Irgendwann ist es eine gute Geschichte – Tansania

Es stand ein weiterer Grenzübergang an – auf nach Tansania, schließlich warten hier unsere neuen Blattfedern auf uns. Die Grenzstadt war Rusumo. Wir lehnten wieder Schlepper und Geldwechsler ab, da wir uns gut vorbereitet fühlen. Man fährt direkt über eine Brücke nach Tansania, dort passiert auch der Wechsel in den Linksverkehr. 

Bevor wir in Ruanda ausgestempelt werden konnten, mussten wir unsere Gelbfieberimpfung vorweisen, dann mussten wir umgerechnet 5€ am Bankschalter einzahlen, um einen Zettel zu bekommen, dass Toyo keine Affenpocken und/oder Ebola hat?! Dann wurden wir für Ruanda ausgestempelt, nächster Schalter Tansania Visa-on-arrival (50 US$ pro Person). Jetzt musste nur noch Toyo bearbeitet werden – Ruanda hat das Carnet ausgestempelt, der Tansania Customs Kollege hat da etwas länger gebraucht, wir haben 20 US$ Road Fee bezahlt und nach zwei Stunden waren wir alle drei drin. 

Wir waren sofort von der unglaublich schlechten Straße schockiert. Es stand ein PKW auf der Straße mit einer Panne und da wir ja nur allzu gut wissen, wie es sich anfühlt, fragte Tony, ob Hilfe benötigt wird. Es war ein Auto aus der Demokratischen Republik Kongo und ich glaube, sie waren im ersten Moment auch irritiert, dass der „Muzungu“ helfen will. Wir schleppten ihn in das nächste Dorf zu einer Werkstatt und haben einen afrikanischen Freund mehr.

Die Straßenverhältnisse wurden die nächsten 100km auch nicht besser, sodass wir es natürlich nicht so weit schafften, wie wir erhofft hatten, und stellten uns schon auf eine wilde Nacht ein. Im ersten Dorf kauften wir eine SIM-Karte und lokales Bier und dann stellten wir uns hinter einen Hügel an den Highway (also eigentlich eine normale einspurige Straße, nachts zum Glück wenig befahren). Wir waren nicht von der Straße zu sehen, kochten schnell Nudel und schliefen dann schnell.

Die Nacht verlief ruhig und wir machten nach Sonnenaufgang weiter. Unser Ziel war die Stadt Mwanza am Viktoriasee – der größte See des ostafrikanischen Grabenbruchs und zweitgrößter Süßwassersee der Welt. Aber vor allem „Quelle des Nils“, aus ihm fließt der Viktoria-Nil (da wo wir White Water Rafting gemacht haben) und der speist den Weißen Nil. Die Stadt wird auch „Rock City“ genannt, wegen der unzähligen bizarren Ganitfelsen. 

Ich würde gerne sagen, dass man an der Lakefront Promenade den Bismarck-Felsen findet – Felsen ja, Promenade nein. Auch den Charme einer alten deutschen Kolonialstadt haben wir vergebens gesucht. Aber zum Felsen, er verdankt seinem Namen einer Statue, die während der deutschen Kolonialzeit zu Ehren von Otto von Bismarck angeblich hier gestanden haben soll. 


Es hatte auch noch geregnet und so war eine Brücke weg bzw. überspült und es herrschte noch mehr Verkehrschaos – so verlängerte sich unser Shopping Stop, sodass wir erst zum Sonnenuntergang in der wirklich schönen Campsite am See ankamen. Wir gönnten uns den Sundowner und Dinner (endlich Fisch) auf dem Deck mit Blick über den See. 

Nun war es aber Zeit, den Weg Richtung Serengeti ähm natürlich Arusha anzutreten, da dort unsere neuen Blattfedern auf uns warten. Unsere sehr erwachsene Überlegung war, wenn wir durch die Serengeti nach Arusha fahren (anstatt südlich drumherum), sparen wir 100km Strecke, die ist aber vielleicht statt 900km asphaltierter Highway komplett offroad – klare Entscheidung: Serengeti mit kaputten Blattfedern. 

