also allein im Norden, da dort eine große Pan ist. Und da fanden wir wirklich ein junges, verliebtes Löwenpärchen in einer kleinen „Liebeshöhle“.

Bei einem Blick über die Pan erblickten wir weitere fünf Nashörner, Büffel und Antilopen. Und jetzt wunderte es uns auch nicht mehr, dass die Autos aus dem Norden so uninteressiert waren, denn neben der Pan ist auch die Boma (eine besonders gesicherte Gegend), denn erst vor drei Monaten sind neue Breitmaulnashörner aus Südafrika gekommen und die leben sich hier erstmal ein.

Wir fuhren erst um Punkt 18 Uhr aus dem Park, um alles aus unserem Tagesticket rauszuholen, und waren wirklich beeindruckt von diesem tollem Nationalpark, und er wird uns als „Nashorn-Park“ in Erinnerung bleiben. 

Nach einem ruandischen Frühstück (trockene Chapati, trockene frittierte Teigbälle und Ingwer-Masala-Milch) ging es zur Grenze nach Tansania. Ob Visa-on-arrival an dieser untouristischen Grenze klappt, ob wir alle Papiere haben, lest ihr im nächsten Blog!

Eure Hobby-Mechaniker 

Tony&Juli 

Schlammschlacht und ihre Folgen – Uganda

Nach unserer „Einzahlung“ in der Bretterbude gab es natürlich eine Quittung und mit der ging es zurück ins Grenzgebäude, wo unser gestempeltes Carnet auf uns wartete.  Wenn die Grenzgebäude fertig sind, soll es hier auch einen ATM geben und alles digital laufen. Also schnell, wenn euch auch noch Dokumente fehlen…

Wir hätten nicht damit gerechnet, dass wir so entspannt über die Grenze kommen, da musste erst einmal ein Rolex (Streetfood in Uganda – ein Chapati mit eingewickeltem Gemüseomlett, circa 50 Cent), lokale SIM und ugandisches Bier her.

Unser erstes Ziel waren die Sipi Falls am Mt. Elgon Nationalpark. Ebenfalls ein alter riesiger erloschener Vulkan und wenn man die Größe des Massivs betrachtet, geht man davon aus, dass der Vulkan sogar größer als der Kilimandscharo gewesen sein muss. Ich hatte uns schon eine Campsite rausgesucht mit Blick auf den Wasserfall. Als wir einbiegen wollten, stoppte ein Motorrad und meinte, dass sie uns hinbringen. Wir wollten das gar nicht, da wir auch schon da waren und haben sie erst einmal ignoriert. Schnell taten sie so, als ob die auf der Campsite arbeiten würden und drückten mir die Preisliste für die Aktivitäten in die Hand. Dann kam der Chef und dem sagten sie, dass sie uns hergebracht haben und wollten eine Provision. Schnell klärten wir, dass wir allein hergekommen sind. Irgendwie komisches Gefühl… Aber der Ausblick ließ diese Diskussion schnell vergessen. 

Wir machten mit dem Chef aus, dass wir mit seinem Guide die Wasserfallwanderung machen wollen. Am Morgen standen dann der Chef mit seinem Guide und dieser andere dubiose „Guide“ an unserem Auto. Es gab eine hitzige Diskussion in Landessprache. Plötzlich war man sich auch mit der vereinbarten Summe nicht mehr sicher. Komische Situation, ich wäre am liebsten gefahren, aber dann haben sich alle beruhigt und wir sind losgelaufen. Es waren nette Wasserfälle, der Guide hat aber nicht mit der größten Sympathie oder Fachwissen gepunktet.

Wir bekamen das Upgrade der Wanderung mit Höhlenbesichtigung. Es wurde einem Farmer (eher einem Kuhhirten) ein Schein zugesteckt, weil er der Besitzer der Höhle sei (im Nationalpark?). Auf die Frage, ob es in der Höhle Fledermäuse gibt, gab es ein klares „nein“ und gefühlt genau in dem Moment flatterten uns die ersten Fledermäuse um den Kopf. 

Nach der Wanderung schauten wir, dass wir zügig wegkamen, da gerade ich mich da nicht so wohl fühlte.

Unser nächstes Ziel war Jinja – Source of Nile und Rafting-Hauptstadt. Wir bekamen den Tipp für eine schöne Campsite genau am Fluss. 

Am nächsten Morgen ging es zum Rafting. Wir hatten es 2020 schon einmal gemacht und Tony wollte unbedingt nochmal die Rapids fahren (Stufe 3-5). Wir waren die einzigen „Kunden“, sodass wir noch zwei lokale „Paddler“ dazubekamen. Fand ich toll, endlich jemand, der weiß, was er tut.

Es war wie erwartet wild, wilder, Nil, aber wir flippten diesmal nicht…

Es ging knapp 20km den Nil flussabwärts. Zurück auf der Campsite verbrachten wir den Nachmittag mit Routenplanung (also was wir am nächsten Tag machen wollen) am Pool und konnten von hier auch die Stromschnelle (in einer Karte sogar als Wasserfall bezeichnet) beobachten.

Am nächsten Tag machten wir uns schweren Herzens von dieser schönen Campsite los, denn wir wollten es bis zum ältesten Nationalpark des Landes schaffen – Murchison Falls Nationalpark. Auf dem Weg plötzlich (ach so, wir fahren ja immer mit offenen Fenstern) gab es ein Geräusch. Irgendwas „flog“ hinter Tonys Kopf entlang, striff meinen Arm und kam im Fahrerfußraum zum Liegen. Wir guckten uns beide verdutzt an, Tony war sich sicher, dass das „ein Viech“ sei. Wir hielten an. 

Keine Ahnung, was der Vogel vorhatte? Wollte er durchs Auto fliegen? War er krank oder abgelenkt? Auf alle Fälle war er jetzt tot im Fußraum – ich weiß auch nicht, warum uns immer sowas passiert. 

Trotzdem kamen wir in Murchinson Falls Nationalpark an und waren noch etwas unentschlossen, wie lang wir bleiben, ob wir im Park schlafen, da laut der Preisliste ein 4×4 Auto oder Overlander 150 USD (also nur Toyo) kosten sollte. Wir parkten nicht direkt vor dem Kassierhäuschen und versuchten unser Glück und antworteten „Car with a foreign plate“, aber ein Angestellter fügte „Landcruiser 4×4“ hinzu. In der Preisliste kostet selbst ein Minibus „nur“ 50 USD, sodass ich hinzufügte: „but it feels like a Minibus and this is my lovely bus driver“. Wir haben dann nur 50 USD bezahlt. 

Unser erster Stop waren die Wasserfälle – the world’s most powerful waterfall. 

Hier hat der Nil seine engste Stelle mit nur sieben Metern und so zwängen sich 300.000 Liter Wasser pro Sekunde durch die Schlucht, fallen 45 Meter tief und bilden den Lake Albert. 

Erst war man durch den Wasserfall nass, dann liefen wir noch die Schlucht herunter und waren noch einmal nass geschwitzt, weil die Luftfeuchtigkeit so unglaublich hoch war. 

Die Sonne senkte sich und wir wollten eigentlich vor dem Sonnenuntergang im Camp – Red Chilli sein. Aber dann dachten wir, dass der Sunset auf der Brücke über den Nil auch ganz ansehnlich wäre. 

Nach einem leckeren Sundowner (mit neidischen Blicken der Pauschalreisenden, die nur für ein Foto stoppten und dann getränkelos weiter mussten) rollten wir ins Camp. Es dauerte nicht lange, bis ein anderer Overlander neben uns parkte. Der erste seitdem wir dieses Jahr unterwegs sind. Platzwart Adam sprang aus dem Auto und suchte das Gespräch – wir kannten die beiden Holländer… Wir hatten sie 2023 in Lusaka kennengelernt. Der Herr hat geholfen, unseren Ersatzreifen aufs Dach zu bekommen. Es war ein zauberhaftes Gespräch mit Rückblicken, Empfehlungen und weiteren Reiseideen. 

Der Wecker klingelte um 5:55 Uhr, sodass wir pünktlich um 6:15 zum Morning Game Drive los konnten… Das ist hier wirklich kein Urlaub, sondern harte Arbeit. 

Dieser Nationalpark, der größte und älteste des Landes, gefällt uns spontan. Erst fuhr man durch dichten Primärwald und konnte überall unterschiedliche Äffchen beobachten, und dann wechselte die Landschaft nördlich des Flusses in eine „typische“ Savannenlandschaft: Akazienbäume, weite Pfannen, kleine Wasserlöcher. 

Wir wurden verwöhnt mit einsamen Momenten mit Elefanten, Büffeln und Hippos, doch wir wollten mehr und fuhren ganz aufmerksam am Flussdelta entlang, als ich plötzlich links von uns eine Löwin mit ihrem Kill sah. Was es genau war, da gehen unsere beiden Meinungen auseinander. Ich denke, es war eher etwas Kleines, vielleicht ein Helmperlhuhn. Tony will einen Büffelkopf gesehen haben. Halten wir fest: Es war eine Löwin. 

Die Nacht danach verbrachten wir im geschichtsträchtigen Masindi Hotel. Hier hat Ernest Hemingway sich nach seinen BEIDEN Flugzeugabstürzen erholt. 

Es fühlte sich etwas wie ein kleines Museum an. Es gab eine Hemingway Bar mit Original Zeitungsartikeln seines Absturzes, original Briefen und tollen Cocktails. 

Am nächsten Morgen führte unser Weg weiter nach Süden zum Queen Elizabeth Nationalpark. Ach, was ich noch erzählen wollte: Genau wie der Murchison Falls Nationalpark ist auch der Queen Elizabeth Nationalpark nur entstanden, weil es eine große Tse-Tse-Fliegen-Plage (Überträger der Schlafkrankheit) gab und die Gebiete evakuiert wurden und dadurch Jahrzehnte menschenleer waren. So konnten sich Tierbestände erholen, aber man musste auch gegen die zunehmende Wilderei eingreifen. 

Was noch viel wichtiger war, dass wir erneut mit Toyo den Äquator überquerten. War es vor dem Frühstück? Vielleicht… Wurde trotzdem die selbstdefinierte Tradition, dass ein Schnaps getrunken werden muss, durchgezogen? Vielleicht…

Wir fanden eine schöne Campsite, die offiziell im Nationalpark war, aber noch ohne Eintrittsgebühr. Schon am Eingang der Campsite begrüßte uns eine Herde Büffel und es streunerten Warzenschweine herum. Wir machten trotz Regen ein Feuer und probierten uns im Burger braten. Es gab nur 500 g gefrorenes Hack, aber mein selbstgebauter Burger war wirklich lecker und das „Auftauwasser“ vom Hack verteilte ich als Lockmittel um Toyo. 

Was für eine Sichtung! Die Chefin meinte noch, dass hinter ihrem Haus Löwen waren, die einen Büffel gerissen hatten – was eben so passiert in der Nachbarschaft in Afrika. 

Am Morgen machten wir uns wieder als erste auf zum Gate und versuchten unser Glück beim Morning Game Drive.

Im Nordosten gibt es einen Salzsee mit einer Dead-End-Straße und wir wollten hier in Ruhe frühstücken, doch da stand noch ein anderes Auto… Kann man denn hier nicht einmal alleine frühstücken?! Doch das haben wir schnell zurückgenommen, denn da stand auch ein Leopard vor uns. Wir waren so aufgeregt und hatten weder Kamera noch Handy parat – ich sollte uns positionieren und Tony den Leopard im Auge behalten, doch ich weiß nicht, was Tony gemacht hat, oder wie lange er zwinkert – er hat den Leoparden, der fünf Meter vor uns stand, aus den Augen verloren…

Wir warteten und warteten und hatten Frühstück und warteten… Es zahlte sich aus!

Zum Nachmittag wollten wir den Kazinga Channel Bereich erkunden. Ich weiß nicht, ob es schon klar geworden ist, wir befinden uns derzeit am Anfang der kleinen Regenzeit und zack steckten wir im Schlamm. Memo an uns – wenn da kein anderer langfährt, hat das einen Grund. Ich stieg aufs Dach, holte den Baumschutzgurt, hielt nach Löwen Ausschau und Tony startete die Winde. Wir wollten auf keinen Fall die MaxTrax benutzen, weil das immer so eine Sauerei ist…

Kurz danach steckte ein Safari-Auto im Seitengraben… Hier waren schon Ranger vom Nationalpark vor Ort, doch noch recht ratlos… Da sahen sie Toyo! Toyo regelte das natürlich auch. 

Dann kam ein heftiger afrikanischer Schauer und vielleicht eine minimal überhöhte Geschwindigkeit in einer Kurve (ich sage jetzt nicht, wer am Steuer saß) zusammen mit einer Fahrbahnoberfläche, die sich quasi aufgelöst hat, und unsere rechte Seite fuhr in den Graben… Von dem Safari-Auto, das wir rausgezogen hatten, haben wir gelernt, dass man am besten im Graben weiter fährt, bis die Fahrbahn wieder besser ist… So der Plan, aber dann kam ein seitlicher Grabenabfluss, dem Toyo natürlich folgte… 

Wir steckten fest – kein vor, kein zurück. Es kamen Safari-Autos vorbei, doch alle ohne Winde und sie kämpften auch mit der Straße. Wir hatten zwischenzeitlich Angst, dass sie in uns reinrutschten. 

Ich kletterte aufs Dach und holte dann doch die MaxTraxs runter und den Spaten – die Schlammschlacht von Uganda begann. 

Vor uns setzten sich noch zwei weitere Safari-Autos in den Graben. Alle danach fuhren langsam rückwärts und drehten. Was nun? Unser Ehrgeiz war gepackt, dass wir es allein (also zusammen als Team) schaffen wollten. Tony draußen, zeitweise auf der Suche nach den MaxTracks, weil sie so im Schlamm vergraben waren und am Schlamm schaufeln. Ich auf dem Fahrersitz mit allen Sperren und Untersetzung ohne Gas nur an der Kupplung spielend.

Wir fuhren so sicher mehrere 100 Meter rückwärts – halb im Graben hängend, aber es funktionierte. Wir kamen zurück auf den Track, wo die Oberfläche noch ok war… Jetzt aber schnell raus hier! Mit den letzten Sonnenstrahlen rollten wir auf die Campsite. 

Neue Etappe am nächsten Tag: Der abgelegene Teil des Queen Elizabeth Nationalparks – Ishasha, an der kongolesischen Grenze, bekannt für seine baumkletternden Löwen. Wir wollten im Park am Ishasha Fluss schlafen und hatten gehört, dass man wegen der Nähe (Flussbreite circa 8 m) zum Kongo und der instabilen Lage da drei Soldaten zur Nachtwache bekommt. Wir waren etwas verunsichert, da uns keiner einen Soldaten an die Seite stellte, es war aber auch Unabhängigkeitstag in Uganda, vielleicht haben alle frei? Wird schon gut gehen…

Wir suchten alle Feigenbäume nach den Löwen ab, doch fanden keinen, dafür verschlafene Eulen, viele Kuhantilopen und Elefanten. Die Sonne neigte sich und wir fuhren zu unserem Camp und dann kam ein Herr, der uns beim Feuermachen half. Ich dachte, dass er auch die Nachtwache ist und um unsere Freundschaft zu stärken, machte ich ihm auch einen Sundowner. Wir hatten aus Mangel an Brot fix Teig angesetzt. Ich will jetzt nicht hören, dass Teig stundenlang ruhen muss – nichts muss er. 

Es stellte sich heraus, dass der Feuermann nicht die Nachtwache war. Man sagte zu uns, wir sollen keine Angst haben, wenn drei bewaffnete Soldaten kommen, aber fragten uns, woran wir erkennen, dass sie von der „richtigen“ Flussseite sind. 

Es war eine ruhige Nacht, außer dass die Hipps die ganze Nacht eine lautstarke Auseinandersetzung hatten. 

Am nächsten Morgen ging es Richtung Bwindi Impenetrable Nationalpark. Der Ort, wo das Gorilla Trekking stattfindet. Wir haben lange überlegt, ob wir es noch einmal machen. Haben uns dann aber aktiv dagegen entschieden, da wir schon ein perfektes Trekking hatten (drei Gorilla Babys, die uns angefasst haben, zwei Silberrücken, einer davon zwei Meter zwischen uns durchgestürmt…). Wir wollten im Bwindi einen Bird Watching Hike machen, doch dann gab es ein neues Geräusch an Toyo. Tony schaute noch am Wegesrand unters Auto und sah, dass nun auch rechts eine der Blattfedern gebrochen war. 

Stimmung etwas angespannt – was tun? Achsschaden hinten riskieren? Ignorieren? Buschlösung? Toyo bereitet solche “Überraschungen“ immer zum Wochenende. Ich fand im 50km entfernten Dorf eine Werkstatt und kontaktierte sie – keine Antwort. So beschlossen wir, das Dorf zu erkunden, es gab ein Rolex und wir tranken Bier in der Dorfkneipe. 

Ich beschloss, dass wir keine Vogelwanderung machen, da Tonys Gedanken sich eh nur um Blattfedern drehten. Die Werkstatt meldete sich spät abends und so vereinbarten wir ein Treffen am Samstagmorgen. 

Schnell war allen klar, dass es nur eine provisorische Lösung geben wird, aber das war uns recht, Hauptsache es wird irgendetwas gemacht. 

Innerhalb einer Stunde wurden erst mit roher Gewalt, dann mit Gummischnüren unsere Federn „fixiert“. Danke Bachu, mal schauen, wie weit wir es damit schaffen…

Wir entschieden, den restlichen Tag am See Bunyonyi zu verbringen. Uns wurde ein Kanu angeboten, um den See zu erkunden. Scheinbar gibt es unterschiedliche Vorstellungen von Kanu… Es wurde uns ein Einbaum ans Schilf gebracht – okay, dann so. Wir paddelten motiviert los, merkten aber schnell, dass eher der Wind entschied, wohin es geht, aber wir konnten mehrere Otter beobachten. 

Wir nutzten den sonnigen Nachmittag noch für Laundry, der Wettergott meinte es aber nicht allzu gut mit uns, aber Toyo ist auch eine ausgezeichnete Trockenkammer. 

Heute war das Tagesziel – letzte ugandischen Schilling ausgeben und über die Grenze nach Ruanda. 

Ob wir es nach Ruanda geschafft haben oder immer noch auf dem See vom Wind herumgetrieben werden, lest ihr im nächsten Blog. 

Eure Federlosen 

Tony&Juli 

Holpriger Start – Kenia

Es war mal wieder Zeit, unser Carnet de Passage zu verlängern bzw. unsere Entzugserscheinungen nach Abenteuer mussten gestillt werden.

Sonst geben wir Toyo bereits vor unserer Ankunft in eine „vertrauensvolle“ Werkstatt, doch in Mombasa hatten wir uns dagegen entschieden. Wir wollten Toyo auch mit neuen Stoßdämpfern verwöhnen. Unser Autobauer Tom und unsere Internetrecherche hatten die australischen Though Dog Stoßdämpfer empfohlen und wir fanden sogar einen Vertriebshändler in Nairobi. Long Story short: Nachdem Motto: „Kunde droht mit Auftrag“ reagierte der Händler in Nairobi natürlich nicht. Ich schrieb dem Offroad-Club von Nairobi, ob sie da nicht jemanden „kennen würden“ und plötzlich wurden unsere Stoßdämpfer bestellt… Wir sollten 800€ auf ein kenianisches Konto überweisen und man verblieb mit „wir bauen sie dann ein, wenn ihr da seid“.

Wir hatten auch einen Kontakt (natürlich nur über WhatsApp) mit einer Bearbeiterin des kenianischen ADAC, die uns unser Carnet de Passage „umstempeln“ sollte – auch in Nairobi.

Also ging unser Flug von Berlin über Doha über Nairobi nach Mombasa (Toyo steht in Mombasa). Wir sollten morgens um 8 Uhr landen und hatten den Tag voll durchgeplant (putzen, auspacken, einkaufen und bereits ein Stück Richtung Nairobi fahren).

Doch es schlich sich bereits in Doha der Fehlerteufel ein – 2h standen wir vor dem Rollfeld, weil „ein Dokument vom Flieger“ fehlte?! Wir hatten nur eine Stunde Umstiegszeit in Nairobi, sodass wir unseren Anschlussflug ohne uns befürchteten. 

Kurz vor Landung (zur Abflugszeit der Mombasamaschine) wurden wir im Flieger ausgerufen (mit vier anderen), dass wir gesondert abgeholt werden. Es machte sich in mir ein Fünkchen Hoffnung breit, dass die Maschine wartet (oder setzt man uns sechs einfach in eine kleine Privatmaschine nach Mombasa?!).

Ich kann verraten: keiner wartete! Eine Dame vom Flughafen (keine offizielle Kleidung) sammelte uns ein, wir bekamen unseren Einreisestempel für Kenia und sie begleitete uns zum Gepäckband – keine Infos wie es weitergeht. In der Qatar App sah ich, dass man uns auf 19:30 Uhr nach Mombasa umgebucht hatte… 13h am Flughafen Nairobi, wo es nichts gibt?! Wir flehten die Dame am Schalter an, uns wenigstens auf die 13 Uhr Maschine umzubuchen – fully booked, aber wir sollten uns zu 13 Uhr ans Gate setzen, falls jemand nicht erscheint, können wir mitfliegen. Unser Gepäck wurde zusammen mit den anderen Deutschen vom verpassten Flug eingecheckt (ich hatte gleich zu bedenken gegeben, dass es jetzt nicht zu Verwechslungen kommt, aber die Dame meinte etwas genervt, dass sie das im Griff hat).

Wir saßen wie die traurigsten Gestrandeten in der ersten Reihe am Gate (ab 10 Uhr). Ach und bitte denkt nicht, dass wir irgendwelche Gutscheine/Vouchers oder irgendwas als Entschädigung angeboten wurde. 

11:30 Uhr dann Bewegung, uns wurden nichts sagend unsere Pässe abgenommen (in der App waren wir dann auf den 13 Uhr Flug umgebucht), doch noch ohne Platz und Boardkarte. Wir mussten beobachten, wie sich dieses ausgebuchte Flugzeug immer weiter füllte, dann Last Call und man überreichte uns zwei Boardkarten. Aber was ist mit unserem Gepäck? Ein Mitarbeiter wollte sich drum kümmern und wir sollten schon einmal einsteigen.  Also natürlich übers Rollfeld zum Flugzeug laufen… Da sehe ich doch, dass natürlich die Koffer der anderen Deutschen (wir wissen nicht, wo die abgeblieben waren) fälschlicherweise unsere Gepäcketiketten trugen. Wir riefen „Stop, stop!“, eilten übers Rollfeld und suchten unsere Rucksäcke selbst. Kurze Verwirrung – diese wurde damit gelöst, dass die falschen Etiketten abgerissen wurden und unsere Rucksäcke als letzte Gepäckstücke mit einem Traktor zum Flieger gebracht wurden.

Wir kamen also mit nur fünf Stunden Verspätung in Mombasa an. Hedi, unsere Schweizer Gastmutter, hatte in der Zeit beschlossen, dass heute nichts weiter passiert – sie hatte Abendessen gekocht und uns ein Zimmer richten lassen.

Nachdem wir nur sehr halbherzig unser Gepäck eingeräumt hatten, fielen wir ins Bett. Am nächsten Morgen starteten wir zeitig, um den Verkehr von Mombasa zu umgehen und um nach Nairobi zu kommen wegen unserer ganzen Termine (genau heute läuft das Carnet ab🫣). Bei 534 km mit unzähligen Dörfern, langsamen LKWs und korrupten Polizisten war es unmöglich, zu irgendeiner Geschäftszeit Nairobi zu erreichen.

Mist, was nun? Etwas geknickt kamen wir in unserem Zweit-Zuhause in Nairobi, der „Jungle Junction“ an. Ich bin ein bisschen Fan-Girl vom Besitzer. Er hat hier in Afrika wirklich schon alles erlebt. In den 80er ist er mit dem Motorrad auf den Kilimandscharo gefahren – vllt 😎…

Ich kann nichts Genaues sagen, aber das Carnet wurde auf dem kurzen Dienstweg gestempelt. Die Road Tax für Kenia und den lokalen Versicherungschein hatte ich vorsichtshalber schon zuhause „aktualisiert“.

Den nächsten Tag ging es zur Werkstatt, wo wir wirklich erwartet wurden und unsere Stoßdämpfer bereit lagen. Zusammen mit dem Social Media Team der Werkstatt und von Though Dog Kenya. 

Tony wurde interviewt, es gab eine Insta Story über Toyo, der Chef vom Offroad-Club Kenia kam vorbei und alle waren ganz aufgeregt. Wir fragten höflich, wie lange der Service und Einbau dauert: „4-5h – kein Problem“. Ich kann erneut verraten, dass wir in einem Zimmer und nicht in Toyo geschlafen haben, weil er nicht fertig wurde. Der Frontstabilisator war noch verschlissen und musste besorgt werden.