Wir trafen direkt die nächste sehr erwachsene Entscheidung, da wir zwei Kostenvoranschläge in Arusha für Blattfedern bekommen haben und der eine 800 US$ günstiger war, haben wir ja eigentlich 800 US$ „gespart“. Diese haben wir vielleicht in eine Balloon Safari in der Serengeti „investiert“, zusätzlich haben wir ja auch 100km Strecke gespart, das darf man nicht vergessen. 

Wir fuhren durch die Serengeti und ja, sie ist toll. Endlose Weite, große Tierherden – wir fanden drei Löwen, die recht faul herumlagen, eine Gruppe Hyänen, die am Tage herumliefen. Wir glauben, dass ihr Bau während des kurzen Gewitterschauers geflutet wurde und sie deshalb die Flucht ergreifen mussten. 

Wir kamen nach Sonnenuntergang auf der Public Campsite DikDik an und waren initial erschrocken über die ganzen Safarizelte, die Gruppenreisen. Die Guides/Köche blockierten den gesamten Küchenbereich und die Safari-Touristen saßen aufgereiht im Aufenthaltsraum – mega laut, unangemessene Gespräche – sehr unangenehm. Wir suchten uns eine ruhige Ecke, grillten schnell und schliefen, da wir bereits 5:10 am nächsten Morgen für die Balloon Safari abgeholt wurden. Wir hörten nachts sehr laut und nah Hyänen und Löwen, nach Sichtung der Wildtierkamera wussten wir, dass eine Hyäne mehrmals am Auto vorbei gelaufen ist.

Am Morgen ging es dann im Dunkeln zum Startplatz der Balloons. Man wurde nach Gewicht verteilt und bekam einen Sicherheitsgurt. Es sah wieder toll aus, als die Balloons gefüllt wurden.

Wir waren eine Stunde in der Luft, haben einige Antilopen gesehen, sind über mehrere Hippo-Pools „gefahren“ und haben die Sonne (leider hinter mystischen Wolken) aufgehen sehen.

Es war schon schön, aber in Namibia war es beeindruckender, vielleicht auch weil da der Zauber des ersten Mals dabei war. 

Aber dann kam ja noch das Champagner Busch-Frühstück. Wir erhielten unser Balloon Zertifikat und dazu wurde mit (haltet euch fest) alkoholfreiem Freixenet Sekt angestoßen. Das Bild gibt unser aller Entsetzen / Enttäuschung bestens wieder.

Das Frühstück war okay, aber nichts, wo man länger sitzt und so machten wir uns auf den Weg zum nordöstlichen Gate. Wir fuhren durch weite Pfannen und sahen die riesigen Gnu- und Zebraherden der „Großen Migration“.  

Und wo so viel „Futter“ rumläuft, muss es doch auch Katzen geben – ein paar Meter weiter fanden wir an der Straße eine Löwin.

Aber es wäre nicht DIE Serengeti, wenn sie nicht noch einen draufsetzen würde. Im rechten Augenwinkel entdeckte ich etwas, rief leise „stop“ und wir rollten zurück.

Das glaub ich doch nicht, eine wunderschöne Gepardenmutter mit fünf kleinen Spätzen. Sie überquerten direkt hinter uns die Straße, spielten dabei und kuschelten mit der Mutter. 

Wir waren das einzige Auto und es war magisch, aber irgendwann mussten wir weiter, da noch die Strecke bis zum Lake Natron vor uns lag. 

Wir nutzen die Strecke nur, um nach Arusha zu kommen, aber sie war auch landschaftlich wunderschön. Wir schliefen auf einer Campsite mit Blick auf den See. Sundowner im Pool mit Blick auf den See mit Flamingos geht schon. 

Am Morgen ging es weiter durch trockene Flussbetten, entlang erloschener Vulkane (Ol Doinyo ist zuletzt 2008 ausgebrochen und ist der heilige Berg für die Maasai).