Wir machten das Beste draus. Die Werkstatt-Jungs setzten uns an einem schönen Restaurant ab und am nächsten Tag besuchten wir das Karen Blixen Museum. 

„Jenseits von Afrika“? Klingelt es da nicht bei euch? Die autobiografische Verfilmung der dänischen Autorin, gespielt von Meryl Streep und ihrem Lover Robert Redford. Absolute Guck-Empfehlung! Und ich sag euch, die Märkte sehen noch exakt so aus.

Da sich die Werkstatt noch nicht gemeldet hatte, vertrieben wir uns den Nachmittag auf dem Farmers Market und probierten uns durch das lokale Bier und Köstlichkeiten.

Doch um 15 Uhr beschlossen wir, zur Werkstatt zu gehen, um etwas Präsenz zu zeigen, und wir konnten Toyo nach weiteren zwei Stunden warten mitnehmen. 

Den letzten Feinschliff bekam Toyo in der Werkstatt von Jungle Junction und dann rollten wir vom Hof. 

Unser erstes Ziel außerhalb einer Werkstatt war der Mt. Kenya Nationalpark. Wir sprangen in die Wanderschuhe und es ging durch den Regenwald zu einem Wasserfall. 

Das Besondere an der Campsite war, dass man den Gipfel des Mt. Kenya sieht. Als wir ankamen, hing er wie so oft in den Wolken… Wir machten unser erstes Feuer und genossen den ersten Abend in dieser alm-ähnlichen Umgebung.

Am Morgen wachte ich auf und man sah etwas mehr als am Vortag, und dann riss es binnen fünf Minuten komplett auf. 

Das hatten wir aber wirklich verdient nach dem holprigen Start. Wir fuhren entlang der Westseite des Berges, bis dann das nächste Highlight wartete – ToYo überquerte das erste Mal den Äquator.

Ich hatte online nur Seemannsbräuche gefunden, sodass wir einfach einen Schnaps tranken.

Im nächsten Dorf Nanyuki machten wir kleine Erledigungen und ich hatte gelesen, dass dieses Dorf für sein Kamelfleisch bekannt ist. Ich fragte den Jungen von der Tankstelle, wo der Place to be ist. 

Wir bestellen Kamelfleisch und für jeden ein Glas Kamelmilch. Fazit: Das Fleisch war super lecker, die Milch hat doch etwas speziell geschmeckt…sehr gesund.

Unser Nachtlager schlugen wir auf dem Laikipia Plateau auf. Wir hatten uns die Wakumbe Hill Campsite rausgesucht in einem von der Community betriebenen „Schutzgebiet“. Also gelesen hatten wir, dass man zur Sicherheit zwei Ranger an die Seite bekommt während der Nacht. 

Aber als wir ankamen, war nur die Community-Katze motiviert und wir sagten den Jungs, dass wir recht erfahren sind und keine Ranger brauchen, das war für sie auch okay. 

Es handelte sich um Wildcamping, es gab auf dem Plateau „nichts“, nur Wildnis und tolle weite Fernsicht.

Weiter führte uns der Weg an der Kante des ostafrikanischen Grabenbruches zu dem Salzsee Bogoria mit seismischer Aktivität. 

Die Campsite lag an der heißen Quelle und so gönnten wir uns ein Bad im warmen Wasser und rieben uns mit dem bestimmt sehr heilsamen Schlamm ein (unsere Füße werden immer noch „geheilt“).

Am nächsten Tag erkundeten wir den See, aber um gestärkt für den Tag zu sein, musste ein Frühstücksei her, was natürlich im kleinen Geysir gekocht wurde.

Einige Wege waren überflutet, sodass wir Toyo abstellten und uns zu Fuß aufmachten. Scheinbar kommen da aber nicht so viele vorbei, als wir die einzige Frischwasserzulauf des Salz-Sees fanden, erschraken sich sämtliche Krokodile und Vögel und flüchteten erst einmal, aber wir wollten doch unsere neue Kamera einweihen. 

Kurz danach entdeckten wir auch die versprochenen Flamingos, da scheinbar recht hoher Wasserstand war, standen sie nicht wie sonst grazil im Wasser, sondern schwammen wir eine „gewöhnliche“ Ente, dadurch verlieren sie etwas von ihrem Reiz.

Weiter ging die Route durch den ostafrikanischen Grabenbruch mit zahlreichen Stops um die Aussicht zu bewundern. 

Und weiter auf der anderen Bruchkante wieder nach oben nach Iten – die Heimat der kenianischen Marathonläufer. Das ganze Dorf trägt Laufschuhe, überall gibt es Runner Unterkünfte und jeder rennt hier auf 2400 Höhenmetern. 

Wir überlegten, ob wir diese klassische Mid-30-Krise bedienen und hier mit einem Marathontraining beginnen oder einfach nur eine Wanderung entlang der Bruchkante machen.

Unser Guide war 18 und kannte jeden auf dem Weg. Die Wanderung begann im Dorf, dann durchquerten wir das Maisfeld vom Onkel, kreuzten das Spiantbeet vom Cousin und da er merkte, dass wir für „Weiße“ recht fit und trittsicher waren, wurde es eine Kletterei bis zu wirklich jedem Steinvorsprung mit Ausblick ins Tal.

Natürlich ist er auch Runner, seine 5km Zeit ist 16min, er ist noch zu jung für Marathon, aber natürlich kennt er auch den Gewinner des Berlin Marathon von vor zwei Wochen – netter Typ. 

Er erklärte uns, dass nicht die Höhenlage das Erfolgsgeheimnis ist, sondern man müsste „schnelles Essen essen“, er meinte damit schnelle Tiere wie z.B. Hase 🫣.

Langsam führte uns der Weg Richtung Grenze nach Uganda. Unser letzter Stop war das Städtchen Kitale. Wir nutzten den Ort, um unsere letzten kenianischen Schilling für Vorräte auszugeben, tankten voll und stärkten uns in einer kleinen kenianischen Garküche. 

Wir wollten Ziege kosten, die gab es nur als 1/2 Kilo vom Grill, dazu jeder eine Rolex (Rüherei, welches in ein Chapati gerollt wird). Ich sag euch, die Ziege war so lecker, dass wir ein weiteres halbes Kilo bestellten. 

So gestärkt konnte es zur Suam Grenze gehen. Hatten wir uns diese Grenze herausgesucht, weil sie noch im Bauprozess und deshalb noch nicht digital ist – vielleicht bzw. hoffentlich… 

Mit einem etwas mulmigen Gefühl geht es ja immer zu afrikanischen Grenzübergängen, aber erst recht, wenn man möglicherweise relevante Dokumente nicht hat und eine mögliche Strafe von 500 US$ droht und vielleicht andere Dokumente am heimischen Drucker „aktualisiert“ wurden. 

Unsere Taktik – Smalltalk, Darbietung unserer Swahili Kenntnisse und so zu schwärmen, dass man unbedingt wiederkommen will.

Ausreise Kenia ✔️

Für Uganda fühlte ich mich besser vorbereitet, hatte ich uns schon in Berlin das East African Visa beantragt und bezahlt, mussten wir hier nur noch unsere Fingerabdrücke abgeben. 

Einreise Uganda ✔️

Musste nur noch ToYo einreisen – nächstes Gebäude, selber Smalltalk doch dann konnte man die Road Tax nur mit dem afrikanischen „Paypal“ bezahlen. Doch Hilfe nahte, wir gingen hinter die Grenze, tauschten am Straßenrand 10.000 kenianische Schilling in 260.000 ugandische Schilling, damit ging es in die nächste Bretterbude, wo es „eingezahlt“ wurde. 

Willkommen Uganda! Bleibt gespannt, wie es weitergeht (wir sind es auch). 

Eure Overlander

Tony&Juli

Afrikafieber wieder entfacht, nein kein Malaria – Kenia

Unsere Herzfrequenz erhöhte sich, denn wir hatten weder etwas ausgedruckt, bzw. überhaupt eine Reisegenehmigung.

Da die Warteschlange so lang war, stellte sich Tony bereits bei Kenya Customs an. Dort ging es erschreckend schnell, ohne große Fragen erhielten wir den Stempel ins Carnet und einen Zahlungsbeleg von 41$ für die Road Tax.

Dann waren wir am Immigration Schalter dran, mussten zu einer streng aussehenden älteren Dame. Sie fragte direkt nach unserer online Reisegenehmigung. „Haben wir nicht! Können wir das vielleicht hier erledigen?“. Sie meinte, dass das drei Tage dauert. „Diese Zeit haben wir leider nicht!“. Es gebe die Möglichen einer Express Beantragung die 50$ p.p. kostet. Mein Recherche-Ergebnis war, dass es 34$ kostet und es keine Expressgebühr gibt. 

Wir wurden hinter die Schalterscheibe gerufen und sollten im Büro Platz nehmen. Hier waren zwei Herren. Als die drei sprachen, war klar, dass die Dame uns abziehen will. Sie erhielt einen Einlauf von den Jungs und dann ließ ich mir es nicht nehmen noch einmal nach der „Price List“ zu fragen zusammen mit meinem Lieblingssatz: „I had a call with the Kenya embassy”.

Plötzlich war der Preis 35$ p.p. und wir haben sehr nett mit dem Chef geschnattert als die Dame unsere Pässe stempelte – Zeit für den Grenzübergang 1:35h. 

So überrascht, dass noch der halbe Tag vor uns lag beschlossen wir direkt in den Amboseli Nationalpark 50 km hinter der Grenze zu fahren – 45 km davon bereuten wir, da es eine scheußliche Wellplechpiste war. Ihr müsst euch das so vorstellen, dass man während der Fahrt Schrauben im Innenraum auffängt oder festzieht, weil alles so vibriert.

Gefühlt änderte sich hinter dem Gate die ganze Landschaft. Zuerst fuhren wir durch einen trockenen See und die Luft flimmerte vor Hitze. Massai mit ihren Rinderherden leben hier mit den Wildtieren. Wir trafen einen und er fragte nach Wasser – klar gab es einen großen Becher Wasser und wir füllten noch seine Flasche (Tony sah, wie das „Wasser“ aussah was er vorher darin hatte, wir würden es wohl Pfützenwasser nennen).

Am östlichen Rand geht der See in ein Sumpfgebiet über und da stapften riesige wunderschöne Elefanten durchs satte Grün. 

Danach eröffnete sich weite Savanne eigentlich mit Blick auf den Kilimandscharo, doch heute leider nicht für uns. Der Amboseli Nationalpark ist einer der meistfotografierten Motive in Kenia.  Wir waren auch von der Weiter, dem immer röter werdenden Sand und den Tierherden begeistert. In der Ferne sahen wir zwei Löwinnen im Gras liegen. Die Public Campsite befand sich am östlichen Ausgang hier wurden wir von einer Impalaherde empfangen und ganz kurz sahen wir den gletscherbedeckten Gipfel des Kilimandscharo.

Am Morgen verließen wir wieder 6 Uhr das Camp und wollten schauen, wo sich die Löwen rumtreiben. Direkt sprang eine Hyäne über die Straße und wir konnten unser Glück nicht fassen. 

Doch wir wollten mehr… In der Ferne sahen wir andere Safariautos (zu unserer Verteidigung, diesen Weg wollte ich sowieso auch fahren) und da wunderten wir uns nicht mehr, warum die anderen bei der EINEN Hyäne nicht angehalten hatten. Denn hier tummelte sich ein Löwenrudel von acht Löwen, die in der Nacht zwei Gnus gerissen hatten und weitere NEUN Hyänen, warteten um sich ihren Rest abzuholen. 

Ach natürlich direkt an der Straße und keine acht Meter von uns auf dem Dach sitzend frühstückend. Die Show wurde auch noch ergänzt durch eine sehr voreilige Hyäne, die ihr Glück versuchte und dann von den Löwen „zurechtgewiesen“ wurde.

Da der Kilimandscharo immer noch in den Wolken hing, machten wir uns zurück über das Sumpfgebiet und die Wellplechpisten.

Vielleicht ist es schon aufgefallen, dass wir nicht so gerne Highway fahren und so entdeckten wir ein off-road Strecke zu der prähistorischen Olorgesailie Faustkeilfundstätte und es war 80 km kürzer als wenn wir Highway gefahren wären.

Ihr ahnt was jetzt kommt… die vermeintliche „Abkürzung“ war doch anspruchsvoller, ausgewaschener, durchquerte einen quirligen Massaimarkt (gefühlt stellten sich alle vor mit den Worten „I´m the boss/chief here“). Uns kam sogar ein Porsche mit traditionell gekleideten Massaikriegern entgegen. Kurz nach Sonnenuntergang erreichten wir aber die Campsite der Fauskeilfundstätte und man sagte uns es seien noch andere Deutsche da. Als wir im Dunklen die Campsite erblickten, war mir sofort klar, dass wir dieses Auto doch kennen. Genau vor einem Jahr hatten wir die beiden im South Luangwa kennen gelernt. 

Es wurde mal wieder nichts mit zeitig ins Bett gehen, denn es mussten Routen, Pannen und Tiererlebnisse ausgetauscht werden. 

Am Morgen besuchten wir dann die Faustkeile. Also ich fand es für afrikanische Verhältnisse gut, Tony trottete etwas hinterher. 

Eine der Besonderheiten ist die extrem hohe Anzahl von Steinwerkzeugen auf kleiner Flächen – war es also eine Steinwerkzeug“Fabrik“. So wurden bei einer Grabung in einer 990.000 Jahre alten Schicht in der Nähe von Elefantenknochen 2300 Steinwerkzeuge gefunden, darunter zahlreiche scharfe Tools und Schnittspuren an den Knochen.

Danach ging es weiter (auf der Teerstraße) nach Nairobi. Ich hatte von einem All-you-can-eat Restaurant gehört mit dem einladenden Namen „Carnivore“. Um unseren Besuch dort rechtfertigen zu können, machten wir eine kleine 15 km Wanderung mit sechs Gipfeln über die Ngong Berge (ganz kurz es sind heilige Berge für die Massai, denn der Gott xx soll als er den ostafrikanischen Grabenbruch ausgehoben hat, sich mit der anderen Hand hier abgestützt haben, denn Ngong heißt Fingerknöchelchen).

Wir stoppten natürlich in dem Overlander Camp schlechthin: „Jungle Junction“. Geführt von dem Deutschen Chris – ich war schockverliebt. Er ist aufgewachsen in Indien und lebt seit 38 Jahren in Afrika  – ich habe ihn wirklich alles gefragt und dann haben wir zusammen über Keniakarten gehangen. 

Aber erst einmal duschen und ins Uber zum Carnivore. Jemand hatte bei der Uberbestellung nicht genau das Restaurant eingegeben, sondern die Carnivore Stage – wir mussten 1 km im Dunkeln! hinter dem Flughafen am Highway langlaufen und ich glaube, dass wir die ersten waren, die da zu Fuß aufgeschlagen sind.

Die Regeln waren schnell erklärt, solange das Fähnchen oben ist, gibt es Fleisch! Ich erinnerte Tony, dass er nicht die Anfängerfehler machen soll, jetzt mit Brot essen anzufangen und Chicken wurde auch direkt weitergewunken. 

Gern gesehen wurden die Spieße mit Lamm, Beef, Strauß und natürlich probierten wir auch die Ochsenhoden mit viel scharfer Soße!

Danach rollten wir uns nur noch ins Bett. Aber wir trafen noch die Entscheidung, dass wir Masai Mara von unserer Route streichen – einmal weil der Eintritt von 70US$ auf 200US$ pro Person pro Tag gestiegen war, aber auch da die Migration bereits größtenteils vorbei ist und es von den Lokals nur noch die „Migration der Toyotas“ genannt wird. So musste eine neue Aktivität her. Wir fuhren an der Grabenkante entlang zum See Naivasha und wurden tierisch begrüßt.

Alle fühlten sich sehr sicher, da ja ein „Elektrozaun“ zwischen uns und den gefährlichsten Tieren in Afrika war. Fun-Fact: Als wir am nächsten Tag weiterfuhren, lasen wir, dass der Zaun nur von „6 pm – 6 am“ in Betrieb ist… und rückblickend zweifele ich sogar das an, aber ist ja nichts passiert. 

Am Morgen starteten wir mit einer Bootstour über den Naivasha See. Wir erwarteten eigentlich nur eine Auswahl von Vögeln, umso mehr freuten wir uns, als wir Giraffen und Äffchen beobachten konnten.

Doch in der Ferne sahen wir einen freistehenden Vulkankrater, dieser musste natürlich erklommen werden – Mt. Longonot mit 2780 HM. Vielleicht starteten wir unsere Wanderung wegen unserer kleinen Bootstour direkt zur Mittagszeit. Es ging 3,5 km staubig steil bergauf. Selbst die Giraffen lagen faul im Schatten. 

Oben angekommen, musste man sich entscheiden, ob man den Krater-Circuit läuft – in meiner Reisegruppe hat man da keine Wahl und so schlossen sich weitere 7,2km sehr staubige und sonnige Kilometer an.

Zwischendurch fragten wir uns, warum tut man sich sowas an und bezahlt dafür auch noch 50US$, aber auf dem Gipfel angekommen wussten wir es.

(Falls wir im nächsten halben Jahr niesen sollten, wird immer noch Longonot Staub aus uns rieseln… So fühlt es sich zumindest an).

Doch das eigentliche „Highlight“ stand uns noch bevor, oder viel mehr ToYo – ein „runder“ Kilomenterstand, die 400.000. Wir machten einen Plan wie wir es aufnehmen könnten. Damit wir es auch ja nicht verpassen, wurden die letzten zehn Kilometer laut angesagt. Probefotos, die richtige musikalische Hintergrundmusik – und dann passierte es auf der Highwayauffahrt nach Nairobi am 8. Oktober 2024 um 15:58 bei dem Lied „Afrika“ von Toto. 

Wir drei jubelten und rollten glücklich und stolz nach Nairobi zur Jungle Junction zurück und hier waren wieder unsere Freunde aus Sambia und so konnte angemessen auf ToYo angestoßen werden.

Wie kann ein Tag besser beginnen als mit dem Flicken eines Reifens. Wir bemerkten das mal wieder hinten rechts mehr ausgebeult war als die anderen Reifen. Es ging mit der Sprühflasche auf Suche und schnell fanden wir den Übeltäter – eine abgebrochene Schraube. 

Aber Flicken für Faule, also ohne Rad abmontierten – einen Flickstreifen rein und weiter ging es. Unser Ziel waren die Kili Hills eine Campsite vor dem Tsavo Nationalpark.  Wir hofften so sehr, dass der Name auch endlich mal Programm ist – doch als wir ankamen, wieder nur Wolken. Wir machten noch einen Bushwalk und übten uns in Spurenlesen und lernten, dass die DikDiks (kleine Antilopen) ihre „Toilette“ (also den Ködelhaufen) an den angrenzenden Ästen mit Tränenflüssigkeit markieren (Ich bin ehrlich meine Nachrecherche hat noch nicht die weitere Bedeutung / Vorteile ergründen können – wird nachgereicht).

Doch dann gerade zum Sundowner Getränk verzogen sich die Wolken und endlich war der Kilimandscharo zu sehen. 

Wir stellten uns zum Sonnenaufgang einen Wecker und hatten diesmal wirklich wolkenfreie Sicht auf den Kili (für knapp eine Stunde), da merkten wir, dass unsere letzte Woche in Afrika angebrochen war.

Aber heute wollten wir in den Tsavo West Nationalpark ( infos zum Park). Nachdem man das letzte Dorf hinter sich gelassen hatte, sah man hinter dem Nationalparkgate noch vereinzelte Ziegen die in den Nationalpark „geflohen“ sind, aber sie vermischten sich immer mehr mit Impalas und dann den ersten Elefanten.

Die Landschaft war überwältigend überall ragten kleine Vulkankrater und die Mzima Quelle. Täglich sprudeln etwa 230 Millionen Liter Wasser aus der trockenen Lava Ebene. 

Doch unser Ziel für den Nachmittag war das Rhino Valley mit dem Rhino Sanctury – Öffnungszeit nur 16-18 Uhr. In diesem speziell abgesicherten Bereich leben 170 Spitzmaulnashörner. Man positioniert sich am Wasserloch. Ich hatte gelesen, dass wohl Punkt 17 Uhr die „Show“ beginnt. Wir warteten auf dem Dach und es war 17 Uhr und nichts passiert – ernsthaft?! Aber scheinbar war es ein stressiger Nashorntag, denn erst 17:15 Uhr kam das erste Nashorn angetrottet. 

Wir erfuhren vom Ranger, dass die Nashörner nach einander bzw. in Grüppchen im Zeitraum von 17 Uhr bis 3 Uhr nachts trinken. Endlich unser erstes Nashorn auf dieser Reise.

Am Morgen machten wir uns pünktlich um 6 Uhr auf Löwensuche, doch außer frischen Spuren auf dem Weg entdeckten wir nichts. Deshalb fühlten wir uns recht sicher und stiegen bei einem Lavastrom aus – der Punkt war in der Karte markiert, also muss es ja sicher sein?! 

Wir entdeckten frische Hyänen und Elefantenexkremente auf der erstarrten Lava, aber kein Tier in Sicht. Also fühlten wir uns mutig genug auch noch die Lavatunnel zu erkunden (Guide empfohlen). Man parkte im hohen Gras – zu erst ist Tony ausgestiegen und hat sich mit einem Stock „bewaffnet“. Ich ging dann mit Stirnlampe und Safarilampe hinterher, aber bei jedem Knacken im Gebüsch hatten wir (also eher ich) ein unwohles Gefühl. Wir entdeckten den Eingang der Lavatunnel und uns kam ein Geruch entgegen, den man sonst nur aus dem „Großkatzengehege aus dem Zoo“ kennt. 

Was uns in den Tunneln erwartet hat, ob wir allein waren und ob wir es heil rausgeschafft haben, lest ihr natürlich im nächsten Blog.

Eure Höhlenforscher 

Tony&Juli 

Werden wir Afrika-müde? – Tansania

Ich blieb ungewohnt ruhig und ahnte, dass sich eine Qualle um mich gewickelt hatte. Ich versuchte vorsichtig den Quallenfaden von meinem Gesicht und Hals zu nehmen. Tony (aufmerksam wie immer) bemerkte, dass etwas nicht stimmt, doch helfen konnte mir keiner. Mein Versuch war den Quallenfaden möglichst weit weg von mir “auszusetzen”. Es brennte immer noch. Falls jemand fragt, nein ich habe nicht daraufgepullert. 

Der Tauchgang war aber sehr schön und wir haben viel gesehen, aber es reichte nun erst einmal mit Unterwasser es ging in die Berge – in die Usambara-Berge. Sicher kommt euch da direkt das Usambara Veilchen in den Sinn?! Genau das hat hier seinen Ursprung, aber wusstet ihr, dass das Usambara Veilchen überhaupt kein Veilchen ist, sondern der Namensteil “Veilchen” bezieht sich auf die Farbe violett, also veilchenfarbene, mit der Gattung Veilchen (Viola) hat es nichts zu tun. 

Wir schlugen unser Nachtlager an der Kliffkante in Irente auf. Der Ausblick ist toll, aber man muss ausblenden, dass es eher der Parkplatz hinter dem Hotel ist.

Ich hatte recherchiert, dass man unbedingt eine Wanderung mit Chamäleon-Joseph machen muss, er spottet die Tiere aus größter Entfernung. Über WhatsApp hatte ich uns eine Wanderung für den nächsten Tag organisiert und er erwartete uns im Hotel. Doch dann der Schock, er habe keine Zeit (er “musste” die Wanderung mit einer deutschen Paulschalreisegruppe machen), aber er versprach mir seinen besten Mann – Chamäleon-Pascal. Wir wurden einander vorgestellt und wir waren verunsichert – ist er der Chamäleon-Mann, weil er so gut die Tiere spotted oder ähm, weil, also wie sage ich das jetzt, weil er eher eine Augenstellung wie ein Chamäleon hatte….🫣

Die Wanderung war für 6-7h ausgemacht und wir sollten ja nicht im Dorf irgendwas probieren, da Joseph sich um die Wasserqualität und unseren Magen-Darm-Trakt sorgte. Die Wanderung begann (wir ausgerüstet mit Verpflegung, Wanderschuh, Jäckchen für die Höhe) zu einem Viewpoint mit einer kleinen Kletterei.