Es zogen viele Maasai mit ihren Kuh- oder Ziegenherden durch die Steppe, dazwischen mischten sich Zebras und Springböcke. Wegen den ganzen Gebühren, die für die Strecke zu zahlen sind, und den Maasai, die die Wasserflaschen, die sie von Touristen bekommen, einfach neben die Straße werfen, würden wir die Strecke aber wohl nicht noch einmal fahren…

Wir erreichten Arusha und konnten Toyo pünktlich Montagmorgen in der Werkstatt abgeben. Wir waren vorbereitet, dass es nicht an einem Tag fertig wird, sodass ich in 3km Entfernung ein Hotelzimmer reserviert hatte. Tony wollte den Einbau beobachten und ich entschied, zum Hotel zu laufen. 

Es war okay, circa zehn Herren fragten, ob sie mich mitnehmen sollen, aber eigentlich alles safe und ich gab all unsere Dreckwäsche im Hotel ab. 

Tony hatte eine gute Zeit in der Werkstatt, die Besitzer sind Sikh und Rallyfahrer. Diese Herren haben dann auch die Probefahrten gemacht und seitdem hat auch Tony im Gelände auch etwas vom Rallyfahrer. 

Am nächsten Mittag holten wir Toyo ab und wir feierten die neuen Federn. Es ist ein neues Auto (aber irgendwie fehlt mir das ein oder andere Quitschgeräusch) und ich weiß nicht, wie oft Tony in letzter Zeit gesagt hat: „Also, das wäre mit den alten Federn nicht gegangen“ 🤪

Wir waren so froh, dass Toyo rechtzeitig fertig geworden ist, denn am Folgetag waren Präsidentschaftswahlen hier in Tansania und wir bekamen die Empfehlung, nicht in größeren Städten zu sein, da es zu Protesten kommen kann. Wir deckten uns also in Arusha nochmal mit Lebensmitteln und Bier ein und fuhren Richtung Süden. Wir schliefen wild neben dem Highway und fuhren dann am Tag der Wahl (Mittwoch) in das Städtchen Iringa. Hier wollten wir die beste Pizza Afrikas essen, bevor wir in den Ruaha Nationalpark starten wollten. Aber bei Mama Iringa war alles verschlossen, alle waren weg wegen den Wahlen. Wir wollten eine anderen Campsite anfragen, aber irgendwie ist die WhatsApp-Nachricht nicht rausgegangen? Mh, alles komisch… Wir fanden noch eine Tankstelle, wo unsere Visa-Card funktionierte, und dann rollten wir weiter.

Am Morgen (Donnerstag, einen Tag nach der Wahl) fuhren wir zum Gate des Ruaha Nationalparks. Hier sagte man uns, dass es einen Network-Breakdown gibt (hat aber nichts mit der Wahl zu tun), wir bekamen also erstmal nur eine Rechnung (Nationalparks sind alle cashless, um die Korruption zu verhindern), und sollten morgen, wenn wir rausfahren, bezahlen, da gehe das Internet sicher wieder. Tony ging schon zum Auto und schrie plötzlich auf „Orrr nee“, aber wir hatten nur unser hinteres Nummernschild verloren. 

Also erstmal Safari. Wir mochten diesen Nationalpark schon letztes Jahr und fuhren entlang des fast trockenen Ruaha-Flussbettes.

Kurz danach hatten wir unseren „deutschen“ Moment des Tages. Wir sind an eine kleine Brücke gefahren und auf beiden Seiten war eindeutig derselbe Defekt – wir guckten uns an „ganz klar Konstruktionsfehler“ und in dem Moment sprang ein Leopard unter der Brücke hervor. Wir waren so überrascht, dass wir natürlich kein Bild machen konnten.

Aber wir haben noch Löffelhunde gefunden und dann sind wir zur Tembo Campsite.

Hier warteten „unser“ Hippos und eine Gruppe Elefanten auf uns. Ich bereitete das Abendessen vor und Tony hatte ich duschen geschickt. Er kam ungeduscht zurück und meinte, es sei eine „Duschschlange“. 