Dann hatten wir scheinbar eine andere Vorstellung von Hike durch die Berge und den Urwald. Es ging eher durch das Dorf. Es wirkte, dass Chamäleon-Pascal alle kannte und mit jeden einen kleinen Plausch hielt. Wir fanden auch “im Dorf” drei Chamäleons, die wirklich schwer zu sehen waren, aber da uns klar war, dass es hier nicht mehr anstrengend wird, wollten wir das berüchtigte Zuckerrohrbier probieren. Pascal zögerte erst und und dann gingen wir in einen komplett unscheinbares Haus (also kein Schild “Bar” oder sowas). Dort wurden wir hingesetzt und eine stämmige Dame ging hinter die selbst-gezimmerte “Theke” und füllte eine alte Schnapsflasche mit dem Zuckerrohrbier ab und kam mit zwei Gläsern an den Tisch. Dann fühlte sich einen Becher und exte ihn, wir waren verunsichert, doch das war wohl der Qualitätscheck, dann durften wir.

Es war irgendwie lecker und so verdonnerten wir Pascal dazu mit uns eine kleine “Kneipentour” zu machen. Doch am letzten Viewpoint gönnten wir unserem Magen ein “Kilimandscharo-Bier”. 

Mir sagte es auf dem nächtlichen Parkplatz nicht zu, sodass wir noch unser Nachtlager wechselten zur Irente Farm – Campsite inmitten vom Urwald an einer Farm (wo es….haltet euch fest….richtigen Käse gibt). Also wurde mit der Übernachtung auch noch 500g Gauda mit Rosmarin gekauft. Vielleicht wurde dieser auch direkt verkostet, vielleicht muss erneut Käse gekauft werden… Wir lasen auch von dem guten Restaurant und mit Blick über die Berge gab es ein leckeres Dinner in toller Gesellschaft – ein deutscher pensionierter Sonderschulepädagoge, der hier eine Schule unterstützt. Könnt ihr euch vorstellen 1 Lehrer für 120 Kinder, keine Unterrichtsmaterialen, keine Lehrpläne, kein Spiele (er hat von nur unvollständigen Puzzeln gesprochen). 

Vor dem Dinner hatten wir mit einem Mitarbeiter/Lokal mögliche Routen zur Weiterreise besprochen:

  1. 1h Asphaltstraße zum Highway und dann nach Moshi
  2. 3h Gravel durch die Berge und dann bereits weiter westlich auf den Highway, aber super steil 

Natürlich könnt ihr euch vorstellen für was sich mein vernünftiger materialschonender Reisebegleiter entschieden hat. Wir kamen recht gut durch die Berge und man hatte tolle Ausblicke, danach ging es steil bergab, trotzdem versuchten wir in einer Serpentine zu frühstücken – mit 20° Neigung gar nicht mal so einfach. Wir hatten von einer weiteren Alternativroute abseits des Highway gelesen und wollten es versuchen. So tat sich Route 3. auf – nachdem wir >3h gebraucht hatten die Usambaraberge zu verlassen, ging es jetzt offroad nach Moshi. Momente wo man an der Route hätte zweifeln können: 1. Ein Toyota Hilux lag mitten auf der Straße auf dem Dach (gerade passiert), 2. Herren an der Security-Kontrolle on the road waren irritiert warum wir „da entlang“ wollten.

Ab einem gewissen Punkt ist umkehren nicht mehr sinnvoll (und mit Adam auch nie eine Option), doch als der Weg ein Wanderweg war, allenfalls für einen Motorrad passierbar ist, hinterfragt man die Routenentscheidung.

Long Story short -> spontan 10h offroad für 150 km, aber gerade noch zum Sunset in Moshi angekommen. 

Ostafrika ist für seinen Kaffee bekannt und ich war motiviert einen Kaffee hier zu kosten….vielleicht sogar irgendwann zu mögen?! Da wir keine halben Sachen machen – Kaffee Tour gebucht und den Besuch der Chagga Tunnel (da das Internet die letzten Tage so schlecht war, konnte ich nicht herausfinden, was das für Tunnel sind, wir gingen von Lavatunnel aus). Doch zügig stellte sich heraus, dass die Chagga ein afrikanischer Stamm sind, die die Hänge der Kilimandscharo bewohnen. 

Als die Chagga dann von den Maasai (afrikanische Kriegerstamm aus der umliegenden Steppe) angegriffen wurden, gruben sie diese Tunnel um sich dort zu verstecken. Sie nahmen auch ihre Kühe und Ziegen mit in die Tunnel, damit die Tiere keine Geräusche machten, die sie verraten, wurden sie mit salziger Asche gefüttert, dadurch trinken sie viel und mit vollen Magen muhen sie nicht.

Auch gab es Belüftungslöcher, diese wurden zu Tarnung an der Oberfläche mit giftigen Pflanzen begrünt, damit die Massai diese nicht zufällig pflücken und das Lüftungsloch entdecken. Es gab auch Verteidigungsnischen, hier war ein Chagga mit einem „Schädelspalter“ platziert um eindringende Massai „niederzustrecken“.

Danach konnten wir uns noch eine traditionelles Chagga Hütte anschauen. Auf der einen Seite waren die Tiere untergebracht, auf der anderen Seite hatte der Mann und die Frau mit den Kinder ihre Betten. In der Mitte wurde gekocht und dadurch die Blätterhütte getrocknet und ausgeräuchert, dass sich keine Insekten einnisteten. 

Dann war endlich Zeit um alles über Kaffee zu lernen. Hier in Ostafrika wird der Arabica angebaut (also zwei Samen/Bohnen in der Frucht, im Gegensatz ist bei der Kaffee Robusta nur ein Samen in der Frucht). 

Unser erster Stopp war also die buschartige Pflanze und wir pflückten reife rötlichen Kaffeefrüchte. Im nächsten Schritt wurden die Früchte in einer Art Mühle geworfen und raus kamen die Samen ohne das Fruchtfleisch. Dann werden die Samen in der Sonne getrocknet (okay diesen Schritt haben wir aus Zeitgründen übersprungen). Im nächsten Schnitt wurden die getrockneten Bohnen in einen (natürlich handbetriebenen) Mörser geworfen um die dünne Haut zu entfernen und da musste jeder mal ran. Die Mädels brachten uns noch die typischen „Arbeitslieder“ bei, so solle die doch erschwerliche Arbeit leichter fallen. Ich glaube nicht, dass unser Gesang oder schiefes Klatschen irgendwas erleichterte. Im Vierten Schnitt musste die dünne Samenhaut entfernt werden, dazu wurden alles in eine Schale umgefüllt und dann durch geschicktes Hochwerfen erledigte der Wind die Arbeit. 

Dann ging es an die Röstung in einem gußeisernen Topf unter ständigem Rühren und es begann sich ein selbst für mich angenehmer Duft zu verbreiten. Im sechsten Schritt ging alles zurück in den Mörser ein weiteres Lied wurde angestimmt und dann gestößelt bis feines Kaffeepulver entstanden war. Über dem Feuer kochte bereits das Wasser und dann wurde das Kaffeepulver aufgekocht.

Fertig war ein unheimlich toller Kaffee, den ich nur um einem halben Löffel Milchpulver und braunem Zucker erweiterte und nun haltet euch fest, ich habe sogar eine zweite Tasse getrunken. 

Wir kauften dann noch ein Kilo frisch gerösteten Kaffee und da werde ich zuhause vielleicht auch noch einmal eine Tasse probieren, bin mir jedoch noch unsicher, ob Tony den genauso gut aufkocht und das richtige Lied anstimmt. 

Unnützes Wissen zur Entstehung des Kaffegetränkes: (Tony meint, dass wisse doch „jeder“, ich wusste es nicht!)

Der Ursprung des Kaffeegetränkes soll in Äthiopien liegen, da habe ein Hirte bemerkt, dass wenn seine Ziegen die Blätter und Samen dieses immergrünen Strauches fressen sind sie unruhig und können nicht schlafen. Man wollte sich dies zu nutze machen und versuchte aus den Blättern einen Tee zu kochen, doch alles war ungenießbar. Vor Wut und Resignation warf er alles ins Feuer. Kurz danach verbreitete sich ein angenehmer Geruch und er nahm seine „Experimente“ wieder auf und bemerkte, dass die Bohnen erst geröstet werden müssen um ein wohlschmeckendes Getränk zu erzeugen.

Nach so viel Aktivität mussten wir uns erst einmal erholen und stoppten in den Maji Moto Hotsprings.

Also gleich zu Beginn es handelt sich nicht um Hot Springs – es ist einfach eine wunderschöne Quelle mitten in der Steppe. Wir genossen das Schwimmen unter den schattenspendenden Palmen und Tony nutzte die Fische für eine Pediküre. 

Wir waren schon die letzten Tage unentschlossen, wo die weitere Route langführen soll. Ich hatte bereits erklärt, dass die Nationalparks hier in Tansania für Overlander sehr teuer sind. Selbst um nur am Ngorongoro vorbeizufahren um in die Serengeti zu kommen müssten wir 200$ bezahlen (in den Krater dann weitere 300$ pro Tag). Dazu hörten wir von anderen, dass die Serengeti gerade mega schlechte Wellblechpisten hat und wenn man mal einen Löwen sieht, dann stehen da direkt 20 Safariautos.

Wir entschieden uns gegen Serengeti und Ngorongoro (da wir da ja auch schon mal waren), aber wollten einen Stopp im Tarangire Nationalpark einlegen. Wird er von Safariunternehmen oft vom engen Zeitplan gestrichen und so erhofften wir uns mehr Einsamkeit. 

Wir hatten noch nicht einmal geparkt, da hörten wir schon zweimal „Die Berliner sind da!“ bzw. „Bist du den ganzen Weg aus Berlin gefahren?!“. Wir wollten initial ein Trinkspiel daraus machen und bei jedem Safariauto etwas trinken, aber da hätten wir es nicht einmal bis hinter das Gate geschafft, so tranken wir nur bei „Bist du den ganzen Weg aus Berlin gekommen?“. 

Wenn man die Safariautos wegdenkt, dann bietet Tarangire auf 2600km2 alles was man sich wünscht – Akazienwälder, endlos scheinende Weite und Flusslauf mit weiten Sandbänken. Wir folgten dem Flusslauf und wurden schnell mit mehreren Elefantenherden belohnt. 

Für den Sundowner wählten wir noch einen Platz im Riverbed und dann kamen wir wieder pünktlich auf die letzte Minute im Camp an. Unser Nachtlager war die Public Campsite, die wir uns mit einer Familie Mangusten teilten, die sich über meinen Bio-Müll freuten.

Die Nacht war kurz. Leider wurden wir nur einmal durch Löwengebrüll in der Ferne geweckt (was immer toll ist), nein auch die Batterie vom Camp-Kühlschrank!!! begann zu piepen. Ich war nur beruhigt, dass es nicht unsere Batterie ist, die hier diese nervigen Töne macht, aber „Platzwart“ Adam, ließ es auch nachts um 3 Uhr keine Ruhe und er machte sich auf die Suche nach der Batterie. Er fand sie schnell, doch konnte das Problem nicht lösen. Der dazugeeilte Nachtranger war auch hilflos. Tony kam zurück zum Auto und verlangte nach der Werkzeugtasche „Ich klemme da jetzt alles ab!“. Ich verbat ihm fremde Batteriesysteme im Nationalpark nachts um 4 Uhr abzuklemmen und so legte er sich mit seinen Noise-channelling Kopfhörern ins Bett. 

Am Morgen wurden wir dann mit einer großen Gnu- und Zebraherde am Wasserloch belohnt. Die Stimmung bei Platzwart Adam besserte sich.

Im Tarangire gibt es einen Bereich, der auch „kleine Serengeti“ genannt wird und denk erkundeten wir als „kleinen“ Ersatz und hatten riesige Elefantenherden nur für uns.

Zwei Löwen haben wir auch im Tarangire gefunden, jedoch nur weit entfernt, sodass wir keine Bilder gemacht haben. Weitere Katzen gab es leider auch nicht.

Da die Nacht sehr kurz war, beschlossen wir einen entspannten Nachmittag in der Migombani Campsite über dem Lake Manyara zu verbringen. ToYo stand mit Blick über den See und wir chillten im Pool.

Doch Platzwart Adam kam nicht zur Ruhe. Waren wir sonst gewohnt, die einzigen auf einer Campsite zu sein, kamen doch nun wirklich noch andere – keine Overlander im eigenen Auto, aber Dachzelt-Reisende. 

Vielleicht merkt ihr, dass Tansania für Overlander anstrengend ist und wir waren etwas genervt, sodass wir spontan entschieden eher nach Kenia über die Grenze zu gehen – neues Land neues Glück?!

Meine Recherche zum Grenzübergang nach Kenia war nicht so ergiebig bzw. las ich unterschiedliche „Beträge“ und „Abläufe“. Mit einem etwas mulmigen Gefühl ging es zur Grenze. Seit Januar 2024 brauch man kein Visum für Kenia muss nur eine Reisegenehmigung online bis 72h vor Einreise beantragen. Da wir wieder sehr planlos waren, hatten wir dies nicht, da wir unseren Einreisetag nicht wussten.

Meine Online Recherche hatte ergeben, einerseits, dass man mit dem Ostafrika-Visum (haben wir) einreisen kann, bzw. diese Reisegenehmigung auch an der Grenze machen kann. 

Für ToYo hatten wir ebenfalls unterschiedliche Angaben zur Road Tax (Preis, Gültigkeit Zahlungsoptionen).

Das gute ist, dass es eine One-Stop-Border ist. Also Stoppuhr 11:25 los – nur 2 „Agenten“ boten ihre Dienste an, zwei Border Security Officer wollten eher Interesse halber in ToYo gucken. 

Erste Warteschlange bereits vor dem Gebäude – Gelbfieberimpfung vorzeigen, dann Temperatur messen, dann warten.

Ausstempeln Tansania problemlos ohne Smalltalk, ausstempeln ToYo problemlos. 

Anstellen „Entry Kenya“, einige wurden vom Schalter zurückgeschickt und sollten ihre Online Reisegenehmigung noch ausdrucken – mist wir haben nicht einmal eine Reisegenehmigung?!

Ob wir es nach Kenia geschafft haben, oder für immer im Grenzhüttchen leben – erfahrt ihr im nächsten Blog.

Eure Grenzgänger 

Tony&Juli 

Von der Safari zum Indischen Ozean mit gefährlichen Tierbegegnungen – Tansania 

Gleich zu Anfang: Es fand keine Belästigung durch einen Elefanten statt, nur eine Ginsterkatze naschte an unseren T-Bone Steak Resten.

Ab morgens um 6 Uhr darf man wieder auf Game Drive und so fuhren wir los und beobachteten den Sonnenaufgang über dem Ruaha Fluss.

Und auf die Minute verließen wir 7:51 Uhr nach 24h den Park.

Der Weg nach Norden führt an dem Städtchen Iringa vorbei. Gleich zwei Highlights warteten hier auf uns. Zu erst stoppten wir bei der Isimila Stone Age Site. 

Man wandert hier durch einen Canyon, der einen verdammt a den Bryce Canyon erinnert. Ich gebe zu manchmal weist mein Zeitplan Mängel auf, wir machten mal wieder die kleine Wanderung unter der Mittagssonne.

Doch eigentlich ist das Besondere hier, dass es die weltweit größte Fundstelle von Faustkeilen ist.

Danach waren wir bereit für das nächste Highlight – Mamma Iringa. Eine liebenswerte Italienerin hat sich hier eine kleine mediterrane Oase geschaffen (mit Campsite). Es gab selbstgemachtes Gelato (10/10) natürlich Steinofenpizza und Tiramisu.

Wir würden beide den anderen Bewertungen recht geben – beste Pizza des Kontinents oder zumindest in Tansania! 

Da ToYo in der günstigsten Kategorie gelandet war, entschieden wir uns doch noch den ein oder anderen Nationalpark zu besuchen – da der Mikumi Nationalpark direkt auf dem Weg lag und man auf „relativ“ kleiner Fläche viele Tiersichtungen haben soll, stoppten wir. 

Ebenfalls ein 30$ pro Person und Tag Nationalpark, Campsite ist immer 30$ pro Person und ToYo wäre wieder 40$, doch dann waren wir positiv erschrocken als ein kleinerer Betrag auf dem Zettel stand. Der nette Ranger hatte ToYo als lokales Auto eingebucht also heute nur 8$, aber sowas hinterfragt man ja nicht…

Schnell bemerkte ich wie Tonys Laune sank, denn es waren ihm hier zu viele Safari-Autos untertags. Wir beobachteten mehrere kleine Bush-Flugzeuge, die immer mehr Touristen „anlieferten“. Wir suchten also auch hier die entlegensten Wege – zugewachsen, manchmal einfach aufgegeben, aber wurden mit einer riesigen Büffelherde belohnt.

Unsere Einschätzungen reichen von 80 (Tony) bis 200 (ich) auseinander, die Wahrheit wird wohl wie so oft irgendwo in der Mitte liegen.

Auf dem Rückweg zum Camp beobachteten wir noch eine Elefantenherde beim Dinner und zwei Schakalbabies trauten sich aus dem Bau. 

Doch etwas traurig waren wir, dass wir keine Löwen gefunden hatten. Wir kamen wieder Punkt 19 Uhr auf der Campsite an und aßen nur Nudeln und verhielten uns ruhig und hoffen, dass sie uns finden.

Wir wurde mit einem tollen Sternenhimmel belohnt, doch sonst war die Nacht ruhig.

Punkt 6 Uhr rollten wir zum Wasserloch, doch es war niemand da… Sehr enttäuscht fuhren wir zurück zur Campsite und wer kam uns da entgegen: 2 junge Löwenmännchen. 

Wir entschuldigten ihre Verspätung und beobachteten sie beim Trinken an dem Wasserloch, wo wir vor ein paar Minuten schon mal waren.

So konnten wir glücklich Mikumi verlassen und der nächste Stopp war Morogoro. Wir waren motiviert hier unsere Vorräte aufzustocken vielleicht sogar zu upgraden?! Ich hatte einen Joghurtladen, Bäcker und Supermarkt ausmachen können. 

Tony hatte keine Erwartungen. Einkaufen ist schon echt schwierig und sehr zeitaufwendig in Tansania. 

1. Stop – frischer Joghurt in großen Tiefkühltruhen mit unterschiedlichen Sorten. Da mein Kiswahili und sein Englisch nicht für ein Verkaufsgespräch ausreichten, durfte ich kosten und wir einigten uns auf 500ml frischen Naturjoghurt für 33Cent. So motiviert ging es zum Bäcker: dunkeles Toastbrot und ein Bananen Muffin – toll. Im Supermarkt 1 kg Rumpsteak eingeschweißt für 6€ und Obst auf dem Markt – sehr sehr spaßig.

So ausgerüstet konnte es in den eher abgelegenen Nyerere Nationalpark gehen. Wir hatten recherchiert, dass er eher der Kalahari gleicht – erschwerliche Anreise, wenig Besucher und hohe Chance für tolle Tiersichtungen (3500 Löwen, 1000 Wildhunde).

Schwer war die Anreise nicht, denn die führte (okay 5h) entlang der Uluguru Berge mit dichtem Urwald und einer Piste, die für afrikanische Verhältnisse ok war.

Wenig Besucher – definitiv! Als wir am Matambwe Gate standen, schreckten wir die Ranger von ihrem (sicher verdienten) Mittagsschlaf auf. Der Nyerere ist ein teurerer Nationalpark und da waren wir mit 70$ ohne Steuern pro Person dabei und ToYo war dieses Mal leider kein „Local“ mehr. Camping für 30$ p.P. kam natürlich noch dazu.

Nachdem wir circa eine Stunde tief reingefahren waren, wurden wir von toller Landschaft empfangen mit weiten trockenen Flussbetten, wo hunderte Büffel zusammen mit Elefanten auf uns warteten.

Wir fuhren erst die trockenen Flussbetten ab und dann ging es entlang der vielen kleinen Seen bzw. Flussaufweitungen. Hier kam uns schon von weiten ein lautes Gebrüll entgegen – die Seen wurden von hunderten Hippos bevölkert. 

Wir bestatteten unserer Public Campsite einen Besuch ab – mmh ja… Ich glaube in Europa würde man dazu “Lost Place” sagen. Es gab kein Wasser und alles war eher verfallen. Plötzlich hörten wir ein Auto – schwer bewaffnete Ranger stiegen aus (waren glaube auch überrascht, dass wir hier waren) und “wischten” einmal durch und warfen die Pumpe an um Wasser aus dem See zu in das Wasserreservoir neben den Duschen zu pumpen. 

Da das allen etwas unangenehm war (Overlander kommen offensichtlich selten hier unangekündigt vorbei), drehten wir noch eine Runde. Wir suchten nach weiteren Tieren und einem guten Platz am See für den Sunset (circa 18:30). Ihr erinnert euch, dass man nur bis 19Uhr rumfahren darf?! Aber wir dachten die 3km schaffen wir. Wir versuchten den nördlichen Zugang zum Camp zu nehmen, doch außer einer sehr irritierten Giraffe fanden wir nichts – keine Wegemarkierung, kein Fahrspur. 

Wir entschieden uns, da es dann schon dunkel war und ich schon mit der großen Safari-Lampe versuchte den Weg zu finden (ach so unsere Laser-Safari-Leuchten an ToYo funktionieren irgendwie gerade nicht), doch zum Sunset Spot zu Rock zu fahren, denn von da kannten wir den Weg. Wir kamen 19:07 Uhr im Camp an und waren erschrocken, dass die Ranger da noch auf uns warteten: “Why are you too late?” “Because you don’t have maintained the tracks!” “Oh, sorry….” 

Danach verschwanden sie und wir machten Feuer und grillten. In meinem jugendlichen Leichtsinn dachte ich, dass das Wasser aus dem See sicher durch einen Filter läuft und wenigstens als Nutzwasser oder zum Duschen reicht. Es sah aber erschreckend wie der See aus. Da wir uns bereits entschieden hatten eine Wurmkur zu Hause zu machen, duschte ich mutig – sauber war ich sicher nicht, aber zumindest nicht mehr schwitzig. Als ich dann im Auto Ordnung machte und Tony noch am Feuer saß, hörte ich wie etwas rechts neben ToYo knusperte. Tony bekam nichts mit und als ich mit der Lampe leuchtete, tippelte eine Hyäne 2m neben ToYo ins Gebüsch.

Die Nacht war auch nicht wirklich ruhig – dreimal sind wir von Löwengebrüll erwacht und ein weiteres Mal knabberte etwas neben dem Auto, wir machten uns einen Plan, waren mit allen Leuchten breit und öffneten die Dachklappe, aber konnten nur noch eine Hyäne, die im Gebüsch verschwand, ausmachen. 

Punkt 6 Uhr rollten wir wieder  los und waren so so motiviert die scheinbar nahen Löwen zu finden. Erst am Seeufer – nichts, dann im trockenen Flusslauf – nichts. Ich gebe zu, da hatten wir die Hoffnung aufgegeben. Wir fuhren den Flusslauf weiter entlang Richtung dem östlichen Ausgang. Die Landschaft änderte sich und plötzlich roch ich “tot”, entdeckte einen Geier in einer Palme und wenige Meter weiter “Löwe!!!” – zwei junge Männchen, die irgendwie vollgefressen, erschöpft und teilweise blutverschmiert rumlagen. 

Ich wollte nun auch noch den “Kill” finden – immer der Nase nach fuhren wir um einen Busch und da lag ein totes Hippo im Gebüsch. Die beiden gönnten sich gerade noch einen Nachschlag.

Wir beobachteten die beiden eine Weile und dann fuhren wir weiter. Doch nicht nur wir hatten von dem toten Hippo mitbekommen – es näherten sich bereits drei Tüpfelhyänen und die Bäume rungs um waren voller Geier. 

Pünktliche 12:42 Uhr (nach 23 h und 51 min) verließen wir den Park und beschlossen spontan direkt bis zum Indischen Ozean durchzufahren. Wir fanden etwas südlich von Dar-es-Salaam ein Camp. Pünktlich zum Sunset sprangen wir ins Meer und gönnten uns einen Seafood Teller. 

Wusstet ihr, dass nicht Dar-es-Salaam der Sitz der alten Hauptstadt / Verwaltungssitz von Deutsch-Ostafrika war, sondern die etwas nördlich gelegene Stadt Bagamoyo. Wir nutzten den Tag erst um den nicht funktionierenden Laser-Leuchten auf den Grund zu gehen (Tony sagt, dass es wahrscheinlich ein defektes Relais ist) und warfen die Buschwäsche erneut an. 

Danach nötigte ich Tony noch durch die Straßen zu ziehen und wir erkundeten die deutsche Boma mit Appellplatz, das Zollhaus, die ehemalige Post und einige weitere verlassene Kolonialbauten.

Auch unser Camp war in einem alten Kolonialbau. Wir aßen erneut Fisch und Seafood und im Kerzenschein konnte man erahnen, welch schöne Anwesen hier einmal standen.