Wir dachten zu erst an eine grüne Mamba, entschieden uns dann doch für eine grüne Baumschlange und sie schlängelte sich Richtung Abfluss weg. Wir gingen trotzdem in die andere Dusche. Danach grillten wir lecker und wurden von einer Genet Katze besucht. Als wir im Bett lagen, stapfte unser Hippo in, ich glaube, weiblicher Begleitung vorbei.

Als wir am Morgen den Park verließen, ging das Internet immer noch nicht und wir bezahlten cash in US$.

Wir suchten die ersten Kilometer ganz aufmerksam nach unserem Nummernschild. Dann mussten wir uns entscheiden – nach links um weiterzusuchen und dann durch Iringa auf den Highway zu fahren – nach rechts, direktere offroad Strecke zum Highway. Da wir keine Hoffnung auf unser Nummernschild hatten, entschieden wir uns für offroad. 

Es dauerte dann noch einige Kilometer auf dem Highway, bis wir durch eine erste „Stadt“ fuhren. Davor war uns schon aufgefallen, dass wir die einzigen auf der Straße waren und nicht einmal die unzähligen Obst- und Gemüsestände offen waren. 

In der Stadt Mafinga wurden wir vom Militär angehalten. Er wollte wissen, wo wir herkamen und wo wir hin wollten. Er sah besorgt und skeptisch aus und meinte dann nur: „be careful”. Ich fragte vor was oder wem ich mich denn in Acht nehmen soll, aber das könne er nicht sagen und wiederholte nur: “be careful”… Wenig später sahen wir eine lichterloh brennende Tankstelle und die Überreste von brennenden Straßenbarrikaden. 

Wir entschieden trotzdem weiterzufahren und ohne LKW’s und Busse kamen wir auch schnell voran. 

Es gab auch die “normalen” Polizeicheckpoints, hier entspannte Polizisten, die nichts von uns wollten – komisch. 

Kurz vor Mbeya in Uyole wurden wir wieder vom Militär (noch mehr bewaffnet und in Schutzausrüstung mit Helm) angehalten. Die gleichen Fragen, und sie meinten, wir sollen umdrehen und zurückfahren – „ja, aber wohin? Was ist hier los“, aber wir bekamen keine Antworten. Ich glaube, weil sie nicht wussten, was sie mit uns machen sollen, schickten sie uns weiter mit den Worten: „You can try it. Good luck“. Wir kamen dann noch in eine dritte Militärkontrolle….

Wir haben uns entschieden, die Details dieser unruhigen Tage nicht zu posten. Wir sind uns sehr sicher, dass die Handys abgehört wurden, GPS war gestört und alle haben eine Nachricht von der Regierung aufs Handy bekommen, dass man keine Bilder posten und „Fake News“ verbreiten darf, da sonst Strafen drohen.

Wir schafften es bis in die Utengule Coffee Farm bei Mbeya. Hier wurden wir von überraschten Gesichtern begrüßt – wie habt ihr es hierher geschafft, es ist Ausgangssperre.

Wir verbrachten hier vier Tage Ausgangssperre und wir hätten an keinem anderen Ort mit keinen anderen wunderbaren Menschen diese wilden unruhigen Tage verbringen wollen. 

Es gab lecker Essen, köstlichen Espresso Martini, kaltes Bier, großen Pool, wir haben Uno und Wikinger Schach gespielt, ich bastelte ein neues Nummernschild, wir wuschen wirklich alles, putzen Toyo und ja, haben auch Schüsse und Explosionen gehört…

Ach, aber so vier Tage auf der Coffee Farm haben selbst mich zum Kaffee trinken gebracht (weiß noch nicht, ob ich auch in Europa Kaffee trinken werde).

Es gab unterschiedliche Informationen, wie die Situation an den Grenzübergängen ist, da Tony einen beginnenden Lagerkoller erlitt, probierten wir am Dienstagmorgen, zur Grenze nach Sambia zu fahren. 

Ob wir noch vor verschlossenen Türen standen oder es hier raus geschafft haben, lest ihr im nächsten Blog.

Eure Unversehrten 

Tony&Juli 

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