Es waren Tony zu viele Fischer am Strand unterwegs, sodass ich uns einen einsamen Beach weiter nördlich heraussuchte: Fish Eagle Point. 

Wir studierten mit dem Barmann die Gezeiten und machten den Plan, dass wir morgens zur Low-Tide schnorcheln gehen und dann zum Mittag, wenn die Boote aus der Bucht können, Tauchen gehen.  In deutscher Pünktlichkeit standen wir 7:55Uhr in Boardshorts und Lycra bereit – doch wir sollten erstmal auf der Terrasse Platz nehmen und auf den Diveinstructor warten. Nach und nach kamen Personen angeschlurft, jeden hielten wir für den Diveinstructor, aber erst um kurz vor 9 Uhr kam der Assistent von ihm an und nam uns schon mal mit zum Schnorcheln… Da das Hausriff extrem weitläufig war, war das auch gut so.

Wow, schon beim Schnorcheln entdeckten wir Seesterne, bunte Korallen, Anemonen, bunte Fischschwärme, einen Rochen und Moränen. 

Dann ging es 11 Uhr mit dem kleinsten Boot raus ans Hausriff. Es war ein super angenehmer Tauchgang. Ich würde sagen, dass ich die Performance meines Lebens hatte – problemloser Druckausgleich, nicht mehr als die anderen (also Tony und der Guide) Luft verbraucht, gut austariert, aufmerksam geguckt.

Doch dann passierte es – es schmerzte und brannte am Ohr und etwas zog sich um meinen Hals. 

Von was ich attackiert wurde und wer den Kampf gewonnen hat… erfahrt ihr natürlich im nächsten Blog.

Eure Kampftaucher

Tony&Juli 

Von grenzwertigen Grenzen und möglicher Belästigung – Malawi, Tansania

Ich war kurz (ganz kurz) davon überzeugt, dass wir die „paar“ Bretter wieder hinlegen und dann darüber fahren können. Meine Meinung änderte sich, als ich versuchte das erste Brett anzuheben. Wir liefen beide den Flusslauf ab, doch überall war der Fluss eng und tief eingeschnitten mit steilen Hängen – undurchfahrbar auch mit Allrad + Untersetzung + Sperren + MaxTracks + genügend Glück.

Also mussten wir hoffen, dass unser Diesel auch noch für den Umweg zurück reicht (wir hatten versucht in Malawi nicht tanken zu müssen, denn in Sambia kostete der Liter 1€ und hier 1,40€ – rechnet dass mal in Bier um🤣).

Wir schafften es natürlich, denn genauso wie ToYo uns immer ein Rätsel sein wird (aktuell hupt er nur, wenn man aus Versehen auf den Schalter kommt, doch nicht, wenn man sie in manch wilderer Verkehrssituation benötigen würde), ist besonders die Tankanzeige ein Rätsel. Der Anzeige einen “richtigen” Tankfüllstand zuzuordnen gleicht einem Glücksspiel – doch wir schafften es zur nächsten Tankstelle.

Unser vollgetanktes Ziel war Livingstonia. Vielleicht habt ihr schon meine dezente Begeisterung für David Livingstone bemerkt, sodass wir diesen Stop nicht auslassen konnten. 

Ich wollte hier unbedingt die Kirche sehen, denn das Fensterbild zeigt David Livingstone, als er das erste Mal den Malawisee erblickt hat.

Danach kehrten wir in der Mushroom Farm, einem Eco-Camp von dem hier wirklich jeder spricht, ein. Die Lage überzeugte mit direkter Kliffkante. 

Es hatte hier einen ausgeprägtes Öko-Backpacker-Vibe – der europäische Besitzer war an der Bar zu finden, gereifte Europäerinnen, die vor ihrem MacBook sitzen und Kombucha schlürfen und eine Kompost-Toilette mit Ausblick.

Abends saß man zusammen an der langen Tafel, verspeiste das wirklich leckere vegetarische Essen und alle anderen erzählen von ihren sozialen Projekten – naja und wir 😉

Am nächsten Tag machten wir mit unseren neuen NGO Freunden eine Wanderung zum höchsten Wasserfall in Malawi. 

Doch danach mussten wir uns von den “Weltverbesserern” trennen und wir fuhren den alten Gorodi Pass (angelegt von britischen Missionaren, die vor der Malaria in höheren Lagen flüchteten) zurück zum See. 

Der Offroad-Pass war ideal um die Bushwaschmaschine anzuwerfen. Als die Wäsche aufgehangen war, wollten wir zum Sunset an den Beach, doch die Dorfkinder wollten aus Zweisamkeit eher eine Gruppenaktivität machen.

Nun sollte es nach Tansania gehen, doch da ahnten wir noch nicht, dass uns einer der nervigsten Grenzübergänge und auch der bisher längste bevorsteht.

Ich hatte alle Einträge zur Grenze gelesen und wir fühlten uns gut vorbereitet, doch verunsicherten uns die Zeitangaben von 2 bis 5 Stunden. 

  1. Ins Malawi Häuschen easy den Pass ausgestempelt.
  2. Dann zum Customs-Schalter an dem die Dame nichts sagend mit unserem Carnet verschwand, ToYo angeguckt hat sie aber nicht. Nach circa 15 min erhielten wir unser gestempeltes Carnet zurück.
  3. Ab ins Auto und nach Tansania gerollt. Wilde Grenze mit Unmengen Fußgänger, LWK‘s und unzählige Agents (glaube nur der elegante Name für Schlepper) boten ihre Dienste an.
  4. Im Tansania Häuschen wurden wir direkt vom „Health Port“ abgefangen. Unsere Gelbfieberimpfung wollte keiner sehen, aber wir erhielten ein Rechnung über 5 US$, dass ToYo keine Affenpocken hat?! ToYo wurde dafür natürlich wieder nicht angeschaut, wir sollten „raus“ gehen um zu bezahlen… Hä? Wo? Außer, dass hier dubiose Gestalten zu einem unverschämt schlechten Kurs Geld tauschen wollten, war hier keine “Bezahloption”.
  5. Also ignorierten wir die Bezahlung erstmal und kümmerten uns ums Visum. Das ging erschreckend schnell (circa 10 min) als ich 100 US$ auf den Tisch legte (ist der reguläre Preis).
  6. Dann Customs-Schalter und da ging das Problem los – meine Recherche hatte ergeben, dass man eine Kopie von Pass, Führerschein und Fahrzeugschein bereit halten soll – hatten wir. Wollte aber niemand sehen, sondern wir sollten alles einscannen und als PDF schicken. Den Anhang unserer iPhone E-Mail (zum Glück waren wir noch im Malawi Netz) konnte sie aber leider nicht öffnen, sodass uns dann doch jemand von den “Agents” helfen musste (kostenlos)…

Zeitgleich mit uns kam eine südafrikanische Motorbike Gruppe an, die sich einen „Agenten“ gegönnt hatten, der aber genauso verzweifelnd mit uns am Schalter stand. Dann war Mittagspause und da scheinbar nur eine Dame das Programm „beherrscht“, verzögerte es sich weiter. Wir machten es den Südafrikanern gleich und aßen erst einmal was. Tony kochte bereits vor Wut und Ungeduld. Nach gut zwei weiteren Stunden gab sie uns das Carnet ungestempelt wieder und wir sollten das komplett leere Carnet zu einem anderen Herrn bringen, der es dann ebenfalls durchblätterte?! Damit zurück und dann nach weiteren unzähligen Minuten druckte sie die Rechnung für die Road Tax aus. Wir sollten jetzt „raus“ zu der Bank und da das Geld überweisen. Also ins Auto und ohne Dokumente die Grenze verlassen?! Ok… Dann standen wir aber vor der verschlossenen Bank, denn es war ein muslimischer Feiertag! Ach und das wusste an der Grenze keiner?! Ein neuer dubioser Herr wollte uns helfen und zeigte uns eine Bretterbude “m-pesa”, wo die Transaktion gemacht werden kann. Im Leben hätte ich ihm meine VISA nicht gegeben, also Dollar in Schilling getauscht zu einem schlechten Schwarzmarktkurs, aber wir konnten endlich weiter.

Mit den Quittungen also wieder rein in die Grenze gefahren, erst beim Health Port unseren Pocken-frei-Zettel bekommen, dann zum Customs-Schalter und endlich das Carnet gestempelt. Wir wurden lautstark von den Südafrikanern bejubelt – schneller als mit „Agent“, aber trotzdem sehr anstrengend…

Unser erstes Ziel in Tansania war das Städtchen Mbeya in mitten von Kaffeeplantagen. Wir nutzen den Stop zum Einkaufen, SIM Card besorgen und ich empfand den Kaffee im Espresso Martini süffiger als im morgendlichen Kaffee.

 Doch wir sind nicht hier um mich doch noch zum Kaffeetrinker zu machen, sondern Safari stand wieder auf dem Programm. Unser erstes Ziel war der Ruaha Nationalpark. 

Wir hatten schon von mehreren erfahren, dass die tansanischen Nationalparks für „Foreigner“ sehr teuer sind gerade wenn man mit dem eigenen Auto reist.

  • Eintritt pro Person: USD 30 für 24 Stunde
  • Camping pro Person: USD 30
  • Gebühr fürs Fahrzeug: USD 40 bis 2 Tonnen, USD 150 bis 3 Tonnen und USD 200 über 3 Tonnen
  • Auf diese Preise kommen noch 16% Mehrwertsteuer dazu

Ich hoffe, dass das nun kein Beamter der tansanischen Nationalparkbehörde liest. Ich denke jedem ist klar, dass ToYo über drei Tonnen wiegt. Es wurden Bilder von ihm gemacht und wir mussten unsere Fahrzeugpapiere zeigen. Der Ranger verschwand eine Weile, es wurden Telefonate geführt und dann legte man uns einen Zettel mit der zu zahlenden Summe hin 270$ ohne Steuern – Mist 2. Kategorie. Also war meine Überzeugungskraft gefragt… So eine deutsche Zulassung mit alle den Zahlen (zum Glück ohne Einheiten) ist ja auch schwer zu verstehen. Ich verwies auf die Zahl 1930, dass das unser Leergewicht sei. Es wurde ein erneutes Telefonat geführt und schon reduzierte sich der Betrag auf 160$ ohne Steuern und das Beste wir sind so nun für alle Nationalparks in der leichten Kategorie registriert. Ach so, 1920 hat die Einheit cm und ist unsere Breite 😉

Nicht nur durch unseren „Discount“ sondern auch wegen der tollen Landschaft und Tierwelt verliebten wir uns ins direkt in Ruaha. 

Wir fuhren den Flusslauf ab und entdeckten viele Elefanten, die ihren Durst löschten, Giraffen, die süße Blüten von dem Baumwipfeln naschten und dann endlich Löwen. Es war ein Rudel von acht und sie machten sich über einen Büffel her.

Wir beobachteten das Fressen eine Weile mit einem kühlem Getränk in der Hand (Funfakt ratet mal wer sich ganz verträumt auf der Hupe abgestützt hat?! Wenn mir das passiert wäre, hätte ich lebenslanges Safari-Verbot bekommen 😉

Auf unserem Weg sahen wir ein Safari Auto vor uns und fragten, was sie sehen und verstanden warum auch immer „Elephant“. Hä? Wo ist hier ein Elefant, doch dann entdeckte ich ein gemustertes Schwänzchen vom Ast hängen – unser erster Leopard. 

Wir schlugen uns weiter durchs das meist trockene Flussbett und pünktlich zum Sunset kamen wir zu den Löwen zurück.

Doch die waren verschwunden, aber unzählige Geier und vier Schakale machten sich über die Reste her.

Nun aber schnell zur Campsite 1, denn nur bis 19 Uhr darf man im Park unterwegs sein. Sagen wir so, es musste vom akademischen Viertel Gebrauch gemacht werden, aber wir haben auch auf dem Rückweg eine Ginsterkatze gesehen.

Nun fix Feuer gemacht, lecker gegrillt und dann schnell ins Bett. Wir wussten nämlich, dass das Camp häufig von einem etwas „aufdringlichen“ Elefanten besucht wird. 

Ob wir nachts von einem Elefanten besucht wurden, oder wir wieder alles verschlafen haben, lest ihr im nächsten Blog.

Eure Elefantenflüsterer 

Tony&Juli 

The warm heart of Africa, aber mit schlechten Brücken – Malawi 

Natürlich gab es einen Salto, aber wenigstens ist er fußwärts eingetaucht. Die Amis rasteten aus vor Begeisterung und ich rief 5000 Kwacha und öffnete meinen imaginären „Klingelbeutel“. Die Guides waren nicht so begeistert, dass ihnen die Show von diesem Mzungu gestohlen wurde.

Nun konnte es zurück ins Hiker’s Nest gehen, wir schauten auf dem höchsten Stein im Dorf unter gespannten Blicken der Kinder den Sunset und stärkten uns mit einem „Bauernfrühstück“ für unsere morgige Wanderung.

Am nächsten Morgen stand unser Guide (der Nachbar) pünktlich 7Uhr am Tor und sammelte uns ein. Es ging ohne große Vorrede los und bereits auf den ersten 4km erklommen wir 800Höhenmeter. Unser Hike ging aufs Chambue Basin (1100HM, 12km, 6-8h). 

Wir teilten uns unser Wasser initial für den steilen Anstieg gut ein, doch bei schwülwarmen 28°Grad tranken wir an der letzten Steigung alles aus, denn es gab oben auf dem Plateau eine Quelle. 

Quelle war nach näherer Betrachtung etwas übertrieben, eher ein „Gebirgsfluss“ und in der Hoffnung, dass flussaufwärts gerade keiner Wäsche wäscht oder schlimmeres, füllten wir auf. 

Nun führte der Weg über das Plateau an den Berggipfeln vorbei (dazu wären Mehrtageswanderungen nötig gewesen und eher zu einer kühleren Jahreszeit empfohlen) bis zum Chambue Hut. Bitte stellt euch keine alpine Baude vor, wo es nach Kaiserschmarn durftet. Doch es gab Bier, zwar warm und etwas staubig, aber nach nun 1200Höhenmetern ein adäquates Lunchgetränk (wir hatten uns eine Käse-Gurken-Schnitte gemacht).

So revitalisiert und euphorisiert merkten wir erst verspätet, dass wir schon längst mehr als 12km gelaufen waren und zweifelten an der Route und unserem Guide, doch aus Mangel an Alternativen ging es weiter. 

Nach in Summe 1400 Höhenmetern ging es dann endlich bergab, doch denkt nicht, dass es jetzt entspannter wurde. Wir schlugen uns den großsteinigen Flusslauf entlang bis zum Wasserfall.

Nach 23km erreichten wir ToYo, wir bedankten uns bei unserem Guide Francis und dann duschten wir fix, sonst hätte uns ToYo sicher nicht mitgenommen. Da es noch nicht so spät war beschlossen wir noch etwas zu weiterzufahren und dann schafften wir es (gab auch nur einen Stop durch die Polizei, der Officer suchte aber nur einen Gesprächspartner und da war er bei mir ja an die Richtige geraten, ich kurbelte mein Fenster runter und bot ihm direkt an meinen Billtong Snack mit ihm zu teilen, ich bewunderte seine adrette Uniform und seinen durchtrainierten Körper, so geschmeichelt vergaß er glaube ich was er eigentlich wollte und ließ uns passieren) bis zum Majete Game Reserve. 

Okay es war sehr knapp, sodass wir mit dem Sundowner etwas improvisierten mussten und so stoppten wir auf der Straße (also Sandweg) und nahmen den Sundowner auf dem Dach ein. Ach so vielleicht wichtig für eure zeitliche Einordnung wir sprechen hier von Sonnenuntergang 17:20, dann ist es stock dunkel und wir liegen dann meist zwischen 19 und 20 Uhr im Bett. 

Und so hat man zum Sonnenaufgang gegen 5 Uhr ausgeschlafen und kann pünktlich um 6 Uhr am Gate zum Game Drive stehen. 

Das Majete Game Reserve wird wie der Liwonde Nationalpark vom Shire durchflossen, doch hier zeigt sich der Fluss mit mehreren Stromschnellen (historischer Fakt: wegen diesen Stromschnellen musste David Livingstone seine Shire Expedition zu Boot abbrechen und es ging wieder zu Fuß weiter). 

Der Park hatte lange ebenfalls mit Wilderei zu kämpfen, doch Afrikan Parks hat in jahrelangen Projekten wieder Elefanten, Nashörner, Löwen und viele mehr angesiedelt und lokale Ranger ausgebildet, die entlang der Elektrozäune patrouillieren, damit sich wieder eine gesunde Population bildet.

Wir sind direkt morgens zu den Wasserlöchern, doch erspähten außer Antilopen niemanden (das nördliche Wasserloch sei wohl beliebt bei den Nashörnern). Danach fuhren wir den Shire ab und entdeckten einen Löwen und eine große Herde Elefanten.

Meine Idee war es die Mittagshitze am Pool im Camp „auszustehen“ (so wie es auch die Tiere tun), doch Tony entdeckte eine 4×4 Strecke im Park. Wir hatten uns vorbildlich beim Ranger abgemeldet und los ging es. 

Wir erhofften uns hier die Nashörner zu finden, doch vergebens. Aber wir wurden mit einer Gruppe Giraffen, unseren ersten Buschschweinen, unseren ersten beiden Serval (kleine Katzenart) und viele unterschiedlichen Antilopen belohnt.

Und wir haben auch ordentlich Road Maintenance gemacht, zwar eher unfreiwillig, aber es gab einige Bäume die auf dem Weg lagen.

Also wir können uns nicht vorwerfen lassen, dass wir nicht den wildesten Pfad in einem Park finden. Unseren Rückweg zum Gate (mussten 18Uhr zurück sein) machten wir noch einmal entlang des Shire und ließen es uns auch nicht nehmen den Sundowner dort einzunehmen.

Ihr erinnert euch an den zeitigen Sunset?! Wir gaben alles pünktlich am Gate zu sein und der Ranger versuchte uns bereits anzurufen und sorgte sich. Doch pünktlich 17:59 waren wir am Gate. 

Aber den nächsten Morgen haben wir dann wirklich einmal ruhig angehen lassen und entspannten am Pool mit Blick über den Shire.

Wir hatten den südlichsten Punkt dieser Reise erreicht und nun ging es wieder nach Norden und wir wollten es heute noch ein gutes Stück schaffen. Unser Backup Camp wäre eine alte christliche Mission gewesen, doch wir schafften es noch bis nach Senga Bay an den Malawisee.

Was man mir auch nicht vorwerfen kann, dass ich nicht immer die nerdigste Aktivität im Dorf finde. Ich fand eine Buntbarsch-Farm, die wenn man nett fragt eine kleine Führung macht. Und ich fragte sehr nett. Es ging mit einem ebenfalls nerdigen Farmmitarbeiter zuerst durch das „Krankenlager“ bzw der Bereich, wo die Barsche nach dem Fang (meist um Likoma Island durch Taucher in 10-30m Tiefe) ankommen. Einige entwickeln eine Pilzerkrankung, diese wird dann medikamentös behandelt.

Nach einer Woche kommen sie dann in die großen Außenbecken und leben in ihrem Schwarm bis sie nach Europa oder Asien verkauft werden. 

Der Versand erfolgt in wassergefüllten Beuteln mit Sauestoffanreicherung, die für 72h reicht, erst per Auto nach Lilongwe und dann in den Flieger. Tony ist der Meinung ich habe genug von den Barschen erzählt, also kommt gerne auf mich zu, wenn ihr mehr Details braucht 😉

Danach begann unser Beach-Hopping, wir hangelten uns von einem schönen Beachcamp zum anderen.

Doch wir wollte noch bis nach Mzuzu einkaufen. Das hört sich trivial an, aber wenn man an der Straße und auf Märkten aktuell nur Tomaten, Kartoffeln oder Zwiebeln bekommt, beim lokalen Schlachter das Tier im Ganzen an der Hauptverkehrsstraße hängt, löst schon die Hoffnung auf einen „Supermarkt“ Luftsprünge aus. 

Und es gab wirklich einen Shoprite! Das ist eine südafrikanische Kette mit richtigen Kühlschränken (in Senga Bay waren wir in einem indischen „Supermarkt“, da hat es aus der Tiefkühltruhe getropft und gemüffelt). Plötzlich sprach mich ein Herr im Gemüsebereich an, ob ich Avocados will. Mein Avocadoverlangen muss deutlich sichtbar gewesen sein, er meinte er hat welche und wartet an unserem Auto auf uns (wieso wusste er welches Auto zu uns gehört?) und dann bringt er uns zu den Avocados. Ich befürchtete ein Verbrechen, doch wollte auch Avocados. 

Es ging quer über den Markt gegenüber und er erzählte uns, dass er auch Guide und Künstler ist. Ich sah mich schon in einem Holz-Schmuck-Nippes-Laden ohne Avocados, aber nein er führte uns zu tollen Avocados. Bananen und Kartoffeln kauften wir auch noch. Zurück am Auto mussten wir uns dann noch seine Armbandkollektion anschauen – leider nicht mein Stil, aber er bekam das Wechselgeld.

Wir wollten 45km vor dem Nyika Nationalpark schlafen da in dem Dörfchen Rumphi eine einfache Campsite eingetragen war. Wir rollten auf den Hof und hatten direkt ein mulmiges Gefühl. Wir ging in die Bar und fragten nach der Campsite und man sagte uns, dass es die nicht mehr gibt. Fuck die Sonne ging auch gerade unter, was nun?! Wir durften für umgerechnet 2€ im Hof stehen und die Toilette in der Bar nutzen. Wir kochten schnell Nudeln und versuchten dann trotz lauter Musik einfach schnell zu schlafen.

Bei Sonnenaufgang packten wir zusammen und rollten zum Gate des Nyika Nationalparks. Nyika bedeutet übersetzt Wildnis, doch die besteht hier nicht aus dichtem Busch und Wildtieren, sondern aus Bergen, weiten Hochebenen und beherbergt Großwild und es ist unsere Hoffnung auf eine Leopardensichtung. 

Also los, da der Park auch eine Transitroute nach Norden ist, muss man im Park noch mehrmals durch sogenannte Wildzäune. Nachdem ich bei Tony gesehen hab, dass nichts passiert habe ich die nächsten Zaunöffnungen übernommen. 

Es ging zu erst übern den Chosi Circular Drive, wo wir einen Eisenschmelzofen entdeckten, über das Alter wird wohl auch noch gestritten. 

In dem Park gibt es Leoparden, Büffel und Elefanten, aber aussteigen darf man scheinbar. Bei jedem Rascheln im Gebüsch war uns etwas mulmig. Danach fuhren wir die Wasserlöcher ab und entdeckten wirklich viele Antilopen.

Uns lockte noch die Nordrunde zu den Aussichtspunkten und einer kleinen Bergbesteigung – dem Mount Nganda mit 2601m. Zwei nicht englisch-sprechende Wächter der Antenne? begleiteten uns und wir fanden Leoparden-Poo. 

So motiviert fuhren wir weiter und entdeckten in der Ferne ein Buschfeuer mit dicken Rauchschwaden. Etwas mulmig wurde uns, als der Weg immer näher auf die dicken Rauchschwaden zuführte. Auf den Schreck und zur Betrachtung der Lage stoppten wir und sichteten den Qualm mit einem kühlem Getränk in der Hand, da wir laut Karte nur noch 12km vom Camp entfernt waren. 

 Aber da wir im hellen ankommen wollten, rollten wir weiter und schnell wurde der Weg immer undurchsichtiger und überwachsener. Mussten nur noch über eine Brücke und dann wären wir wieder auf einem „größeren“ Weg gewesen.

Wir liefen den Bach ab, aber es war überall zu steil und nichts zum Bauen da, also drehten wir um und überlegten an unserem Bierstop zu schlafen, da wir da noch (nach unserer Einschätzung) weit genug vom Feuer weg und gegen dem Wind waren.

Nächte auf einem 2400m hohem Plateau sind auch in Afrika kühl (12 Grad) und unglaublich windig, wir beschlossen direkt unten (also mit zugeklapptem Dach) zu schlafen. 

Nachts wurden wir immer mal wieder wach, weil ToYo wackelte und ich muss unbedingt recherchieren ab welcher Windstärke ein Auto umfällt, denn ich denke wir waren nah dran. 

Mit den ersten Sonnenstrahlen standen wir auf und versuchten nun endlich einen Leoparden zu finden, doch wir fanden nur eine weiter nicht mehr existierende Brücke.

Ob wir eine neue Brücke gebaut haben, oder zusammen mit den Antennen-Jungs nun im Park leben, erfahrt ihr natürlich im nächsten Blog

Eure Gestrandeten

Tony+Juli